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«Man muss es auch mal gut sein lassen»
«Man muss es auch mal gut sein lassen» Burgdorf:

Fünf junge Maurer aus dem Kanton Bern, davon zwei aus dem Emmental, haben sich letzte
Woche während vier Tagen an der kantonalen Berufsmeisterschaft gemessen.
Ben Zaugg aus Zollbrück hat den ausgeglichenen Wettbewerb gewonnen und darf nun ans Halbfinale für die Swiss Skills 2020.


 

Stein um Stein wuchsen im Ausbildungszentrum der Maurer in Burgdorf fünf Berner Bären in die Höhe. Zwei Sujets mussten die fünf Kandidaten anhand eines Plans in ihre Mauer einbauen. Ein Bär auf der einen und das KBB-Logo auf der anderen Seite. So entstanden an den vier Wettkampftagen Kunstwerke mit verschiedenen Farben, Formen und Tiefen. Organisator der Berner Maurermeisterschaft war zum ersten Mal der Kantonal-Bernische Baumeisterverband (KBB). «Wir wollten unter anderem zeigen, wie vielseitig der Beruf des Maurers ist», sagte die Medienverantwortliche des KBB, Larissa Kabeya.

Startplatz dank sehr guter Note

An der Meisterschaft teilnehmen konnte nur, wer einen Lehrabschluss mit der Note 5 oder besser vorweisen konnte; so wie Matthias Widmer. Ihm wurde das Mauern in die Wiege gelegt. Die Familie betreibt nämlich die Widmer Bauunternehmungen in Rüegsbach. Daher waren Matthias Widmer, wie auch seine beiden Geschwister, schon früh auf Baustellen anzutreffen. Der Beruf des Maurers hat es ihm angetan. «Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit», sagte er. Mal sei man drinnen, mal draussen und als Kundenmaurer oft an Umbauten beteiligt. Seine Lehre absolvierte Matthias Widmer bei der Firma Hans Ulrich Christen AG in Grünenmatt. Kurz vor dem Lehrabschluss machte ihn ein Kursleiter auf den Wettkampf aufmerksam. «Zuerst wollte ich nicht so recht, weil ich kaum Zeit zum Üben hatte.» Dann aber hat sich Matthias Widmer doch noch umentschieden, obwohl der 19-Jährige eben erst, am 25. Oktober, die Rekrutenschule abgeschlossen hatte. Er hat seine Zusage nicht bereut. «Bis jetzt lief es gut, ich kann nicht klagen», zog er am Abend des dritten von vier Wettkampftagen Bilanz. 

Als grösste Herausforderung nannte Matthias Widmer das Zeichnen und Fräsen; also das Zuschneiden der Steine; Vorarbeiten, die höchste Genauigkeit erfordern. Auf die Frage, welche Eigenschaften ein Maurer brauche, meinte Widmer: «Gutes Augenmass, Disziplin, Ehrgeiz und man muss mental und körperlich parat sein.» 

Matthias Widmer, der seit dem Lehrabschluss im Familienbetrieb arbeitet und als Hobby Landmaschinen repariert, will nächsten August noch die zweijährige Lehre als Plattenleger in Angriff nehmen. «Später möchte ich Vorarbeiter werden und die Polierschule besuchen», nannte er seine weiteren Ziele. Zuerst jedoch hat Matthias Widmer noch etwas anderes geplant. «Ich gehe für sieben Tage in die Ferien.»

Ben Zaugg trainierte für den Wettkampf

Als weiterer Emmentaler nahm Ben Zaugg aus Zollbrück an der Meisterschaft teil. Sein Ziel war klar. «Natürlich wäre gewinnen schön», meinte der bald 20-Jährige. Er würde gerne an den Swiss Skills, also den Schweizermeisterschaften, teilnehmen. Entsprechend hat er sich auf den Wettkampf vorbereitet: «Ich habe gemeinsam mit anderen Teilnehmern zwei Mal trainiert und auch im Betrieb ein paar Mal geübt.» Auch Zaugg zeigte sich am Freitagabend zufrieden mit dem bisherigen Wettkampf, blieb aber selbstkritisch: «Man könnte immer noch besser sein.» Zudem seien alle Konkurrenten etwa auf dem gleichen Stand und der Ausgang der Meisterschaft völlig offen, hielt Zaugg fest. Für ihn war die grösste Herausforderung, abzuwägen zwischen Geschwindigkeit und sauberem Arbeiten, berichtete der junge Maurer. Man müsse es halt auch mal gut sein lassen. 

Ben Zaugg, der als zweitjüngster von acht Geschwistern in Ranflüh aufwuchs, lernte das Maurerhandwerk beim Schnuppern bei der Hans Schmid AG in Rüderswil kennen und schätzen. Besonders das, wie er sagte, extrem gute Team in der Firma motivierte ihn. Ben Zaugg arbeitet sehr gerne draussen und mag es, am Abend zu sehen, was er den ganzen Tag gearbeitet hat. Schliesslich konnte er seine Lehre bei dieser Firma absolvieren und nach der Winter-Rekrutenschule weiter dort arbeiten. Auch Zaugg will sich weiterbilden in Richtung Polier und später vielleicht sogar zum Bauführer. Letzteres kann aber noch warten. «Momentan bin ich noch etwas zu jung, um im Büro zu sitzen», meinte er. 

Erfolgreiche Emmentaler

Endlich. Am Samstagmittag liegt nach insgesamt 24 Stunden und 15 Minuten des Messens, Fräsens und Pflasterns der letzte Stein am richtigen Ort. Später an der Siegerehrung dann die frohe Botschaft: Der glückliche Sieger kommt aus dem Emmental und heisst Ben Zaugg! Mit 82,33 von möglichen 100 Punkten liegt er 0,5 Punkte vor dem zweitplatzierten Noah Büschlen aus Adelboden. Auf dem guten dritten Platz folgt bereits der zweite Emmentaler, Matthias Widmer. Die Plätze vier und fünf gehen an Lukas Zurbrügg aus Frutigen und Thomas Anken aus Uebeschi. 

«Ich bin super glücklich und erleichtert», freut sich Ben Zaugg. Der Sieg bedeute ihm sehr viel. Mitte Januar 2020 wird er nach Basel an die Swissbau reisen, um das Halbfinale der Schweizermeisterschaften, genannt Swiss Skills, zu bestreiten.  

 

 

14.11.2019 :: Rebekka Schüpbach
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