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Proteine, Disziplin und Krafttraining
Proteine, Disziplin und Krafttraining Men’s Physique:

Damit sich sein Körper am Tag X von seiner besten Seite präsentiert, hält sich der 23-jährige Trubschachener Thomas Kunz an einen strikten Ernährungs- und Trainingsplan.

Thomas Antonio Kunz, 23-jährig, betreibt Men’s Physique mit Erfolg – er wurde gar von seiner Gemeinde für seine Erfolge geehrt. Kunz gewann den Schweizermeistertitel, eine Goldmedaille an der Amateur-Olympiade und den Gesamtsieg über alle Kategorien an einem internationalen Anlass in Irland. Somit gehört Kunz zu einem der wenigen Schweizer Profis der Kategorie Men’s Physique. 

Aber er musste auf der Bühne vor versammelten Mitbürgern erklären, was er denn nun genau mache. «Men’s Physique ist eine Weiterentwicklung des klassischen Bodybuildings. Nicht mehr so grob, sondern eher Fitness-
Muskeln», sagt der 23-Jährige. Gegenüber den Bodybuildern gibt es viele Vorurteile. Treffen die auch auf die Athleten des Men’s Physique zu? «Zum Teil können die gut stimmen», sagt Kunz und lacht. «Es kommt ex-trem darauf an, in welcher Kategorie man sich befindet. Meine Kategorie und das Pendant bei den Frauen, die Bikini-Klasse, soll schon bald an die Olympischen Spiele gebracht werden. Daher unterliegen wir schon jetzt dem Anti-Doping-Gesetz. Aber zum Beispiel in den USA gelten immer noch andere Regeln. Und da habe ich schon auch Athleten gesehen, die gewisse Dinge konsumieren, um ihr Muskelvolumen zu vergrössern», gibt der Muskelmann aus Trubschachen zu. 

Ausgeklügeltes Ernährungssystem

Kunz bevorzuge eine saubere Arbeit, das heisst eine ausgewogene Ernährung und diszipliniertes Training. Die strenge Zeit sei die Wettkampf-Vorbereitungs-Phase, die gut zwölf Wochen daure. «Das ist die Zeit, während der ich wirklich diszipliniert bleibe, da kann ich auf niemanden Rücksicht nehmen und schaue nur auf mich. Dann darf ich leider nicht einmal meine Grossmutter besuchen, sie würde nicht verstehen, dass ich ihre vorzüglichen Mahlzeiten nicht essen darf», erklärt Kunz, fügt aber an, er freue sich immer sehr, nach den Wettkämpfen seine liebe Grossmutter doch besuchen zu dürfen. «Also während der Vorbereitungsphase esse ich sieben bis acht Mahlzeiten pro Tag, jede wird genau abgewogen. Die Mahlzeiten bestehen hauptsächlich aus Poulet, Reis, mal etwas Rind und Teigwaren. Ich muss ganz genau wissen, wie viel Eiweiss, Kohlenhydrate und Proteine ich zu mir nehme. Und ja, klar, die meisten Proteine nehme ich Form eines Shakes zu mir, sonst müsste ich Unmengen Fleisch essen.»

Die Vorbereitungsphase sei sehr intensiv, denn es verlange viel vom Körper und habe schon mehr als einen Athleten mental überfordert. «Man beginnt mit rund 3000 Kalorien pro Tag und einer Trainingseinheit. Die Kalorienzufuhr reduziert man dann bis kurz vor dem Wettkampf. Am Schluss gibts nur noch 1600 Kalorien pro Tag, dafür muss man die Trainingseinheiten erhöhen – bis zu drei Trainings pro Tag.» Damit noch nicht genug. Die letzte Woche vor dem Wettkampf,  die sogenannte «Peek-Week», ist für den Körper nochmals sehr anstrengend: «Die ersten drei Tage mache ich ein so genanntes Aufwässern: Ich trinke pro Tag fünf bis acht Liter Wasser mit je acht Gramm Salz. Danach reduziert man für den Rest der Woche den Konsum des Salzwassers, bis einen Tag vor Wettkampf nichts mehr getrunken oder gegessen wird. Natürlich wird während dieser letzten Woche auch noch intensiv trainiert. Erst ein paar Stunden vor dem Wettkampf füllt man den Glykogen-Speicher wieder auf. So wird der Muskel praller und die Qualität kommt besser zum Vorschein», referiert der Jus-Student als wäre er ein Ernährungsberater mit medizinischem Hintergrund. «Es ist nicht empfehlenswert, dieses Stadium umsonst herbeizuführen, denn ich hatte unglaublich Durst und mir wurde auch ziemlich schummrig, weil der Kreislauf nicht mehr so mitmachte», gibt Kunz zu. Deshalb würde er, wenn immer möglich, die Wettkämpfe so planen, dass man eine Vorbereitungsphase für mehrere Wettkämpfe brauchen kann.

Zehn Minuten auf der Bühne

Und dann gehts los: Zehn Minuten hat jeder Athlet auf der Bühne. «Es gibt schon solche, die sich schminken. Ich nicht», erklärt Kunz mit einem verschmitzten Lächeln. Klar, alle putzen sich heraus und wollen sich von ihrer schönsten Seite zeigen. Es sei ja gewissermassen ein Schönheitswettbewerb. Vor der Jury zeigen die Athleten dann ihre Muskeln in akribisch studierten Posing-Choreographien, erklärt Thomas Kunz. «Ich übe das Posing ungefähr dreimal pro Woche. In den spezialisierten Fitnesszentern gibt es extra Posing-Räume, die voll verspiegelt sind. Darin kann man sich dann auch filmen. So sieht man wie die Muskeln daherkommen und kann das Posing noch verbessern». Sobald der Bühnenauftritt mit dem Posing vorbei ist, warten die Athleten auf das Juryurteil. Die besten Noten bekommen die Athleten mit den definiertesten Muskeln. «Klar, für die zehn Minuten ist es schon ein grosser Aufwand und man reist ziemlich weit. Ich war schon in Pittsburgh und Ohio an internationalen Wettkämpfen. Mein sportliches Ziel lautet, mal an den «Olympischen Spielen» der Bodybuilder in Las Vegas teilzunehmen».

Social Media bringt den Lohn

Nebst den Wettkämpfen läuft in der Szene der Bodybuilder vieles über Social Media. «Es ist nun mal eine Riesenwerbefläche für die Anbieter der verschiedenen Fitness-Geräte, Nahrungsergänzungsmittel und Kleider sowie auch für die Sponsoren. Wer etwas auf sich hält, ist auf Instagram und anderen Kanälen präsent, auch ich», sagt Thomas Kunz. Dank seiner Form, dem Social-Media-Auftritt und seinen sportlichen Erfolgen konnte der Trubschachener Bodybuilding-Profi werden. Er hat einen Kleidersponsor und er bekommt seine Nahrungsmittelergänzungsprodukte gesponsert. «Die erfolgreichsten Athleten sind nicht unbedingt die sportlichsten, sondern die, mit den meisten Followern», gibt Kunz zu bedenken. Klar sind die Plattformen gut für die Vermarktung, natürlich geknüpft an gewisse Bedingungen. So müsse er gelegentlich für seine Sponsoren an Messen den Stand hüten und Autogramme geben und natürlich eine bestimmte Anzahl an Posts mit den Produkten produzieren. «Aber», mahnt Kunz, «viele junge Nutzer denken, unsere Körper kämen nur von den vorgestellten Produkten und verstehen manchmal nicht, welche Disziplin, welcher Aufwand und Fleiss tatsächlich dahinterstecken.» Die Posts sollte man nicht allzu ernst nehmen, denn häufig seien die Bilder auch bearbeitet.

Genug ist genug

Dementsprechend überrascht es nicht, dass der Trubschachener Muskelmann gut einschätzen kann, was noch für ihn geht und was nicht: «Im März 2020 werde ich meinen nächsten Wettkampf bestreiten, den Arno Classic in Ohio (USA). Das heisst, dass ich ab Oktober wieder mit einem Vorbereitungsprogramm starten werde. Bis dahin geniesse ich den Sommer, lasse Körper und Psyche ruhen und freue mich über das Zusammensein mit Familie und Kollegen». Er freue sich auch auf ein Essen bei seinem Grosi.

Solange Kunz Freude habe am Training und es als Ausgleich zum Studium machen kann, werde er weitermachen. Klar sei aber, dass die Wettkampfphase ein Ende hat:  «Ich kann sehr gut sagen: Jetzt ist es genug. Spätestens mit 28 werde ich mit Men’s Physique aufhören und mich voll auf die berufliche Karriere konzentrieren». Was er dann sportlich machen wird, kann er nicht sagen, klar ist auf jeden Fall: «Daheim werde ich nichts machen, ich bin nicht der Typ, der im Wohnzimmer Liegestützen macht». 


 

25.07.2019 :: Olivia Portmann
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