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«Es ist schön, andere glücklich zu machen»
«Es ist schön, andere glücklich zu machen» Emmental:

Freiwillige greifen einer arg gebeutelten Familie unter die Arme. Im dreiwöchigen Arbeitseinsatz verhelfen sie einer Bauernfamilie zu einer neuen Perspektive.

Daniel Grin und Michel Corboz sind in einem Schöpfli etwas abseits der Baustelle an der Arbeit. Die beiden Pensionierten werkeln an einem älteren Mäher. «Für mich ist das nichts Besonderes», meint Grin. «Ich war Landwirt.» Corboz seinerseits erklärt, dass er einst ein Transportunternehmen geführt habe. Gemeinsam schrauben sie neue Teile an den Mähbalken, damit dieser dann wieder seinen Dienst tut. Er mache bereits zum 21. Mal bei einem Freiwilligenseinsatz der Organisation Adra mit, erklärt Michel Corboz. Die Abkürzung Adra steht für Adventist Development and Relief Agency. Die Hilfsorganisation wurde von der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten gründet und ist weltweit tätig. Adra Schweiz leistet jedes Jahr einen Freiwilligeneinsatz in der Schweiz, heuer im Emmental. 

Wo anfangen? Wie bezahlen? 

Die dreiköpfige Bauernfamilie hat es nicht leicht. Alle drei haben mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, was schliesslich auch den kleinen Landwirtschaftsbetrieb gefährdete. Unter anderem nagte der Zahn der Zeit am Bauernhaus: Eine der Grundmauern drohte einzustürzen und das Dach war mehr und mehr undicht. Wo anfangen? Und wie bezahlen? Das waren die zentralen Fragen, die sich der Familie stellten. Das Bauunternehmen GLB startete die Planung und schaltete die Berghilfe ein. Diese leitete das Gesuch an die SAB (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Bergbevölkerung) weiter; denn «nur» mit einer Geldspende war all den Problemen nicht beizukommen. «Rasch war klar, dass man hier mit Freiwilligen etwas machen kann», erklärt Heinz Aebersold, Leiter technische Abteilung der SAB. «Mit der Adra haben wir schon viele Projekte realisiert. Die kirchliche Vereinigung ist gut organisiert, das klappt.» Damit auch alle fachlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt sind, leitet die GLB die Baustelle. Im April wurde in einem ersten Einsatz die marode Grundmauer neu aufgebaut, nun folgen zwei weitere Wochen in denen das Dach über dem Ökonomieteil erneuert, die Isolation im Wohnteil verbessert und einige Maschinen geflickt werden. Zehn bis 15 Freiwillige der Adra packen jeweils für eine Woche an. Sie übernachten in einem nahen Pfadiheim, tagsüber sind sie an der Arbeit. Die GLB ist mit drei Fachleuten und stundenweise einigen Spezialisten am Werk. 

«Ich weiss nicht, wie wir das selber hätten schaffen können», erklärt der Bauer. «Wir sind sehr dankbar. Endlich geht es bergauf.»

Heinz Aebersold von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Bergbevölkerung betont, dass nicht irgendjemand in den Genuss von Freiwilligenarbeit komme. «Wir haben strikte Vorgaben, welche für einen solchen Einsatz erfüllt sein müssen.» Weiter bekomme er oft zu hören, dass solche Engagements die Privatwirtschaft konkurrenziere. Das stimme nicht, hält Aebersold fest. Ohne Hilfe von aussen wäre dieses Bauprojekt schlicht gar nie realisiert worden. «Und dann geht es einfach auch darum, einer Familie in einer sehr schwierigen Situation zu helfen, wieder aufs Gleis zu kommen», fügt Aebersold an. Das sehen auch die 37 Personen der Hilfsorganisation Adra so, welche sich auf dem abgelegenen Bauernhof während je einer Woche engagierten. «Ich bin gesund und kann noch etwas anpacken», meint Daniel Grin, während er gemeinsam mit Michel Corboz versucht am Mäher eine alte Schraube zu lösen. «Wir haben es gut», fügt Corboz an. «Was gibt es da Schöneres, als jemand anderen glücklich zu machen.»

23.08.2018 :: Bruno Zürcher
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