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Neutral?
Auszeit:

Er richtet sein automatisches Gewehr auf uns. Zwanzig seiner Kollegen stehen mit Gewehr im Anschlag hinter ihm. Wir stehen am einsamen Berg. Zu zweit wollen wir ihn besteigen, den Höchsten der Philippinen.

Zwei Minuten vorher: wir beantworten Fragen, die dreissig Soldaten der regulären Armee uns stellen. Sie fragen, ob wir die Rebellen sahen. Wir verneinen.

Das kurze Gespräch zeigt: wir sind an einem umkämpften und steilen Berg unterwegs. Weitermarschierend verschwinden die Soldaten im unteren Wald. Wir steigen dem oberen Wald entgegen. Und hier sehen wir unverhofft in den Gewehrlauf – mehrere Gewehrläufe. Sie reden nicht; wir auch nicht. Beidseitig grosse Augen, Nervosität. Auffallend: da stehen auch Frauen, in Kampfuniform, mit Gewehr im Anschlag. Die Uniformen stammen von verschiedenen Einheiten. Einige in Bluejeans, zivil gekleidet. Daheim habe ich Frau und Kinder. Mein Mitbergsteiger ist ledig und bereits länger in diesem Gastland.

Die Gewehrläufe senken sich allmählich. Ein paar wenige werfen ihre Waffe über ihre Schulter. Jetzt hängt sie am Riemen. Wir nähern uns einander. Sie schauen auf uns herab und fragen: «Habt ihr die Soldaten gesehen? Sie müssen hier in der Nähe sein.»

Mein Freund, etwas gelernter in der einheimischen Sprache als ich, verwickelt einzelne des Stosstrupps in ein Gespräch. Es dreht sich um Land, Gerechtigkeit und um was im Leben zählt. Als Schweizer verhalte ich mich «neutral». Bin ich ein Feigling? Auf welcher Seite stehe ich? In meiner Unsicherheit erinnere ich mich an die Aussage im Neuen Testament «Wer nicht auf meiner Seite steht, ist gegen mich.»

Die schwer bewaffneten, kommunistischen Rebellen marschieren weiter in den unteren, dichten Wald hinein. Wir schreiten nachdenklich auf den 3000 Meter hohen Mt. Apo. «Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.»

10.05.2018 :: Philipp Schmuki, Pastor der Kirche Kehr/Alttäufer, Langnau
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