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Kiesenmatte und Lebensart prüfen Fusion
Kiesenmatte und Lebensart prüfen Fusion Konolfingen: Die zwei Stiftungen Kiesenmatte sowie Lebensart Bärau arbeiten neu zusammen und prüfen eine Fusion. Das Altersheim und die Alterswohnungen sollen modernisiert werden.

In einer gemeinsamen Medienmitteilung erklären die beiden Stiftungen Kiesenmatte, Konolfingen, sowie Lebensart, Bärau, wie sie künftig zusammenarbeiten wollen und weshalb sie eine Fusion prüfen. 

Handlungsbedarf bestand beim Alterszentrum Kiesenmatte, nachdem Heimleiterin Sari Wettstein per Ende Juli 2019 gekündigt hat. Mit einem Managementvertrag mit der Stiftung Lebensart könne nun die operative Leitung gewährleistet werden, sagt Monica Moog, Vizepräsidentin des Stiftungsrates Kiesenmatte, auf Anfrage. Eine neue Leitung wurde gefunden: Eliane Schacher sei bereits daran, sich einzuarbeiten. Sie werde von der Stiftung Lebensart angestellt, wie Monica Moog ausführt. Mit dieser Lösung könne nun wieder Ruhe im Betrieb einkehren. In den letzten Monaten wurde verschiedentlich Kritik von Angehörigen an der Pflege und Betreuung geäussert.

Nachfrage nach grösseren Wohnungen 

Die Kündigung von Sari Wettstein kam zu einem Zeitpunkt, da der seit letztem Sommer neu zusammengesetzte Stiftungsrat finanz- und -bautechnische Analysen vornahm. «Diese haben ergeben, dass der Investitionsbedarf gross ist, um das Altersheim und die 34 Wohnungen zu renovieren und modernisieren», sagt Monica Moog. In der Alterssiedlung beispielsweise nehme die Nachfrage nach zwei- und drei-Zimmer-Wohnungen zu. Vor 40 Jahren sei dies noch anders gewesen. Auch die Ausstattung der Küchen und die Haustechnik seien nicht mehr zeitgemäss, zudem müsse die Gebäudehülle saniert werden. «Es sind zwar in den letzten Jahren einige Arbeiten ausgeführt worden, eine umfassende Renovation gab es jedoch nie», erklärt die Stiftungsrätin. Moderne Wohnungen anzubieten sei umso wichtiger, als in der direkten Umgebung neue, zeitgemässe Mietwohnungen erstellt würden.

Auch das Altersheim ist in die Jahre gekommen. Die Anordnung von Abteilungen über mehrere Stöcke sei nicht ideal und erschwere die Pflege und effizientes Arbeiten, sagt Monica Moog. Zudem hätten sich auch hier die Bedürfnisse der Bewohner geändert. «Demenzabteilungen gestaltet man heute beispielsweise grosszügiger, um dem Bewegungsdrang der Betroffenen entgegenzukommen.» Generell reiche es nicht, ein Zimmer, einen Gang und einen Aufenthaltsraum anzubieten, es brauche mehr Freiräume und Aussenbereiche. Am Gebäude seien in den letzten Jahren durchaus gewisse Arbeiten vorgenommen worden, etwa der Anbau des Wintergartens beim Speisesaal und die Renovation von Büros und Pflegezimmern. Eine Gesamtsanierung jedoch sei nie ausgeführt worden. 

Der Kiesenmatte fehlt das Geld

Aufgrund dieser Ausgangslage hat der Stiftungsrat den strategischen Entscheid gefällt, «dass eine umfassende Sanierung und Modernisierung zwingend nötig ist, um ein zukunftsgerichtetes Angebot bereitstellen zu können», erklärt Monica Moog. Dafür jedoch fehlten der Stiftung die finanziellen Möglichkeiten, zumal die Verschuldung mit sieben Millionen Franken hoch sei, steht in der Medienmitteilung. Allein für die Instandsetzung ohne Modernisierung müsse mit mindestens neun Millionen Franken gerechnet werden. Erschwerend kommt gemäss Monica Moog hinzu, dass das Altersheim mit 52 Pflegebetten eine kritische Grösse aufweist. 2018 habe die Stiftung einen Verlust von 50’000 Franken ausgewiesen. Weiter würden die Anforderungen des Kantons und der Krankenversicherer stetig steigen. «Ohne die Nutzung von Synergien in den rückwärtigen Bereichen wie Personalwesen, Finanzen oder Einkauf ist es zunehmend schwierig, die Leistungen in anhaltend hoher Qualität mit Kostendeckung zu erbringen», schreibt der Stiftungsrat in der Mitteilung. 

Lebensart erfüllt Bedingungen

Aus all diesen Gründen hielt der Stiftungsrat Ausschau nach möglichen Partner und wurde fündig: «In der Region erfüllt nur die Stiftung Lebensart in Bärau die Anforderungen.» Eine Fusion ist von Gesetzes wegen nur mit einer Stiftung möglich. Weitere Kriterien des Stiftungsrats Kiesenmatte waren Finanzkraft, um die Investitionen tragen zu können, Verlässlichkeit, Erfahrung und die Bereitschaft, bauliche Erneuerungen zügig anzugehen. Eine Bedingung war auch, dass das bestehende Angebot während mindestens 30 Jahren am Standort Konolfingen garantiert ist und damit die Arbeitsplätze gesichert sind. Ob es tatsächlich zur Fusion kommt, werde in den nächsten Monaten, spätestens aber bis Ende Jahr, entschieden, sagt Monica Moog. 

Standort und Angebot stimmen

Das Interesse auf Seiten der Stiftung Lebensart bezeichnet deren Vizepräsidentin Marlene Arnold als gross. Grundsätzlich wolle sich das Unternehmen weiterentwickeln. Die Stiftung Kiesenmatte sei gut aufgestellt, das Angebot an einem einzigen und attraktiven Standort und auf Bewohner mit hohem Pflegebedarf ausgerichtet, was der heutigen Nachfrage entspreche. Ausserdem sei Konolfingen und die Region am Wachsen, entsprechend bestehe langfristig ein Bedarf an Wohnungen, Dienstleistungen und Pflegeplätzen. Nun gehe es darum, die Details einer Fusion und Synergien zu prüfen, so Arnold. Ob sich eine Übernahme auf das Personal auswirken würde, könne zum heutigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Grundsätzlich gehe es aber nicht um einen Abbau. In Konolfingen sind rund 90 Mitarbeitende angestellt. 

Eine Verbindung zwischen den beiden Institutionen gibt es im Übrigen schon: Walter Grossenbacher ist sowohl Präsident des Stiftungsrates von Lebensart als auch – seit letzten Sommer – der Stiftung Kiesenmatte.

06.06.2019 :: Silvia Wullschläger
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