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Jede Menge Scherben in der Schluckspechterei
Jede Menge Scherben in der Schluckspechterei Emmenmatt:

Mit der Komödie Chachelihannes bespassen die Freilichtspiele Moosegg ihr Publikum bis Mitte August. An der Premiere bei bestem Wetter regnete es allenfalls Lachtränen.

«Die Emmentaler Landschaft ist wie der Mensch, der in ihr wohnt: Weit sieht er nicht, aber in der Nähe sieht er genau», schallt die warme Stimme von Schauspieler Walter Andreas Müller aus dem Hintergrund. Wir befinden uns in der Dorfschenke «Blaue Bire» im Dorf Rychiswil, in dem die Frauen ganz wild auf das feilgebotene Geschirr des Chachelihannes (Marc «Cuco» Dietrich oder André Roth) sind, während die Männer fleissig bechern. 

Saufen und kaufen halten sich dort die Waage. Doch die Männer sind überzeugt, dass «die Weiber sich zu Tode gänggelen», während die Frauen sicher sind, die Mannen betreiben eine Schluckspechterei. Wer da wem auf die Schliche kommt, sei dahingestellt. 

Die Frauen verstecken die Scherben des alten Geschirrs, um neues zu kaufen, während die Kerle behaupten, sie gingen auf ein einziges Glas aus dem Haus. Jedenfalls profitiert der Chachelihannes von diesem Geschlechterstreit und verhilft zudem Bäbeli (Sarina Wälti), seiner heimlichen Tochter mit der Wirtin (Barbara Schweizer), zum zarten Anbandeln mit Ueli (Simon Schär). Das findet die Mutter gar nicht lustig: «Kaum aus dem Ei, schon bubig.» Keine weiss das besser als sie, denn einst erging es ihr ja ähnlich, als sie ledig schwanger wurde. «Das Übelste auf der Welt ist das Mannenvolk», wettert sie.

Regisseur Simon Burkhalter entwarf aus der Kalendergeschichte von Jeremias Gotthelf eine lebhafte Komödie, die vom süferli gepflegten Berndeutsch, starkem Schauspiel und witzigen Regieeinfällen lebt. 

Jazz-Szene im Zeitraffer

Die eher dünne Geschichte wird kräftig gewürzt mit übermütigem Gesang, zum Beispiel mutiert das traditionelle Burebüebli überraschend zum süffigen Volkslied aus den Frauenkehlen. Dazu gesellen sich witzige Dialoge und dramaturgisch ausgefeiltes Spiel auf der Bühne mit ihren verschiedenen Ebenen. Eindrucksvoll wirkt die repetitive Sequenz in der Beiz mit einer Jass-Szene im Zeitraffer. Spektakulär auch ein geglückter Keramikwurf über die Schulter oder der Wasserguss aus dem Eimer, um zwei Raufbolde triefnass zu trennen. 

Das ewige Dilemma

Die Frauen spielen des Öfteren über den Köpfen der Männer, was die Vermutung zulässt, dass sie über allem stehen: «Wenn Napoleon eine Frau gewesen wäre, hätte es nie Krieg gegeben», tönt es wie zur Bestätigung. Mit fast 40 Frauen, Männern und Kindern auf und ebenso vielen Personen hinter der Bühne präsentiert die Moosegg eine Produktion mit Grossaufgebot. Am Schluss verkündet die Stimme aus dem Off das ewige Dilemma von Frau und Mann: «Ohne einander sehnen sie sich, miteinander meinen sie, es geht auch ohne.»

11.07.2019 :: Christina Burghagen
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