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Flachdächer auf der Thomimatte: passend oder zu wuchtig?
Flachdächer auf der Thomimatte:  passend oder zu wuchtig? Rüderswil:

Im Tannschachen in Zollbrück soll eine Wohnüberbauung realisiert werden. In der Nachbarschaft regt sich Widerstand, vor allem bezüglich Höhe und Dachform der Gebäude.

Der Zonenplan und das Baureglement für die Zone mit Planungspflicht (ZPP) Tannschachen in Zollbrück soll geändert werden. Dies sei nötig, um «eine attraktive Aussenraumgestaltung zu gewährleisten und trotzdem die angestrebte Dichte zu erreichen», wie im Erläuterungsbericht zu lesen ist. Die maximale Gebäudehöhe ist auf elf Meter festgelegt. Geplant sind auf dem rund 11’500 Quadratmeter grossen Areal zwischen der Rüderswilstrasse und der Emme vier Mehrfamilien- und fünf Doppeleinfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohneinheiten sowie einer Einstellhalle. Der Bereich zwischen Emmenweg und Emme bleibe für Aufenthalt und Spiel frei, wie Daniel Sütterlin, Geschäftsführer der Moser und Partner AG,
Ittigen, ausführt. Die Firma hat das Land Anfang 2015 der Erbengemeinschaft Thomi abgekauft. Eingezont ist es schon viel länger. Ein Einfamilienhaus und ein Bauernhaus, beide unbewohnt, müssen der Überbauung weichen. «Die Rückbauten haben wir mit der Denkmalpflege abgesprochen», sagt Daniel Sütterlin.

«Flachdächer passen nicht»

Bei Markus Hottenberg, der gleich vis-à-vis der geplanten Überbauung wohnt, kommt das Vorhaben nicht gut an. Er sei nicht generell dagegen, die Thomimatte zu überbauen, betont er. Er sei nicht Bauverhinderer, da er selber in der Branche arbeite, sondern Bauverschönerer. «Was geplant ist, passt überhaupt nicht nach Rüderswil. Die elf Meter hohen Gebäude sind zu hoch und wirken wegen der Flachdächer viel zu wuchtig», führt Hottenberg aus. In der Nachbarschaft hätten alle Häuser Steildächer, die «Schuhschachteln» würden sich nicht harmonisch ins Dorfbild einfügen. Es handle sich vielmehr um eine Überbauung mit städtebaulichem Charakter. Der Gemeinde wirft er vor, ihr Versprechen, auf die bestehende Struktur des jeweiligen Ortsbildes einzugehen und Rücksicht zu nehmen, nicht einzuhalten. Mehrere Nachbarn würden sein Anliegen teilen, hält Markus Hottenberg fest. Die IG Dachlandschaft Schweiz (siehe Kasten) unterstütze sie bei der Einsprache.

«Überbauung darf sich abheben»

Als massvoll und passend bezeichnet dagegen Gemeindepräsident Roland Rothenbühler das Projekt. Von Städtebau könne keine Rede sein bei drei Geschossen. Die Dachform lasse der Gemeinderat an diesem Ort bewusst frei. Die neue Überbauung dürfe sich mit den Flachdächern durchaus von den umliegenden Häusern abheben. Zudem werde der Forderung nach verdichtetem Bauen, dem haushälterischen Umgang mit Land und der Siedlungsentwicklung nach innen entsprochen. «Dem Gemeinderat ist auch klar, dass ein solches Projekt in den ländlichen Ortsteilen Ranflüh, Rüderswil und Schwanden nicht passen würde. Zollbrück aber nimmt eine Zentrumsfunktion ein, und das darf man sehen», erklärt Rothenbühler. 

Grüner Gürtel, statt braune Dächer

Daniel Sütterlin von der Bauherrschaft betont, dass sie nach der Mitwirkungsauflage und den Anregungen der Bevölkerung das Projekt redimensioniert hätten. «Wir bauen ein Mehrfamilienhaus weniger. Zudem wird das Attikageschoss auf einer Seite um zwei Meter zurückversetzt. Wir holen also punkto Dichtigkeit nicht das Maximum heraus.» Für Flachdächer hätten sie sich vor allem aus
ästhetischen Gründen entschieden, erklärt er. «Das passt dort hin und wertet das Ortsbild auf.» Ein Satteldach wirke viel massiver. Die Flachdächer würden zudem begrünt. Von oben betrachtet, etwa vom Harzer aus, blicke man auf einen grünen Gürtel und nicht auf eine braune Dachlandschaft. Ausserdem, so Daniel Sütterlin, hätten sie darauf geachtet, dass von den Nachbarliegenschaften aus zwischen den geplanten Häusern freie Blicke Richtung Wäldchen und Emme möglich seien.

 

Die Unterlagen zur ZPP Tannschachen liegen bis zum 28. Oktober auf der Gemeindeverwaltung Rüderswil auf. Am 9. Februar soll das Geschäft an die Urne kommen.

Gegen Benachteiligung von Steildächern

Die IG Dachlandschaft Schweiz setzt sich ein gegen «die Diskriminierung des Steildachs». Zu ihren Mitgliedern gehören Firmen wie Eternit AG, Ziegeleien und Dachfensterhersteller. Störend sei, dass Steildächer mit den neuen, einheitlichen Messweisen im Bauwesen, welche von den bernischen Gemeinden bis Ende 2023 übernommen werden müssen, benachteiligt würden, erläutert Peter Burkhalter von der IG. Neu werden nicht mehr zwei Höhen angegeben (First- und Gebäudehöhe), sondern nur noch die Gesamthöhe. «Wer eine möglichst grosse Wohnfläche erreichen will, wird faktisch gezwungen, ein Flachdach zu bauen, weil durch die Dachneigung Raum verloren geht», erklärt Burkhalter. Um dies zu verhindern, schlägt die IG den Gemeinden zum Beispiel vor, die Gesamthöhe für Flach- und Steildächer oder die Ausnutzungsziffer unterschiedlich festzulegen. Möglich sei auch eine Zulassungsbeschränkung. «Die Gemeinde muss sich im Klaren sein, welche Gestaltung des Ortsbildes sie anstrebt», sagt Burkhalter.

17.10.2019 :: Silvia Wullschläger
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