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Früher bekamen die Hornusser das Aufgebot zum Spiel per Postkarte
Früher bekamen die Hornusser das Aufgebot zum Spiel per Postkarte Hornussen:

Die HG Schmidigen hat heuer allen Grund zum Feiern. Die Gesellschaft gibt es offiziell seit 100 Jahren. Seither hat sich einiges getan im Vereinswesen und im Sport.

Dass früher nicht alles besser war, zeigt die Geschichte der Hornussergesellschaft Schmidigen. Noch in den 1960er- und 1970er-Jahren habe man nicht so kollegial gespielt, erzählt der Sekretär, Heinz Bichsel: «Es ging weniger darum, Punkte zu holen, als die Nousse schräg und unhaltbar zu schlagen, damit es eine Nummer gab.» Auch hätten früher keine fixen Riese bestanden, weiss der Sekretär, der anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums einige Recherchen angestellt hat. «Da gingen am Freitagabend ein paar Leute los, um auszukundschaften, wo ein geeignetes Stück Feld wäre. Natürlich mussten die Herren dann jeweils das Einverständnis der Bauern einholen. Beim Bock wurde improvisiert und die Stecken bestanden aus Haselholz.» Die Spieler bekamen dann ihr Aufgebot per Postkarte.

 

Seit 100 Jahren im  Verband

Die älteste Erwähnung in einem noch vorhandenen Protokoll geht auf das Jahr 1908 zurück, hat Heinz Bichsel herausgefunden. Somit wäre die HG Schmidigen eigentlich 111 Jahre alt. Bis 1913 sind Aufzeichnungen von Hauptversammlungen vorhanden, anschliessend verliert sich das Ganze. Vermutlich mussten sich die Leute eher mit dem Ersten Weltkrieg sowie Hunger und Krankheiten befassen, als dass sie Musse gehabt hätten zum Hornussen. Ab 1917 sind wieder Protokolle der HV vorhanden. 1919 wurde beschlossen, dem Eidgenössischen Hornusserverband beizutreten. Zu dieser Zeit gehörten die Schmidiger noch dem Emmentalischen Hornusserverband an. Aus diesem Grund feiert die Gesellschaft in diesem Jahr den 100. Geburtstag.

In den Anfangsjahren waren 22 Mitglieder gemeldet. Jeder Hornusser musste selber einen Stecken haben. 1926 wurde die erste Fahne gekauft, wobei sich jedes Mitglied mit seinen eigenen Mitteln an dem Kauf beteiligen musste. Es brauchte stolze 960 Franken, was dem heutigen Wert von etwa  6000 Franken entsprechen würde. Diese Fahne ist auch heute noch vorhanden und kann bei einem Besuch im Stammlokal zum Wilden Mann in Schmidigen besichtigt werden. Der treffende Spruch «Unser Väter Spiel sei unser Ziel» sei bei ihnen bis heute verankert, erklärt Heinz Bichsel. 

 

Bock auf Probe

Da die Hornusser in den Anfängen keine fixen Riese hatten, zogen sie von einem Feld zum anderen. Dabei wäre es hinderlich gewesen, einen Bock aufzustellen wie es heute üblich ist. Erst an der Hauptversammlung 1928 wurde erstmals ein neuer, -zweiteiliger Bock auf Probe bestellt. 1936 traten die Schmidiger aus dem Emmentalischen Verband aus und -gehören seitdem zum Oberaargauisch-Zentralschweizerischen Verband. «Vermutlich gibt es dafür zweierlei Gründe», weiss Bichsel zu berichten: die geografische Lage und auch etwas im Zwischenmenschlichen. 

1957 besuchten die Schmidiger erstmals neben dem Verbandsfest auch ein Interkantonales Fest. Ein Jahr darauf konnte ein neuer Bock für 200 Franken nur gekauft werden, weil ein Mitglied dieses Geld vorschoss. 1965 wurde beschlossen, eigene Junghornusser auszubilden und 1969 feierten die Schmidiger das 50-Jahr-Jubiläum.  

Seit 1979 befindet sich das Ries der Schmidiger auf einem festen Platz in Waltrigen. 1982 konnten die Hütte und der feste Platz eingeweiht werden. Der erste Trainingsanzug bekamen die Schmidiger 1986. Fünf Jahre später konnte der Horngewinn am EHF in Utzenstorf gefeiert werden. 

Bis hinunter in die 4. Liga

Zu Beginn der Schweizermeisterschaft, wie wir sie heute kennen, starteten die Schmidiger in der 1. Liga. Bereits 1993 stiegen sie in die NLB auf; ein grosser Erfolg für eine kleine Gesellschaft. 1995 konnte mit der Teilnahme am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Chur ein Höhepunkt erlebt werden. In der NLB hielt sich die HG Schmidigen bis 1998. Mit dem Abstieg in die 1. Liga erfolgte ein grosser Aderlass, mehrere gute Hornusser verliessen die Gesellschaft. Daraufhin folgte ein langer Niedergang, welcher 2010 mit dem Abstieg in die 4. Liga gipfelte. Dazwischen setzten sie aber immer wieder Ausrufezeichen an den Festen. Ein ganz besonderer Erfolg stellte der Festsieg am EHF in Thörigen in der 4. Stärkeklasse 2006 dar. 

Nachdem man beinahe zuunterst angekommen war, schaffte man in der Saison 2011 den Wiederaufstieg in die 3. Liga. Der beste Nachwuchshornusser am Interkantonalen Fest in Kirchlindach 2011 war mit Janik Freiburghaus ein Schmidiger. 2014 erfolgte der Aufstieg in die 2. Liga und wiederum ein Horngewinn. Zwei Jahre später konnten die Schmidiger in die 1. Liga aufsteigen. In diesem Jahr konnten gleich zwei Trinkhörner gewonnen werden. 2017 erfolgte erneut ein Horngewinn am Fest. 

Auch für den Nachwuchs war 2017 ein gutes Jahr: An beiden Festen setzte sich ein Schmidiger als bester Nachwuchshornusser durch. Die Jungen entwickelten sich zu einer wichtigen Stütze in der Hornussergesellschaft – nicht nur im Schlagen, auch im Ries waren sie nicht mehr wegzudenken. «Dass die HG Schmidigen 2019 in der 1. Liga 100 Jahre feiern darf, verdanken wir zu einem grossen Stück ebendiesen Nachwuchshornussern», betont Heinz Bichsel.

 

Gefeiert wird in Häusernmoos

Das Jubiläum feiert die HG Schmidigen an zwei Wochenenden in Häusernmoos. Als Gäste wurden gut 20 Gesellschaften eingeladen. Die Infrastruktur des Festes dient auch für den Veteranentag und die Gruppenmeisterschaft des Oberaargauischen Verbandes.

Das Festprogramm im Überblick

Freitag, 2. August 2019:

Veteranentag OZHV
Spielbeginn: 12.30 Uhr

Rangverkündigung: 17 Uhr

 

Samstag, 3. August 2019:

Gruppenmeisterschaft OZHV

Spielzeiten: 10.30 – 15.30 Uhr

 

Sonntag, 4. August 2019:

Gruppenmeisterschaft OZHV

Spielzeiten: 10.30 – 15.30 Uhr

Rangverkündigung: 17 Uhr

 

Freitagabend, 9. August 2019:

Nachwuchs Gotthelfhornussen

Spielbeginn: 17 Uhr

 

Samstag, 10. August 2019:

Jubiläumshornussen

Beginn: 12 Uhr (Essen ab 15.30 Uhr)

Rangverkündigung: 16.15 Uhr

 

Sonntag, 11. August 2019:

Jubiläumshornussen

Beginn: 12 Uhr (Essen ab 15.30 Uhr)

Rangverkündigung: 16.15 Uhr

 

31.07.2019 :: egs./opk.
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