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Nur der Chef ist nicht zufrieden
Nur der Chef ist nicht zufrieden SCL Tigers:

 

 Dank dem 4:1-Sieg gegen den Meister ZSC klettert Langnau in der Tabelle auf Rang 2. Begeisterung total? Nicht bei Trainer Ehlers, der kritische Töne wählt.


Dass Heinz Ehlers sein Team nach Niederlagen oft lobt und nach Siegen kritisiert, daran hat man sich in Langnau mittlerweile gewöhnt. Die Worte, welche er nach dem 4:1-Sieg gegen die ZSC Lions am letzten Dienstag wählte, sorgten dann aber dennoch für Erstaunen. «Das heute war schlecht. Das war sogar unser zweitschlechtestes Spiel der ganzen Saison», sagte der Däne in die Mikrofone der verdutzten Journalisten. Womit er genau unzufrieden war, wollte Ehlers nicht sagen, «das wäre zu taktisch.» Soviel aber verriet er: «Wir haben Fehler gemacht, aber nicht weil uns der Gegner dazu gezwungen hätte, sondern weil uns die Demut gefehlt hat.»

Der Coach meinte damit die Phase zu Beginn des Schlussdrittels, in welcher man den Zürchern das Anschlusstor zum 1:3 ermöglichte und deshalb noch einmal kurz ins Zittern geriet. Zuvor aber zeigten die SCL Tigers gegen den Schweizermeister, den sie in den letzten sieben Direktvergleichen sechs Mal bezwungen haben, eine überzeugende Darbietung. Nur gerade acht Schüsse gestand Langnau dem ZSC in den ersten 40 Minuten zu und führte zu diesem Zeitpunkt vorentscheidend mit 3:0.

 

«So macht es Freude» 

Mit 27 Gegentreffern stellt man die zweitbeste Abwehr der Liga (hinter Bern). Doch die SCL Tigers begeistern auch offensiv. Sie legen vor dem gegnerischen Tor eine bis anhin selten gesehene Entschlossenheit an den Tag. Nur Leader Biel (58) hat in der gesamten Liga bisher noch mehr Tore als die Emmentaler (43) erzielt. Der Begriff «Beton-Hockey», welcher oft mit Heinz Ehlers Spielstil in Verbindung gebracht wurde, ist verschwunden. Beim 6:2-Sieg am letzten Samstag in Genf lieferten die Tigers einen weiteren Grund für ihr Hoch: die mentale Stärke. Als sie einen 2:0-Vorsprung verspielten und Servette im achten Heimspiel auf den achten Heimsieg zusteuerte, behielt die Mannschaft die Nerven und schlug eiskalt zurück. «Man sieht, dass sich das Team entwickelt hat. Wir fangen nicht gleich zu zweifeln an, wenn wir ein Gegentor kassieren», sagt Flurin Randegger, welcher am Dienstag seine 500. NL-Partie absolvierte. «Es macht momentan einfach Freude. Und wenn du Spass hast, kommt das Selbstvertrauen. Und mit dem Selbstvertrauen kommt der Erfolg», so der 30-Jährige.

 

Berger vor Federer

Der zweite Tabellenrang ist zwar nur eine Momentaufnahme. Trotzdem hat der starke Beginn der Meisterschaft bereits positive Auswirkungen. Die Medienpräsenz steigt, die Marke «SCL Tigers» wird über die Grenzen des Bernbiets hinausgetragen. So sahen am letzten Sonntag rund 300'000 Zuschauer den Auftritt von Captain Pascal Berger im «Sportpanorama» von SRF. Unmittelbar vor der Schaltung nach Basel, wo Roger Federer zu seinem 99. Turniersieg befragt wurde, erklärte Berger souverän und sympathisch, dass er die ganze Mannschaft vertrete, der Grund für den Erfolg die Freude und die Leidenschaft sei und dass die Ziele noch lange nicht erreicht seien.

Während bei den Tigers das Eistraining gestern Mittwoch freiwillig war, stehen die Spieler auch heute Donnerstag nur 30 Minuten auf dem Eis. «Wir wollen für die Spiele am Wochenende so viel Kraft wie möglich sparen», erklärt Trainer Ehlers die Massnahme. Vor der zehntägigen Nationalmannschaftspause reisen die Langnauer morgen Freitag noch zu Ambri-Piotta, am Samstag empfangen sie zuhause den kriselnden Rekordmeister Davos. Mancher Tigers-Fan wünscht sich wohl, dass Heinz Ehlers sein Team danach wieder kritisieren möge.

 

01.11.2018 :: Christoph Schär
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