Anmelden
Jassen...
Auszeit:

Jassen Sie gerne? Das Spiel ist ein guter Zeitvertrieb, man macht etwas gemeinsam und lernt sich dabei gegenseitig auch ganz gut kennen. So richtig jassen lernte ich im Militärdienst. Da galt es, lange Wartezeiten sinnvoll zu überbrücken. Und was macht man sonst im Ausgang, wenn im Dorf gerade mal eine einzige Beiz offen hat? Es ist wohl auch kein Zufall, dass es Soldaten waren, Söldner, die das Spiel vor Zeiten aus den Niederlanden in  die Schweiz brachten. Etwas zu Unrecht war das Spiel lange Zeit unter Christen verpönt. Man könne süchtig werden, befürchtete man, oder zu viel Bier trinken dabei. Und das soll auch vorgekommen sein. Was das Spiel aber auch ist: ein schönes Abbild der Gesellschaft. Der König ist stärker als die Dame und der Bauer, und als die gemeinen Nummern sowieso. Nur das Ass ist stärker. Der Name kommt vom nordischen Göttergeschlecht der Asen. Da haben wir sie, die traditionelle Gesellschaftsordnung: Gott, König, Adel (da gehören die Damen wohl dazu) und Bauern. Und diese Ordnung war lange fest zementiert. Nun wird das Jass aber spannender, wenn man mit Trumpf spielt: Plötzlich sind Buur und Näll stärker als Gott und König! Und eine Trumpf-Sechs kann jede Karte einer anderen Farbe schlagen. «Trumpf» kommt vom Wort Triumph. Das mag den Soldaten gefallen haben, stärker zu sein als Gott und König. Man kann zudem auch das revolutionäre «unde-ufe» spielen, dann werden Ass und König plötzlich zu den tiefsten Karten des Spiels. Und so wird Jassen zu einem spielerischen Protest gegen die herrschenden Zustände und zu einer Hoffnung, dennoch Erfolg haben zu können, auch wenn man im Leben schlechte Karten hat.
Und Jesus, der davon überzeugt war, dass die Letzten einmal die Ersten sein werden, hätte an diesem Spiel wohl auch Gefallen gefunden…



01.11.2018 :: Samuel Burger
Meistgelesene Artikel
Anlässlich einer kulturellen Veranstaltung bin ich im Gastronomiemuseum in Hilterfingen zu...
Auszeit: Die Klimadiskussion ist ein Thema, das in den Medien omnipräsent ist. Sie stellt uns vor...
«Jodellieder dürfen auch kritisch  sein und auf Probleme hinweisen»
Hasle-Rüegsau: Am Wochenende kann Hannes Fuhrer ein Jubiläum feiern; seit 30 Jahren leitet er den Jodlerklub...
Naturschauspiel mit Tausenden von Zugvögeln beobachtet
UBE Entlebuch: Zu Zehntausenden ziehen die Zugvögel im Herbst in den Süden. Im Mettilimoos, Entlebuch,...
Alt und kleidsam
Wiederverwerten: Zehn Kilogramm Kleider schmeissen wir pro Jahr weg – sechs davon werden wiederverwertet....
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr