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Leben zwischen Lust und Frust
Auszeit:

«Lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit. Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit», schreibt der kritische Qohelet in seinem Buch, das es in den biblischen Kanon geschafft hat. Er erinnert uns daran, dass sich das Leben auf der Erde immer zwischen den Polen Gelingen und Versagen, Lust und Frust bewegt. Also gibt es auch eine Zeit für Prüfungsstress und Lebenskrisen, eine für quengelnde Kinder und gebrochene Beine? Ja, wird man zugeben müssen und sich stören an dieser zynischen Antwort. Dennoch erinnern die anfangs zitierten Zeilen daran, dass die Welt niemals nur schön und gut war – weder bei den edlen Griechen noch zu biblischen Zeiten, nicht in den prunkvollen Königshäusern und auch nicht im 21. Jahrhundert. Wieso tun wir uns so schwer damit, das Mühsame und Schwierige als Teil des Erdenlebens anzunehmen? Wieso urteilen wir oft vorschnell, statt einfach wahrzunehmen? Das Leben war seit jeher ein zweischneidiges Schwert: Die Sonne scheint für Unkraut und Heilkraut, jeder Tag bringt Untaten und Wohltaten, es finden sich starke und schwache Anteile in allem und allen. 

Ich muss Ihnen sagen, ich würde mein unvollkommenes Menschsein gerne von Herzen annehmen können. Aber immer wieder drückt das Bedürfnis nach einer heilen Welt durch. Man korrigiert, optimiert, gleicht aus, gleicht ab und stellt am Schluss fest, dass es doch nicht reicht. Also doch vegan leben? Den Körper zu sportlichen Höchstleistungen antreiben? Politisch aktiv werden? Im Kleinen beginnen und den Kindern eine möglichst heile Kinderwelt bieten? Vielleicht. Aber vor allem: Licht und Schatten annehmen, Trauer und Freude zulassen, unser Erdenleben in seiner Fülle schätzen lernen. Und dabei nachsichtig sein, denn nicht nur scheitern hat seine Zeit, auch lernen und Fortschritte machen hat seine Zeit.


02.05.2019 :: Susanne Kühni, freischaffende reformierte Theologin, Langnau
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