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«Esst lieber ‹Hung-Ankebock› statt Honigschnitte!»
«Esst lieber ‹Hung-Ankebock›  statt Honigschnitte!» Trubschachen:

Drei Mundart--Spezialisten übersetzten Geschichten in ihren jeweiligen Dialekt. Die Gäste amüsierten sich bestens, auch wenn sie viele der Ausdrücke kaum verstanden.

Das Vorlese-Team setzte sich zusammen aus Hans Schmidiger, Oberemmental, Christian Schmutz, Sensebezirk und Dario Henzen, Oberwallis. Dass sie heute nicht mehr an ihrem Ursprungsort wohnen, spielte keine Rolle. Der typische Dialekt hat sich während ihrer Kindheit eingeprägt, und sie lieben und pflegen ihn bis ans Ende ihrer Tage.

Thomas Herrmann von der Satz und Druck Herrmann AG, Langnau, Herausgeber der «Wochen-Zeitung» und Verleger zahlreicher Berndeutschbücher, begrüsste die grosse Zuschauerschar, die sich im Dachgeschoss des Gasthofs Hirschen in Trubschachen eingefunden hatte. Man war gespannt, was sich aus der mit einem Kraftausdruck betitelten Einladung ergeben würde. «Dr Soucheib» versprach nebst einer Mundart-Simultanübersetzung einer Fragerunde
und Dialekt-Geschichten aus drei
Regionen.

Sorge tragen zur Muttersprache

Hier bestens bekannt als Berndeutsch-Autor aus dem Schangnau ist Hans Schmidiger – für ihn war es quasi ein Heimspiel. Durchzogen von witzigen Zwischenbemerkungen erklärte er den Zuhörerinnen und den Zuhörern, er wolle ihnen ein wenig die Mundart schmackhaft machen, aber auch den Mahnfinger heben. Es gehe doch nicht an, dass unsere Grosskinder Honigschnitte anstatt «Hung-
Ankebock» essen würden! Schuld daran seien nebst den Eltern auch die Schulen, wo sogar noch auf dem Pausenplatz Schriftdeutsch gesprochen werden müsse. Dabei sei der Dialekt unsere Muttersprache und Teil unserer Identität. Er gebe Auskunft, wo unsere Heimat sei, wer wir seien. Dazu überall diese Anglizismen! Klar könnten Ausdrücke rund um Computer und Smartphone nicht auf Berndeutsch gesagt werden, aber sonst müssten sie nicht überall – in Werbung, Medien und Umgangssprache – verwendet werden. «Helft bremsen!», forderte Schmidiger das Publikum auf, «tragt Sorge zur echten, unverwaschenen Mundart, und besinnt euch auf die blumigen Spezialaus-drücke!» 

Es gibt Gemeinsamkeiten?

Nun folgte eine mit beispielhaft urchigen Kraftausdrücken gespickte Geschichte, von Schmidiger in bühnenreifer Manier auf Berndeutsch vorgetragen. Sie handelt vom neuen Lehrer, der, kaum im Amt, allabendlich spurlos verschwindet. Die Lausbuben «beizen» ihm ein Sandsäckchen mit Loch am Auto und so kommt es heraus: Er geht zum Annekäthi «z Chiut – dä Soucheib!». Danach folgte dieselbe Erzählung, gelesen von Christian Schmutz auf «Seisler Tütsch». Gleichfalls ein Ohrenschmaus! Zuletzt der Beitrag von Dario Henzen in «Oberwalliser Titsch». Das war gesprochene Musik, aber verstanden hat man nichts. Zum Schlusspunkt erfuhr das Publikum übrigens, «dä Soucheib», heisst in allen drei Dialekten gleich!

Adam und Eva waren keine Seisler

Christian Schmutz gab allerlei Müsterli aus seinem neusten Buch «Gang ga gugge» zum Besten. So seien Adam und Eva sicher nicht Seisler gewesen, sonst hätten sie aus dem Apfel Schnaps gebrannt, statt ihn zu naschen. Und Chinesen seien sie auch nicht gewesen, sonst hätten sie eher die Schlange gefressen. 

Dario Henzen fügte eine unheimliche Geschichte bei, in welcher ein gestohlener Schädel aus dem Beinhaus den Dieb verfolgt. Dank erklärender Hinweise konnte man es sogar verstehen. Dann war wieder Hans Schmidiger an der Reihe. Mit seiner Szene über die Geldsammlung der Schüler riss er das Publikum zu Lachstürmen hin. Schmutz doppelte nach, mit der Biese, die «hou ab» nicht
versteht, weil sie aus Russland kommt, und Henzen erzählte von der «But-
titscheera» oder «Büppi-Hutte» (deutsch: Büstenhalter) hinter dem Haus, die den Spatzen als Doppelnest dient.

So vergnüglich ging der Nachmittag schnell vorbei, während draussen Schneeflocken wirbelten. Umrahmt wurden die Beiträge vom heimeligen Gesang der «Spycherlijodler Eggiwil». Dialektologe Schmutz fügte noch ein wenig wissenschaftliches hinzu: etwa, dass man schon 1862 fürchtete, die Dialekte würden verschwinden, und darum das Schweizer Idiotikon entwickelte.

21.11.2019 :: Gertrud Lehmann
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