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«Ich gönne meinem Körper jetzt zwei Wochen Sportpause»
«Ich gönne meinem Körper jetzt zwei Wochen Sportpause» Ultratriathlon:

An den diesjährigen Swissultra-Wettkämpfen in Buchs sind gleich vier neue Weltrekorde gefallen. Einen davon hat die Emmentalerin Eva Hürlimann geknackt.

Eva Hürlimann, eine Woche ist es her, seit Sie in Buchs (SG) ins Ziel gelaufen sind, nach dem «Quintuple - one per day» (5-fache Ironman-Distanz, jeweils einen Triathlon pro Tag), wie fühlen Sie sich?

Die positiven Gefühle überwiegen. Ich bin extrem glücklich über das Geleistete. Mir bleiben die tollen Gefühle gut in Erinnerung. Und ich bin froh, dass mein Training so aufgegangen ist, dass ich jetzt praktisch ohne körperliche Beschwerden dastehe. Natürlich spüre ich noch etwas meine Knie und meine Zehen, aber ich hatte kein bisschen Muskelkater. Besonders erfreut bin ich ab der Tatsache, dass ich als erste Schweizerin einen Ultratriathlon-Weltcup gewinnen konnte. Dass ich auch noch den Weltrekord unterbieten konnte, ist eine schöne Zugabe.

 

Sie wollten den Weltrekord knacken, das haben Sie geschafft und zwar mit einer Differenz von gut neun Stunden. Wie war das möglich?

Das hätte ich nicht erwartet – mit so vielen Stunden Vorsprung. Am ersten Tag spürte ich, dass ich viel Reserve hatte und als ich meine Zeiten gesehen habe, habe ich mir schon gedacht, dass es so aufgehen könnte. Aber ich habe niemals mit so viel Vorsprung gerechnet. Ich denke, ich bringe frischen Wind in die Ultratriathlon-Szene. Ich habe sicherlich auch anders trainiert: Mangels Zeit habe ich hauptsächlich kurze und intensive Sachen wie Geschwindigkeit und Intervall trainiert. Ich habe ein gewisses Grundtempo, das ich durchziehen mag. Und das macht bestimmt den Unterschied.

 

Das Spezielle an diesem Anlass war, dass die gesamte Distanz auf relativ kurzen Rund-Strecken abgespult werden musste. War das eine zusätzliche Herausforderung?

Ich wusste, dass es so ist, also stellte ich mich darauf ein. Organisatorisch ist es gar nicht anders möglich. Ich habe es genossen, meinen Mann, der gleichzeitig mein Betreuer war und die Zuschauer immer wieder zu sehen. So war es einfacher, meine Verpflegung sicherzustellen. Ich hatte so einen Richtwert pro Runde, also konnten wir ungefähr ausrechnen, wie lange ich noch hatte. Für mich überwogen die Vorteile dieser Runden. Ich habe im Vorfeld  in unserer Region, einer Bilderbuch-Landschaft, trainiert, und wenn mir manchmal auf der Strecke langweilig war, habe ich einfach meine schönen Bilder hervorgerufen, und dann gings wieder.

 

Ultratriathleten sind mental sehr stark – wie haben Sie sich darauf vorbereitet und wie ging das schlussendlich mit dem Kopf?

Ich glaube Ultratriathleten sind Menschen von einem speziellen Schlag.
Irgendwie muss man einen gewissen Charakter-Typ haben, um sowas
durchzuhalten. Ich habe mich immer wieder sehr darüber gefreut, dass ich das machen darf, was ich am liebsten tue: Sport draussen. Ich habe mich auch darüber gefreut, dass das ganze Unterfangen so gut aufgegangen ist: Die Kinder waren gut versorgt und
betreut und mein Mann konnte mich super betreuen. Klar hatte auch ich zwischendurch kleine mentale «Kriselchen», während dem ich meine Knie oder meine Füsse spürte. Doch dann konnte ich mich zum Glück wieder schnell fassen und das Positive sehen und mich wieder motivieren. 

 

Mit Ihrer positiven Einstellung haben Sie das Rennen geschafft und konnten als erste Schweizerin ein Welt-Cup-Quintuple-one-per-day-Rennen beenden und knackten gleichzeitig auch noch den Weltrekord. Was war nach dem Rennen das, was Sie am meisten geschätzt haben?

Am Morgen danach genoss ich es unendlich, mal liegenzubleiben und in Ruhe einen warmen Kaffee zum Frühstück geniessen zu dürfen. 

 

Nach Ihrer Quintuple-Woche hat Sie nun der normale Alltag wieder. Oder haben Sie womöglich schon ein nächstes Projekt im Köcher?

Ich geniesse nun erstmals meine Kinder und Familie. Ich gönne mir tatsächlich erstmals zwei Wochen Sportpause. Dann steht der Burgdorfer Stadtlauf auf dem Programm. Den will ich unterstützen, obwohl die Distanz viel zu kurz ist für mich. Aber ich finde es gut, dass es in der Region solche Läufe gibt. Klar habe ich Ideen, aber konkrete Projekte sind noch nicht formuliert. Es steckt doch einiges dahinter, dass will gut überlegt und besprochen werden. Vorerst werde ich nur der Freude wegen trainieren. Fokussiert will ich dann erst nächstes Jahr wieder an meiner Verfassung arbeiten.

06.09.2018 :: Olivia Portmann
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