Anmelden
«Ich war nie eine für die Ersatzbank – es braucht Ehrgeiz und Wille»
«Ich war nie eine für die Ersatzbank – es braucht Ehrgeiz und Wille» Fussball:

Martina Moser hat das geschafft, was noch keine -Emmentalerin im Fussball -erreicht hat und auch diese Saison kann sie mit zwei gewonnenen Titeln erfolgreich beenden.

Mit dem Ende der Meisterschaft geht für die Biglerin Martina Moser, die seit März 2017 aus Deutschland zurück ist und beim FC Zürich unter Vertrag steht, eine weitere Saison erfolgreich zu Ende. Mit dem FCZ gewann Martina Moser heuer die Meisterschaft und den Cup. Die Frauen des FCZ sind klare Leaderinnen der Schweizer Frauen-Fussball-Liga. Im Vergleich zum Männerfussball jedoch fernab von Glanz und Glamour, wie Martina Moser erzählt.

 

Wie ist es in der Schweiz Profifussballerin zu werden?

Als Frau ist es schwieriger, Fuss zu fassen und Profi zu werden in der Schweiz. Schon als Mädchen habe ich davon geträumt, mich mal nur aufs Fussballspielen konzentrieren zu können. Im Ausland hat das geklappt. In der Schweiz hat der Fussball wohl eine gute Infrastruktur, aber die Frauen, auch in den höchsten Ligen, müssen neben dem Training und dem Spiel arbeiten gehen. Es ist praktisch unmöglich, in der Schweiz als Frau Fussballprofi zu sein.

Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich in der Frauen--Fussball-Förderung?

Auch wenn die Schweiz entwicklungstechnisch für Frauenfussball im Vergleich eher schlecht dasteht, gibt es Länder, in welchen Frauen noch viel mehr Mühe haben, Fuss zu fassen. Zum Beispiel in Tschechien und Polen, da ist es praktisch unmöglich. Anders sieht es in England, Spanien oder Deutschland aus. Vor allem bei den Klubs, die einem Männerverein angeschlossen sind und dementsprechend ein grösseres Budget zur Verfügung haben.

 

Geht da was? Reagiert der Schweizer Verband und versucht die Frauen nun mehr zu fördern?

Immerhin ist bei der Nachwuchs-Förderung schon einiges gegangen. Man fördert die jungen Mädchen nun auch vermehrt, ich würde sagen, bis ungefähr die Lehre beginnt, sind Mädchen und Knaben gleichauf, was die Chancen anbelangen. Dann jedoch geht die Kurve der Möglichkeiten weit auseinander. Während bei den Herren schon die Vereinbarkeit von Lehre, Schule und Training aufeinander abgestimmt wird, müssen die Mädchen alles herkömmlich abstrampeln und dann noch ins Training. Als Talent gibt es auch für die Mädchen gute Strukturen – will man jedoch weiterkommen, muss man ins Ausland.

Wie ist Ihre Karriere gelaufen?

So wie Sie es sich vorgestellt haben?

Für mich war es am Anfang wie ein Traum, wie sich meine Karriere entwickelte – eine rasante Steigerung, dann ins Ausland, Freiburg, Wolfsburg dann den Captainposten, dann das Aufgebot für die Nati. Das erfüllte mich schon sehr mit Stolz und da brannte dann nochmals eine weitere Leidenschaft. Aber das war natürlich auch mit einem zeitlichen Mehraufwand verbunden.

 

Rücktritt von der Nati, zurück in die Schweiz?

Irgendwann musste ich die Entscheidung fällen, die Reiserei, die vielen Trainings und nebenbei noch arbeiten, das war zu viel, deshalb bin ich nach zwöf Jahren von der Nati zurückgetreten und kam zurück in der Schweiz. Für mich stimmt der Aufwand der WM, EM und Länderspiele nicht mehr. Ich bin drum sehr ehrgeizig und der Aufwand und die Reisen liessen mir nicht mehr genug Zeit zur Erholung, also war das schon der richtige Schritt. 

Jetzt, beim FCZ, habe ich ein super Angebot bekommen, das ganze Paket stimmt. Damit ich nicht so weit weg von Bern bin, wohne ich im Kanton Aargau. Klar habe ich meine Ambitionen immer noch, der FCZ ist ein Topverein, wir wollen alle Titel, die möglich sind. Mittlerweile gibt es aber in der Schweiz noch andere Top-Frauen-Vereine. Es bleibt also nicht gerade bei einem Spaziergang durch den Park. Die Spiele und vor allem die Siege werden hart erarbeitet werden müssen.

 

Welche Tipps geben Sie den Mädchen, die eine Profikarriere anstreben?

Fussball ist nach wie vor ein Vereinssport, der praktisch überall spielbar ist. Es ist ja auch auf dem Pausenplatz eine beliebtes Spiel, das mit wenig Aufwand betrieben werden kann. Als Mädchen muss man eben einfach den Mut haben, bei den Jungs mitzumachen. Technisch können die Mädchen auf jeden Fall mithalten. Ab der Pubertät machen die Jungs dann Kraftmässig und Tempomässig einen Riesenschritt. Aber die Technik, die bleibt. Egal ob Mädchen oder Junge. es braucht in jeder Sportart Durchhaltewille, wenn man weiterkommen muss. Es braucht auch einen gesunden Ehrgeiz, ich wollte zum Beispiel schon immer von Anfang an spielen, ich war nicht eine für die Ersatzbank. Das habe ich auch immer so den Trainern kommuniziert. Es braucht schon Ziele. Gut ist sicher auch, wenn man als Mädchen so lange wie möglich bei den Jungs mitspielen kann, so lernt man eher sich auch durchzusetzen und bekommt die «männliche» Rivalität mit, das ist gut für die weibliche Art, ausserdem fällt man eher auf, wenn man als einziges Mädchen in einer Jungsmannschaft gesichtet wird. Aber das – gebe ich auch zu – ist es mittlerweile auch als Mädchen schon viel schwieriger geworden, sich aus der Masse hervorzutun und weiterzukommen, als zu meiner Zeit. Die Konkurrenz hat im Frauenfussball zugenommen. 

06.06.2019 :: Olivia Portmann
Meistgelesene Artikel
Letztes Mal, als ich die Kolumne über unser Grosskind Julian geschrieben habe, erhielt ich...
In der Bibel gibt es folgende wunderbare Geschichte. Da hat jemand 100 Schafe. Eines macht nicht...
Die SCL Tigers sollen wirtschaftlich auf mehreren Beinen stehen
Langnau: Nebst dem geplanten zweiten Eisfeld bei der Ilfishalle sind weitere Projekte in der Pipeline: ein...
«Mehr aus dem Geld herausholen»
Langnau: Die SCL Tigers zählen zu den wenigen Hockeyclubs der höchsten Liga mit ausgeglichenen...
Ein Schnuppertraining mit einem Handball-Weltmeister
Handball: Mit verschiedenen Aktionen will Espace Handball Nachwuchs finden. So leitete Weltmeister Zlatko...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr