Anmelden
Hotels ja, aber mit Vollpension
Hotels ja, aber mit Vollpension Wildtiere vor unserer Haustüre: Über 600 Arten Wildbienen leben in der Schweiz; etliche sind vom Aussterben bedroht. «Richtig angefertigte künstliche Nisthilfen können nützlich sein», sagt der Wildbienenspezialist Felix Amiet. «Aber nur, wenn die Tiere in unmittelbarer Umgebung auch genügend Blütenpflanzen vorfinden».

«Von den 630 in der Schweiz vorkommenden Wildbienen sind gut die Hälfte auch im Emmental und Entlebuch vertreten», weiss Felix Amiet. Er beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Wildbienen und Wespen. Allein in seinem zehn Aren grossen Naturgarten um sein Haus in Solothurn hat er 128 Arten gesichtet. Darunter sind auch rund 20 der insgesamt 50 verschidenen Ummeln. «Einige waren nur einmal hier, andere kann ich jedes Jahr beobachten», sagt er. Die Vielfalt dieser Insekten in seinem Garten ist nicht zufällig entstanden. Ein Beispiel: Die Zaunrüben-Sandbiene sammelt den Proviant für ihre Brut ausschliesslich an der Zaunrübe, die vom Bielersee westwärts vorkommt. Felix Amiet pflanzte sie in seinem Garten. 24 Jahre musste er sich gedulden. Dann erst tauchte diese spezielle Bienenart auf. Sie bauten ihr Nest ganz in der Nähe dieser Pflanzen – im Boden. So sehr auf nur eine Pflanze fixiert wie die Zaunrübe-Sandbiene sind nur wenige Arten. Viele hingegen fokussieren sich auf eine bestimmte Blütengattung (Lippen-, Korb-, Kreuz- oder Schmetterlingsblütler). 

Der Nutzen der Insektenhotels

Seit bei domestizierten Honigbienen infolge Krankheiten und Pestiziden in den letzen Jahren immer öfter ganze Völker eingehen, erfährt die Wildbiene als Bestäuberin von Bäumen und anderen Pflanzen in der Öffentlichkeit wieder mehr Aufmerksamkeit. Dadurch erleben auch die Wildbienenhotels, wie die künstlichen Nisthilfen genannt werden, eine Blütezeit. In Kursen kann das Bauen solcher Insektenhotels erlernt werden und im Handel sind Fertighäuser in unterschiedlicher Machart und Qualität erhältlich. Während sie von einigen Naturschutzorganisationen gepriesen werden, wettern andere gegen sie und stellen deren Nutzen für die Natur und auch den pädagogischen Wert in Abrede. 

Der pensionierte Biologe und ehemalige Sekundarlehrer hat seine klare Meinung dazu: «Die Nisthilfen allein werden nicht zur Rettung der Wildbienen beitragen können, aber zu deren Beobachtung», sagt er Dies fördere das Verständnis für die Insekten. «Wer etwas für die Bienen tun will ist gut beraten, ihnen ein geeignetes Nahrungsangebot zur Verfügung zu stellen, sonst nützt jedes noch so schöne Bienenhotel nichts. Aber es schadet auch nichts». Kritiker behaupten, dass die künstlichen Nisthilfen ohnehin nur von häufigen Arten besucht würden, die keine Förderung bräuchten. Dies wird von den vielen Bienenarten um Amiets Haus herum widerlegt. «Es ist interessant, die Bienen zu beobachten und ich staune immer wieder, wie die kleinen Tiere mit einem Gehirn, so gross wie eine Stecknadel, funktionieren», sagt er und erklärt dem Laien vereinfacht, wie die Aufzucht bei einigen Arten vor sich geht. «Zuerst schlüpft die Wildbiene vorwärts ins Loch, um in der Zelle den Nektar zu ‹erbrechen›», erklärt Felix Amiet. «Dann kommt sie wieder heraus und kriecht rückwärts hinein, um auch die an der Bauchbürste gesammelten Pollen abzustreifen.» Wenn genügend Proviant für die Brut in der Zelle deponiert sei, lege sie ein Ei da-
rauf und verschliesse die Zelle. Am nächsten sonnigen Tag mache sie dasselbe in der nächsten Zelle – bis zu 20 Mal. «Hinten werden die weiblichen Eier abgelegt, vorne die männlichen, weil die Männchen zirka eine Woche früher schlüpfen», erklärt der Biologe. Wie die Biene das macht? Das bei ihrer Befruchtung erhaltene Sperma sammelt sie in einer Blase. Diese öffnet sie beim Legen der weiblichen Eier.

Wenn das «Röhrchen» voll ist, wird es verschlossen. Dann hat die Biene ihr Lebenswerk abgeschlossen und ihr Lebensende erreicht. Die Larven entwickeln sich, und zirka ein Jahr nach Legedatum schlüpfen sie aus und führen das Werk ihrer Eltern fort.  

Nicht zur Rettung, aber zum Staunen

Eine vielfältige Fauna sei eine gute Grundlage zur Förderung der Wildbienen, sagt der Biologe. Aber mit dem Aussäen einer Wildblumenwiese sei es nicht getan. «Ein Naturgarten darf nicht sich selber überlassen werden. Sonst stellt sich bald die grosse Enttäuschung ein», mahnt Felix Amiet. «Man muss ihn auch jäten, und wer die Pflanzen nicht kennt läuft Gefahr, dass er die falschen auszupft.» Auch sonst muss vieles zusammenpassen, damit die Wildbienen gedeihen. Im Gegensatz zur Honigbiene leben die meisten Wildbienen nicht in einem Volk, sondern sind Einzelgänger. Dies bringe den Vorteil, dass bei Ausbruch einer Krankheit nicht so viele in Mitleidenschaft gezogen würden. Ebenfalls die Artenvielfalt trage diesem Aspekt Rechnung. Je mehr der über 600 Arten erhalten werden könnten, desto grösser sei die Chance, dass auch in Zukunft die verschiedenen Blüten bestäubt würden.

Erfahren Sie in der nächsten Ausgabe mehr über den Waldkauz.

11.07.2019 :: Jakob Hofstetter
Meistgelesene Artikel
Wie halten Sie es mit dem Warten? -Reagieren Sie genervt, wenn Sie am Skilift, am Postschalter oder...
Es ist matchentscheidend für unser Leben, mit welchen Menschen wir uns umgeben. Haben wir...
Käse aus dem tiefen Emmental für  Juden und Muslime in aller Welt
Gohl: Die Käserei Gohl AG hat eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen. Damit stellt sie den...
«Langnau ist ein guter Ort für die ersten Lebensjahre meines Sohnes»
SCL: Ben Maxwell, der 31-jährige Kanadier ist seit zwölf Saisons Profi-Eishockey-Spieler....
E Ämmitauer Spezialität sy die sogenannte «Frässbedli» gsy. Fasch i...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr