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«Ich bin gerne von Büchern umgeben»
«Ich bin gerne von Büchern umgeben» Langnau:

Seit einem Vierteljahrhundert führt Jürg Mäder sein Buchantiquariat. Unbeirrt, wie ein Künstler, ging er seinen Weg und hat sich auf seinem Gebiet einen Namen gemacht. 

«Geh, wohin dein Herz dich trägt», lautet der Titel eines bekannten Buches und könnte das Lebensmotto von Jürg Mäder sein. 1995 hängte der Lehrer seinen Beruf an den Nagel und eröffnete ein Buchantiquariat. Während andere nach ein paar Jahren das Handtuch werfen, konnte Jürg Mäder Fuss fassen. Im Gespräch mit der «Wochen-Zeitung» beschreibt er die Sonnenseiten seiner Tätigkeit.  

Von Narrenfahrten und Glücksfällen 

«Ich bin gerne von Büchern umgeben. Meine Mansarde in Langnau war mit Büchern vollgestopft», erinnert sich der Buchantiquar. Bücherberge versetzen ihn deshalb nicht in Panik, sondern in Hochstimmung. Doch auch Mäder machte seine Lehrplätze: «Am Anfang war ich zu offenherzig. Bei einer Schatzung konnte es vorkommen, dass ich nach langer Prüfung einen Preis bot, der dann von der Konkurrenz überboten wurde, so dass ich leer ausging. Das lehrte mich, keine Arbeit mehr gratis zu machen.»

«Ich habe aber auch viel Schönes und Überraschendes erlebt», fährt Mäder mit Erzählen fort, «ein Glücksfall war die Bibliothek eines Emmentaler Fabrikanten, die ich geschenkt erhielt. Vor Aufregung verbrachte ich eine schlaflose Nacht: Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert befanden sich darunter, naturwissenschaftliche Bände, Erstausgaben, philosophische Schriften, alles vom Feinsten», schwärmt der Buchantiquar. 

Jürg Mäder legt drei Bücher auf den Tisch, die ihm besonders lieb sind: ein Fotoband von Jakob Tuggener, eine Lyriksammlung von Stefan Zweig und ein illustriertes Bilderbuch von Sibylle von Olfers. Mit letzterem verbindet ihn eine besondere Geschichte. «Ich war unterwegs zu einem entlegenen Ort im Emmental, und mit jedem Kilometer, den ich zurücklegte, wuchs mein Unmut. Wie dumm von mir, hier nach wertvollen Büchern zu suchen. Doch als ich in die Stube trat, stand eine Bibliothek schönster Bilderbücher vor mir. Bei der Verstorbenen handelte es sich um eine Kindergärtnerin. Und sie hinterliess alles in tadellosem Zustand.» 

Dass Jürg Mäder nicht nur ein Bücherwurm, sondern auch ein Augenmensch ist, verrät der Charme seines Ladens. Seine Schaufenster beweisen künstlerisches Flair. Drinnen im Laden bleibt der Blick an vielen Kuriositäten hängen, die das Auge entzücken: Plakate, alte Fotos, Porzellanfiguren, Schweizer Postkarten (Mäder besitzt über 100’000 Exemplare) und die Kopie einer griechischen Büste. 

Grosse und kleine Märkte

Trotz der einmaligen Atmosphäre des Antiquariats verkauft Mäder einen Grossteil seiner Bücher auswärts. Von Anfang an besuchte er den Langnauer Märit und andere Märkte, wo er viele Kunden gewann, die nie in sein Geschäft gekommen wären. Und auf dem Markt machte er eine grosse Entdeckung. Die meisten Passanten suchten bei ihm Mundartbücher. «Nie hätte ich gedacht, dass so viele Leserinnen und Leser sich für Mundart interessieren», erzählt er und verrät, dass er eine besondere Beziehung zu Dialekten habe, weil er in Steffisburg als Sohn einer Bündnerin und eines Glarners aufgewachsen sei. «War es zu Beginn eine Bücherwand, umfasst das Mundart-Lager heute um die 20’000 Titel. Zuerst konzentrierte ich mich auf die Emmentaler Mundart, später auf sämtliche Dialekte der Schweiz, inklusive Romandie, Tessin und Rätia.»

Die Mundartbücher sind im hinteren Teil des Buchantiquariats alphabetisch nach Autorin und Autor geordnet. Von jedem Titel hält Mäder ein Exemplar für das Mundartarchiv zurück. Die restlichen Exemplare verkauft er. «Bibliotheken aus der ganzen Schweiz bestellen Mundartbücher, Buchhandlungen kaufen Titel, die vergriffen sind, und Einzelpersonen kaufen Werke zum Vorlesen. Die Mundart hat im Moment eine grosse Fangemeinde», erklärt Mäder.  

Mit der Digitalisierung erhielt das Libretto weiteren Zulauf. Vor zwanzig Jahren begann Mäder seine Titel ins Netz zu stellen. Neben der eigenen Homepage ist er auch auf anderen Plattformen wie www.emmentalshop.ch präsent. Der Online-Handel läuft gut. Kein Tag vergeht, dass Jürg Mäder nicht Bücher einpackt und auf die Post bringt. «Ich könnte nun voll auf diesen Markt setzen, doch das will ich nicht. Ich schätze den persönlichen Kontakt.» Für das Jubiläum plant Mäder einige Anlässe. Und er freut sich auf die Arbeit, die ihn auch nach 25 Jahren beflügelt. 

09.01.2020 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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