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Im Untergrund des Napfberglands
Im Untergrund des Napfberglands

Neu gibts einen Geologischen Atlas für die ganze Napfregion.  Dieser kann unter anderem in den Bereichen Tunnelbau, -Baugrunduntersuchungen, Naturgefahren und Hydrologie beigezogen werden.

Auf dem Hof Schaufelbühl oberhalb Grünenmatt präsentierte das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo die Karten Sumiswald, Wolhusen und Langnau des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25’000. In diesen Karten, und insbesondere im 236 Seiten umfassenden Büchlein mit den dazugehörenden Erläuterungen, finden Geologen, Politiker, Bauleute und auch Laien Informationen über die Beschaffenheit der Landschaft und deren Untergrund, und wie sich dieser in den vergangenen Millionen Jahren verändert hat. 

Mit Auge und Hammer

Die Grundlagen zusammengetragen für die drei neuen Karten haben über 20 Geologinnen und Geologen, die das Gelände Quadratkilometer um Quadratkilometer erkundeten. Einer von ihnen ist Stefan Strasky aus Langnau, der auch als wissenschaftlicher Redaktor bei Swisstopo die Kartierungen koordiniert. Wie gehen die Fachleute dabei vor? «Wir rücken aus mit einer leeren Topografiekarte im Massstab 1:10’000. Einzig die Höhenkurven, Strassen, Gewässer und Häuser sind eingetragen», erklärt er. «Dann zeichnen wir mit Farbstiften in diese Karte ein, was wir in Bezug auf die Geologie vorfinden.» Oft kämen auch Hammer und Lupe zum Einsatz, um das Gestein unter dem grünen Teppich richtig beurteilen zu können. Günstig für die Geologen ist, wenn sie im Gelände offene Stellen wie Bau- und Kiesgruben, Hangrutsche oder Ausschwemmungen vorfinden. Deshalb würden sie gerne nach Unwetter ausrücken, sagt der Geologe. Mancherorts würden auch Luftaufnahmen beigezogen.

Einst war der Napf viel höher

Wie in den Erläuterungen nachzulesen ist, war der Napf vor Millionen Jahren rund 1000 Meter höher als heute. Durch Erosion wurde das Gestein abgetragen. Ebenfalls wird veranschaulicht, weshalb und wie sich besondere Hügelformen gebildet haben. Auch wird aufgezeigt, welche Gebiete von Instabilitäten wie Hangrutsch, Felssturz oder Absenkungen besonders betroffen sind und welches die Gründe dafür sein können. Weiter wird erläutert, wo und bei welcher Bodenbeschaffenheit Wasser vorkommt. Quellen, Sodbrunnen, Stollenfassungen und Grundwasser, ja, sogar Heilquellen werden beschrieben. Ebenfalls zu erfahren ist, wie umtriebige Badbetreiber der heilenden Wirkung nachhelfen wollten: Beispielsweise sollten rostige Nägel in der Quelle den Eisengehalt des Wassers erhöhen. 

Gefundene Schätze

Ein ausführliches Kapitel ist den Rohstoffen im Erdreich des Napfgebiets gewidmet. Unter anderem Kohle, Torf, Ton und Gold kommen hier vor. Sogar Uran. Im Blapbachgebiet seien nach dem zweiten Weltkrieg hohe Urangehalte in der ebenfalls reichlich vorhandenen Molassekohle festgestellt worden, berichtete Andreas Möri. Er ist Leiter der Geologischen Landesaufnahme und Rohstoffe bei Swisstopo. Nach der anfänglichen Euphorie hätte der angegebene Urangehalt nach unten korrigiert werden müssen, zudem sei der Abbau – wie auch der Abbau der dortigen Kohle – aufwändig und somit zu teuer gewesen. Zum grossen Geschäft wurde das Uran im Emmental also nie. 

Interessante Funde von hier und anderswo

Auf frühre Zeiten als die Urangeschichte beziehen sich die Erläuterungen über Fossilien, die beim Sältebach in Trub gefunden wurden und von internationaler Bedeutung sind. Das unten rechts abgebildete, elf Zentimeter lange Geweih trug ein ausgewachsener Hirsch. Dessen Schulterhöhe entsprach derjenigen eines mittelgrossen Hundes der heutigen Zeit. 

Auch in den Geologischen Atlas geschafft hat es der Rafrüti-Meteorit (Gemeinde Langnau). Andreas Zürcher fand ihn im Mai 1886 beim Kartoffelsetzen. «Die Eisenmasse wurde offenbar für ein Fragment einer Kanonenkugel gehalten», steht im Erläuterungsbericht. Die Bauersfamilie soll den Meteoriten im Winter jeweils erhitzt und zum Aufwärmen der Viehtränke genutzt haben, angeblich auch als «Bettflasche» – bis er 1900 im Naturhistorischen Museum Bern ausgestellt wurde.

Nach 100 Jahren soll der Geologische Atlas vollendet sein

«Die erste Karte des Geologischen Atlas der Schweiz wurde 1930 erstellt, im Jahr 2030 soll das Gesamtwerk abgeschlossen sein», sagte Andreas Möri von Swisstopo an der Vernissage für die neuen Atlasblätter der Napfregion. Diese Blätter entsprechen, auf das Gebiet bezogen, den Landeskarten Sumiswald (1148), Wolhusen (1149) und Langnau (1168) im Massstab 1:25’000. Mit ihrer Herausgabe sind nun 167 der insgesamt 220 Karten verfügbar. Von den drei kartierten Gebieten bestand lediglich für ein kleines Gebiet zwischen Emme und Ilfis bereits eine geologische Karte – aus dem Jahr 1928. Alle anderen mussten neu erstellt werden. Neu heisst: Vor 51 Jahren hat der Geologieprofessor Christian Schlüchter mit dem Kartieren des geologischen Atlasblattes für Langnau begonnen. Für die drei nun vorliegenden Karten hat er die Erläuterungen mitverfasst. An der Vernissage präsentierte er anschaulich die regionale Geologie. 

Laut Andreas Möri kommt eine Karte auf 500’000 bis 600’000 Franken zu stehen. Der Nutzen des Geologischen Atlas sei jedoch um ein Vielfaches höher. Dieser sei ein wichtiges Entscheidungsinstrument im technisch-wissenschaftlichen Bereich wie Tunnelbau, Baugrunduntersuchung und Naturgefahren. Zudem sei er auch eine Informationsquelle für die am Verständnis der Landschaft und ihrer Geschichte interessierte Bevölkerung. 

 

Bezug des Geologischen Atlas: www.swisstopo.ch/shop

19.09.2019 :: Jakob Hofstetter
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