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Ich bin schuldig!

Es geht mir mies. Schuldgefühle quälen mich von morgens bis abends und erst recht in der Nacht. Wenn ich drei Stunden am Stück schlafen kann, ist dies schon viel. Immer wieder erwache ich, weil mich mein schlechtes Gewissen quält. Die Liste meiner Verfehlung in diesem Leben ist endlos. Vielleicht entlastet es mich ja ein wenig, wenn ich hier in aller Öffentlichkeit meine Sünden beichten kann. Da ist zum Beispiel meine Schuld am Klimawandel: Täglich lege ich mit meinem überdimensionierten VW-Bus mindestens 50 Kilometer Arbeitsweg zurück. Aber es kommt noch schlimmer: Mehr als zwanzig Mal bin ich in den letzten zehn Jahren geflogen. Einige dieser Flüge kann ich noch halbwegs mit meiner Arbeit rechtfertigen. Ich benutzte das Flugzeug, um möglichst schnell an Konzerte zu gelangen. Absolut unverzeihbar ist aber mittlerweile die Tatsache, dass ich mindestens sechsmal mit Easy Jet in die Ferien flog. Früher habe ich zudem sogar Fleisch gegessen. Dies, obwohl erwiesen ist, dass die Fleischproduktion einen immensen Einfluss auf die Klimaerwärmung hat. Trotzdem konnte ich letzten Sonntag, als ich nach einer Wanderung im Restaurant Sternen in Bowil einkehrte, einem gluschtigen Fleischplättli mit leckerem Bündnerfleisch, Mostbröckli und Salami nicht widerstehen. Schon während des Essens beschlichen mich wieder derart starke  Schuldgefühle, dass ich drei Tranchen Bündnerfleisch und zwei Scheiben Salami auf dem Teller zurückliess. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass sich rein durch mein persönliches Verhalten die Erde um mindestens ein Grad erwärmt hat. 

Um den unglaublichen Druck der Schuldgefühle, die auf mir lasten, etwas zu reduzieren, habe ich bisher nur ein Rezept gefunden: Die Selbstbestrafung. Diese kann mit etwas Erfindergeist relativ einfach in den Alltag eingebaut werden. Besuche ich zum Beispiel meinen Freund Reto, welcher im 15. Stock eines Hochhauses wohnt, so benutze ich zur Strafe nicht den Lift, sondern gehe die Treppen hoch. Genial ist auch der Trick mit der 9-Volt-Batterie. Man berührt die Pole mit der Zunge, was ein total unangenehmes Kribbeln auslöst. Dies tut man solange, bis man es fast nicht mehr aushält. Oft benutze ich auch eine leere, ausgedrückte und wieder verschlossene Pet-Flasche und schlage mir während zehn Minuten selbst auf den Hintern. Der Schmerz ist zwar da, aber trotzdem gut auszuhalten. Falls auch Sie unter Schuldgefühlen leiden, nützen Ihnen vielleicht diese Tipps zur Selbstkasteiung auch etwas. Dann hätte ich wenigstens mit dieser Kolumne eine gute Tat vollbracht.

04.07.2019 :: Anton Brüschweiler, Gysenstein
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