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«Habe noch keine Ferien gebucht»
«Habe noch keine Ferien gebucht» SCL Tigers:

Yannick-Lennart Albrecht erlebte aus seiner Sicht eine solide Saison, mehr aber nicht. Er ist auch der Meinung, dass er von sich selber noch mehr erhofft hatte. 


 

Der Walliser Yannick-Lennart Albrecht wechselte 2009 als 15-Jähriger vom EHC Visp in die Nachwuchsabteilung der SCL Tigers. Mittlerweile gehört der Mittelstürmer zu den Leistungsträgern der ersten Mannschaft. Im Interview mit der Wochen-Zeitung spricht der 22-Jährige über die abgelaufene Saison, weshalb er sich im Emmental wohler fühlt als in der Stadt und warum er bisher noch keine Ferien gebucht hat.

 

Yannick Albrecht, ist Ihnen bewusst, dass sich am Tag Ihrer Geburt eine Sternstunde im Schweizer Eishockey ereignet hat?

Yannick Albrecht: Nein, was für eine?

 

Die Nationalmannschaft hat an diesem 28. April 1992 an der WM in Prag den übermächtigen Russen, welche zwei Monate zuvor Olympiasieger wurden, ein 2:2 abgetrotzt und später – für damalige Verhältnisse – sensationell den vierten Schlussrang erreicht.

Das wusste ich nicht.

 

Das Interview beginnt mit der Nati, weil Sie, während sich Ihre Teamkollegen nun in die Ferien verabschieden, noch auf ein Aufgebot für die WM-Vorbereitung hoffen dürfen. Sie waren im Februar ja bereits beim Slovakia Cup dabei. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen, von Patrick Fischer erneut aufgeboten zu werden?

Es sind jetzt doch schon ein paar Teams nicht mehr in der Meisterschaft, gerade solche mit guten Centern. Deshalb rechne ich nicht damit, dass ich ein Aufgebot erhalte. Aber ich habe sicherheitshalber noch keine Ferien gebucht.

 

Das heisst, Sie trainieren vorderhand normal weiter?

Momentan mache ich ein paar Tage Pause, das braucht es auch. In den nächsten Tagen sollte das erste Aufgebot erscheinen. Wenn es definitiv ist, dass ich nicht mit dabei bin, werde ich in die Ferien gehen. Falls doch, müsste ich schauen, wo und wie ich mich fit halte, bis das Camp beginnt.

 

Wechseln wir zu den SCL Tigers. Diese haben den Ligaerhalt souverän geschafft. Sie müssen froh gewesen sein, den Playout-Final – anders als im Vorjahr – nicht spielen zu
müssen.

Wir hatten vor der Platzierungsrunde zwar elf Punkte Vorsprung und der Druck war nicht mehr ganz so gross wie letztes Jahr, aber wir wussten, dass es extrem schnell gehen kann. Darum waren wir froh, dass wir die ersten drei Spiele gewonnen haben und den Sack damit zumachen konnten.

 

Langnau startete im September mit neun Niederlagen in die Saison. Wie blicken Sie mit einem halben Jahr Distanz auf den völlig missratenen Start und die Entlassung von Scott Beattie zurück?

Der Saisonstart war schon sehr unglücklich. So etwas habe ich noch nie erlebt. Der Trainerwechsel war dann fast die logische Schlussfolgerung.
Irgendetwas musste passieren. Und der Trainer ist halt das schwächste Glied in der Kette.

 

Dann übernahm Heinz Ehlers und mit ihm kam die Wende. Von den ersten zehn Spielen unter Ehlers habt ihr sieben gewonnen. Was hat er
verändert?

In der Situation, in der wir nach dem Start waren, brauchte es einfach eine Veränderung. Ich will nicht sagen, dass irgendein Trainer hätte kommen können, aber die Hauptsache war, dass es irgendeine Veränderung gab, egal in welche Richtung. Unter Ehlers wusste jeder was er darf und was nicht. Das braucht es auch um erfolgreich zu sein. Es muss ein richtiger Chef an der Bande stehen.

 

Dank der disziplinierten Spielweise habt ihr zur grossen Aufholjagd angesetzt und durftet fast bis zum Schluss der Qualifikation von den Playoffs träumen. Warum hat es letztlich doch knapp nicht gereicht?

Wir hatten ein paar Mal die Chance über den Strich zu kommen, waren aber zu wenig konstant und haben diese Spiele dann immer verloren. Die fehlende Konstanz war der Grund, weshalb wir den Sprung über den Strich nie geschafft haben.

Sie haben Ihre zweite NLA-Saison hinter sich. Wie zufrieden sind Sie persönlich mit Ihrer Leistung?

Ich habe das Gefühl, dass ich vielleicht ein bisschen zu viel gewollt habe nach der guten ersten NLA-Saison im Jahr zuvor. Ich habe zum Teil neue Sachen probiert, um noch einmal weiter zu kommen. Die Saison war solid, mehr aber nicht. Eigentlich habe ich mehr erhofft von mir. Aber das ist auch ein Prozess, der stattfinden muss. Ich bin erst 22 Jahre alt, da kann man noch nicht alles erwarten.

 

Im ersten Jahr schossen Sie 17 Tore, jetzt «nur» noch 10. Lag das am
anderen System von Heinz Ehlers?

Ja, sicher auch. Unter ihm musste ich mehr defensiv arbeiten. Ich habe fast die ganze Saison mit Nüssli und DiDomenico zusammen gespielt, welche ihre Qualitäten in der Offensive haben. Da ist es klar, dass von mir defensiv mehr verlangt wird.

 

Auffällig ist ihre Plus/Minus-Bilanz. Letzte Saison lagen Sie teamintern mit minus 3 im Mittelfeld, in der eben abgelaufenen Saison weisen Sie mit minus 17 die schlechteste Bilanz der Tigers auf. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Letzte Saison spielte ich meistens in der dritten oder vierten Linie und damit selten gegen die besten Spieler des Gegners. Auf der anderen Seite ist das Abwägen zwischen Defensive und Offensive schwierig. Für mich als junger Spieler an der Seite von zwei offensiven Spielern ist es schwierig, abzuschätzen, wann ich mit nach vorne gehen darf und wann nicht. Das habe ich sicher nicht immer gut gemacht. Daraus muss ich für die Zukunft lernen.

 

Sie spielen bereits seit acht Jahren in Langnau. Erst im Nachwuchs, seit vier Saisons in der ersten Mannschaft. Fühlen Sie sich bereits ein wenig als Emmentaler?

In gewissen Dingen schon, acht Jahre gehen nicht spurlos an einem vorbei. Die Leute hier sind gemütlich, offen und freundlich, so wie in Visp, wo ich herkomme. Deshalb fühle ich mich sehr wohl hier. Ich weiss nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich in eine Grossstadt gegangen wäre.

 

Ihr Vertrag läuft Ende nächster Saison aus. Da die Verträge heute immer früher abgeschlossen werden, dürfte es bereits Klubs geben, die Interesse an Ihnen haben.

Ich werde mich im Sommer sicher mal mit meinem Agenten zusammensetzen und mit ihm besprechen, wie meine Karriere weitergehen könnte. Bis jetzt weiss ich aber von keinen Angeboten von anderen Vereinen. Und die Rolle, welche ich momentan bei Langnau habe, ist optimal für mich. Hier kann ich viel spielen und mich gut weiter entwickeln.

 


 

23.03.2017 :: Christoph Schär
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