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Handwerk bestaunen
Langnau:

Vom Pferdemarktplatz bis zum Schulhaus Höhenweg konnte man während des Trachtenfestes an zahlreichen Ständen Handwerksleute bei der Arbeit bewundern.


Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Trachtenhauben, Silber- und anderer Schmuck, Löchlistrümpfe, Strohhüte, Gärndli, Ärmeli, Händschli, Täschli, Stolas und verschiedene Kleider entstanden unter den geschickten Fingern der Kunsthandwerker. Da gingen einem die Augen über, ob so unendlich viel Geduld, Geschick und Liebe zum Detail.

Nicht alle Tage zu sehen

Unter den Augen der Besucher auf improvisierten Arbeitsflächen zu arbeiten, muss nicht einfach sein. Wie geht das? Könnte ich das auch? Bei der Fragerei können Fehler – etwa beim Frivolité-Knüpfen, beim Strohflechten oder Holzschnitzen – passieren, die nicht rückgängig gemacht werden können. 

Auffällig war natürlich der Silberschmuck. Die filigranen Blüten-Broschen, die Häfte und Ketten glitzerten wunderbar. Dann wird auch aus Rosshaar oder Stroh kunstvoll Schmuck geflochten. Die feinen Strohfäden – sie seien aus zwei Meter langem Stängeln des Poppeli-Weizen geschnitten – glitzern wie Gold. 

Das Rosshaar könnte man vom eigenen Pferd liefern – oder sogar vom eigenen Kopf, war an einem weiteren Stand zu erfahren. Aber nicht etwa aus dem Pferdeschweif herauszupfen, oder vom Kopf der Liebsten! Das könnte nämlich zu ganz bösen Reaktionen führen. Sondern möglichst lange, dünne Strähnchen herausschneiden, bündeln und waschen. 200 Ross-Haare ergeben ein originelles Armbändchen oder eine traditionelle Uhrenkette. Auch aus ausgefallenen Hufnägeln entsteht hier ein Schmuckstück. Schneeweisse Trachtenstrümpfe mit Löchlimuster gibt es aus Ny-lon, aber auch handgestrickt aus Baumwolle. Da hats Pumphosen und lange Unterröcke mit Spitzen; es wird ja nicht immer heiss sein wie heute. 

Trachten für die Männer 

Die Broschen zur Werktags-Tracht werden aus weichem Lindenholz geschnitzt. Daneben auch Haustiere, ein Alpaufzug und Weihnachtskrippen. Der Schnitzer kommt natürlich aus Brienz. Weiter gibt es auf dem Märit eine Männertrachten-Schneiderei. Hier kann man dunkel-braune Halblein-Anzüge mit gesticktem Gilet und Filzhut, aber auch blaue Burgunder und samtige Kühermutze nach Mass schneidern lassen. Gärndli heisst das schwarze oder weisse Halstuch, das zu jeder Tracht gehört. Auch Händschli mit abgesägten Fingern, oder Ärmeli werden hier filoschiert. Das heisst, das Seidengarn wird mittels einer Gabel kunstvoll zu einem Netz verknüpft. Eine Frau strickt Woll-Stolas und Schultertücher für den Winter. Und eine andere näht aus aufgetrennten Miedern samtene Trachtentäschli. Ein Sticker mit Rahmen fertigt farbige Blumenmuster für die Müngertracht an. Eine alte Frau lässt ein tanzendes Schiffchen zierlichen Frivolités-Bögen knüpfen, ein Brett und 100 Stecknadeln sind die Grundlage für die geklöppelte Rosshaar-Haubenzier. Noch ein geflochtenes Deckelkörbchen, eine handgesäumte Seidenschürze, und schwarze Tanzschuhe mit Silberschnalle. Letztere wurden an diesem Tag öfters ausgezogen, um barfuss auf der Wiese zu tanzen. 



04.07.2019 :: Gertrud Lehmann
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