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Mit Fotofallen wird derzeit bestimmt, wie viele Luchse hier leben
Mit Fotofallen wird derzeit bestimmt, wie viele Luchse hier leben Natur: Natur: Wie viele Luchse leben hier? Im Gebiet Zentralschweiz West sind derzeit Fotofallen aufgestellt. Die Resultate sollen auch zeigen, wie stark der Luchs den Wildbestand beeinflusst. 
Ein Fuchs, ein Dachs, ein Marder und zwei Katzen. Die Ausbeute bei dieser Fotofalle ist mager. Wildhüter Daniel Schmid kontrolliert jedes Gerät einmal pro Woche und steckt die Speicherkarte mit den Bildern gleich vor Ort in seine Digitalkamera, um zu sehen, was alles in die Falle getappt ist. «Letzte Woche waren immerhin noch ein paar Rehe drauf», meint er und versieht die Fotofalle mit einer  neuen Speicherkarte und aufgeladene Batterien.  

Die Stelle scheint für eine Fotofalle ideal zu sein. Sie ist bei einem Übergang über ein Tal positioniert – wenn ein Tier diesen Hang seitwärts durchwandert, wird es den Weg wählen, statt das schroffe Bachtobel zu durchklettern. «Weil es so wenig Schnee hat, können sich die Luchse – wie die anderen Tiere auch – überall problemlos bewegen», meint Hanssepp Schmid, Obmann des Jagdreviers Marbach-Schratten-Süd, der den Wildhüter begleitet. Für den erfahrenen Jäger ist das Thema Luchs alles andere als neu: «Ich konnte bereits in den Siebzigerjahren erstmals einen Luchs beobachten, kurze Zeit nachdem der erste ausgewildert worden war.»

 

«Klare Obergrenze definieren»
Auch Markus Stalder, Präsident Sektion Entlebuch von Revierjagd Luzern, konnte bereits einen Luchs beobachten. «Allerdings nur aus grosser Entfernung.»
Stalder betont, dass die Luchse den Reh- und Gamsbestand im Entlebuch erheblich beeinflussen würden. «In manchen Revieren gab es Einbussen von bis zu 70 Prozent», sagt der Präsident. Er räumt ein, dass nicht alleine die Raubtiere für den Rückgang des Schalenwilds verantwortlich seien. Aber der Luchs sei zunehmend ein Faktor, zudem gelte es zu bedenken, dass das Raubtier – anders als die Jäger – das ganze Jahr auf der Pirsch sei. Die Jägerschaft ist sich der politischen Dimension des Themas bewusst und fordert nicht, den Luchs erneut auszurotten – wie dies vor rund 100 Jahren gemacht wurde. «Wir wollen eine klar definierte Obergrenze, was die Anzahl Tiere betrifft», erklärt Stalder. Konkret findet er eine Obergrenze von 1,5 Tieren pro 100 Quadratkilometer als angemessen. Im Winter 2012/13, als die Koordinationsstelle für Grossraubtiere (Kora) mithilfe der kantonalen Wildhüter ein erstes Monitoring durchführte, wurden im Gebiet «Zentralschweiz West» 1,85 Tiere pro 100 Quadratkilometer registriert. «Zentralschweiz West» umfasst einen breiten Streifen alpines Gebiet vom Vierwaldstätter- bis an den Thunersee mit einer Fläche von gut 950 Quadratkilometern. Südlich wird es vom Brienzer-, Lungern- und Sarnersee begrenzt. Gemäss dem damaligen Monitoring lebten in dem Gebiet also rund 15 Luchse. Wie viele Tiere es jetzt sind, könne erst nach Abschluss des Monitorings beziffert werden, teilt Kora auf Anfrage mit.

Unterwegs von Fotofalle zu Fotofalle

Noch bis am 10. Februar werden die Fotofallen scharf sein. Dann, nach 60 Nächten, werden sie abgebaut. Daniel Schmid betreut 15 der insgesamt 74 Standorte im Gebiet «Zentralschweiz West». Gut zwei Tage pro Woche ist er für das Monitoring unterwegs, überprüft die Fotofallen, füllt Protokolle aus und wertet Fotos aus.
Schmid ist auch Vermittler zwischen Kanton und Jägerschaft. Wie steht er zum Thema Luchs? «Beides soll möglich sein – die Jagd und der Luchs», meint er diplomatisch. Er könne die Kritik von Jägern verstehen, wenn diese ein Revier pachten und dann immer weniger Gämsen erlegen können. Er hält aber fest, dass nicht nur der Luchs die Gams- und Rehbestände beeinflussen und, dass andere Tierarten zugelegt haben. «Beispielsweise hat sich der Bestand an Rothirschen in den letzten fünf Jahren fast verdreifacht. Nur, für einen passionierten Gämsjäger hat die Rotwildjagd nicht denselben Stellenwert.»
«Konzept Luchs Schweiz» kommt Jägern entgegen
Das Bundesamt für Umwelt hat das angepasste «Konzept Luchs Schweiz» in Kraft gesetzt. Es gründet auf der 2012 revidierten eidgenössischen Jagdverordnung und berücksichtige, wie im Konzept geschrieben steht, mehrere politische Motionen. «Als neue Gründe für die Regulierung wurden (...) ‹hohe Einbus­sen bei der Nutzung der Jagdregale durch die Kantone› aufgenommen.» Bislang wurden Massnahmen gegen «schadenstiftende Luchse» vor allem bei Rissen von Nutztieren ergriffen. 2014 hat die Koordinationstelle Kora im Gebiet «Zentralschweiz West» total vier Luchsrisse registriert.
Der Luchs ist nach wie vor eine streng geschützte Tierart. Laut Kora leben in der Schweiz um 170 Tiere, alleine im Jura deren 60. «Die Luchse haben (…) noch nicht alle Lebensräume besiedelt und die Bestände bilden noch keine langfristig überlebensfähige Population», steht im Konzept.
Wann ein Abschuss möglich sein soll, weil dieser zu viele Rehe und Gämsen dezimiert hat, ist detailliert festgehalten. Die Kriterien sind – dem Schutzgrad entsprechend – sehr hoch.
Und dann stellt sich noch die Frage, ob das mobile und scheue Tier in der vorgesehenen Frist überhaupt erlegt werden könnte. 
04.02.2016 :: Bruno Zürcher
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