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Gut getarnt
Gut getarnt Wildtiere vor unserer Haustür: Ab der Dämmerung macht sich der Waldkauz auf die Jagd. Dank kleinsten Härchen auf den Federn der Handschwingen kann er sich seinen Beutetieren schier lautlos nähern.

Gar schauerlich klingt sein Ruf; in unzähligen Filmen untermalt das «Huuu-hu-hu-uuuu» unheimliche Szenen und kündet kommendes Unheil an. «Wenn man jemanden fragt, ob er den Waldkauz kenne, müssen die meisten verneinen. Beschreibt man dann seinen Ruf, dann weiss jeder Bescheid», berichtet Christoph Graber vom Natur- und Vogelschutz Langnau. Ältere Menschen aus der Region bezeichneten den Waldkauz auch als «Wiggle», die mit ihrem Gesang die Seele der Menschen abrufe. Das komme daher, dass man früher neben einem sterbenden Menschen Nachtwache hielt und den Waldkauz ab dem Eindunkeln heulen hörte, erklärt Christoph Graber. Tatsache ist, dass die bis zu 40 Zentimeter grosse Eule nachtaktiv ist und ab der Dämmerung auf Jagd geht. «Auf ihrem Speiseplan stehen bevorzugt Mäuse und kleine Säugetiere, aber auch Amphibien wie zum Beispiel Frösche. Ist das Nahrungsangebot knapper, weicht der Jäger auch auf kleinere Vögel aus.» 

Wie alle Eulenarten gleitet auch der Waldkauz lautlos durch die Luft. Feine Härchen auf den Federn sowie eine zarte Zähnung an den Kanten der Handschwingen teilen den Luftstrom in kleinste Wirbel und unterdrücken jedes Geräusch. Er steht so ungehört rüttelnd wie ein Falke über seiner Beute am Boden und stösst auf sie herab. In der Regel jagt er jedoch von einer Ansitzwarte aus und fliegt seine Beute direkt an.  Fledermäuse oder Vögel erbeutet er hingegen im Fluge. 

Waldkauz ist nicht gefährdet

Mit rund 6000 bis 8000 brütenden Waldkauz-Paaren in der Schweiz zählt er zu den nicht gefährdeten Eulenarten. «Wir schätzen, dass im Gemeindegebiet von Langnau rund sieben Waldkauz Brutpaare leben. Dank seiner Anpassungsfähigkeit bewohnt er auch siedlungsnahe Gebiete», sagt Christoph Graber. Dort dienen ihm alte Gebäude, ungenutzte Kamine oder auch eine Hecke als Wohnraum. «Vorzugsweise lebt der Vogel aber in einem Mischwald mit einem hohen Anteil an alten Laubbäumen und Altholzbestand. Gerne bezieht er zum Beispiel eine verlassene Specht-Höhle oder ein Krähennest.» Diese Flexibilität erschafft ihm einen grossen Vorsprung gegenüber den anderen Eulenarten, die einen viel spezifischeren Lebensraum benötigen wie zum Beispiel der gefährdete Uhu. «Diese Eulenart brütet vorzugsweise an und in Felsen. Er reagiert empfindlich auf Störungen und stellt seine Bruttätigkeit ein», weiss Graber. 

Der Waldkauz ist einer von acht heimischen Eulenarten der Schweiz und kann unter guten Lebensbedingungen bis 20 Jahre alt werden. Diese Vögel zu beobachten sei schwer, gibt Christoph Graber zu bedenken. Obwohl er im Natur- und Vogelschutzverein Langnau für Exkursionen zuständig ist und somit viel und oft Vögel beobachtet, hat er selber noch nie einen in freier Wildbahn entdeckt. Er höre zwar jeweils ab Februar in der Nacht den Sing-Sang eines Waldkauz-Paares nahe bei seinem Wohnhaus und ab Sommer seien die Bettelrufe des Nachwuchses zu hören. «Durch sein rostrotes, rindengraues oder dunkelbraunes Gefieder ist er im Geäst allerdings kaum auszumachen. Oft sitzt er weit oben und ist so für das menschliche Auge kaum sichtbar», erklärt Christoph Graber. Das Kauz-Weibchen brütet alleine; sein Partner kommt nur zur Nahrungsübergabe dazu. Während der Aufzucht der Jungen kann sich der Waldkauz anderen Vögeln und Tieren gegenüber aggressiv verhalten, auch Menschen sollten ihm in dieser Zeit nicht zu nahe kommen. Mit lautem Kreischen und Flügelschlägen werden die Störenfriede vertrieben. Mit ihren scharfen Krallen können sie tiefe Wunden schlagen. 

Hohe Sterblichkeit im ersten Lebensjahr

«Waldkäuze leben in einer monogamen Dauerehe. Es wurden Beziehungen von bis zu 18 Jahren beobachtet», sagt Christoph Graber. Ab Februar beginne für die Vögel die Brutzeit. Stimmt das Nahrungsangebot, lege das Weibchen bis zu sechs Eier. «Die Jungen bleiben relativ lange in der Obhut der Eltern. Sie beginnen erst mit zwei oder drei Monaten mit den ersten Versuchen, selber Mäuse zu jagen.» Die Zeit, in der die Jungvögel selbständig werden und sich ein eigenes Revier suchen, fällt in den Herbst. Die jungen Tiere sind meistens noch nicht so erfolgreiche Jäger wie ihre Eltern und erbeuten somit weniger Nahrung. «Das heisst, es steht ihnen mit dem Beginn des Winters ein langer, harter Überlebenskampf bevor. Die Sterberate der Jungvögel im ersten Lebensjahr liegt denn auch bei rund 50 Prozent. »

Kaum natürliche Feinde

Aber nicht nur ein strenger Winter macht den Walkäuzen das Leben schwer. Mit einer Flügelspannweite von 94 bis 104 Zentimetern können ihnen auch Stromleitungen gefährlich werden. Ebenfalls der Bahn- und der Strassenverkehr fordern viele Todesopfer. Der Waldkauz habe wenige natürliche Feinde. Aber ein Uhu oder ein anderer grosser Beutegreifer könne schon mal Jagd auf ihn machen, berichtet Christoph Graber. «Wenn jemand den Bestand unterstützen möchte, kann er zum Beispiel Nistkästen aufhängen. Diese werden in der Regel gerne angenommen. Das ‹Wie und Wo› beschreibt die Schweizerische Vogelwarte auf ihrer Homepage.»

 

Erfahren Sie in der nächsten Ausgabe mehr über den Biber.

17.07.2019 :: Veruschka Jonutis
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