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«Einige Trainer warten wohl schon darauf, dass ich entlassen werde»
«Einige Trainer warten wohl schon darauf, dass ich entlassen werde» Scott Beattie: Der 48-jährige Headcoach der SCL Tigers will mit den SCL Tigers nicht «nur» den Ligaerhalt schaffen. Er steckt sich das Saisonziel mit seiner Mannschaft höher.
Im März 2016, zwei Spiele vor Abschluss der Platzierungsrunde, ersetzten die SCL Tigers Benoit Laporte durch Scott Beattie. Er brachte das Team auf den richtigen Weg zurück und schaffte mit den Langnauern den angestrebten Ligaerhalt. Die Führung der SCL Tigers liess sich von der Arbeit des kanadisch-italienischen Doppelbürgers überzeugen und beförderte den 48-Jährigen vom «Feuerwehrmann» zum Headcoach. Nun steht Beattie mit den SCL Tigers vor seiner bisher grössten Herausforderung als NLA-Trainer.

Scott Beattie, Sie sind im Sommer nach Langnau umgezogen.
Wie gefällt es Ihnen hier?
Sehr gut, es erinnert mich an meine kanadische Heimat. Die Bäume, die Hügel, die Berge und die Leute, die sich für Eishockey begeistern. Meine ganze Familie fühlt sich sehr wohl hier in der Gemeinde. Die Menschen sind sehr respektvoll und die Lehrer an der Schule phantastisch.

Fiel den Kindern der Schulwechsel nicht schwer?
Das älteste geht im Herbst in Mailand an die Universität. Die beiden jüngeren sind sechs und zehn Jahre alt, sie haben sofort neue Freunde gefunden.

Wenn der Vater Trainer der SCL Tigers ist, findet man sicher schnell Freunde.
Solange wir gewinnen schon (lacht).

Was mögen Sie am Landleben?
Der Zusammenhalt in der Bevölkerung ist sehr gross. Die Leute hier müssen hart arbeiten, vor allem in der Landwirtschaft. Ich geniesse es jedes Mal, wenn ich den Kühen und Schafen zuschauen kann. Das ist so cool. Jörg (Sportchef Reber, die Red.) lacht jeweils, wenn ich sage, dass ich mir noch ein bisschen Kühe anschauen gehe.  

Sie haben die Mannschaft im Frühling bereits temporär betreut und zum Ligaerhalt geführt. Trotzdem waren viele Leute überrascht, dass Sie einen neuen Vertrag bekommen haben. Sie auch?
Ich hatte nach der Serie gegen Biel keine Ahnung, was kommt, alles war völlig offen. Es gab mehrere Gespräche mit Sportchef Reber und dem Verwaltungsrat. Ich bin sehr froh, diese Chance bekommen zu haben.
Stört es Sie, dass Sie in Langnau
lediglich einen Einjahresvertrag
erhaltenhaben?
Das ist ganz normal, so ist das moderne Eishockey. Es gibt in der NLA nur zwölf Mannschaften, aber sehr viele Trainer. Einige von ihnen warten vermutlich schon darauf, dass ich entlassen werde. Aber das ist in jeder Liga das gleiche. Die SCL Tigers hatten in der Vergangenheit viele Trainerwechsel, deshalb verstehe ich die Entscheidung des Clubs, mir nur einen Einjahresvertrag zu geben.

Ist die Mannschaft stärker oder schwächer als letzte Saison?
Ganz klar stärker.

Wegen den neuen Spielern?
In erster Linie weil sich die Einstellung geändert hat. Wir sprachen vom ersten Tag an davon, dass wir nur gemeinsam Erfolg haben können und dass es keinen Platz für Stars gibt. So ist ein völlig neuer Teamgeist entstanden. Die Mannschaft hat sehr viel Charakter. Und die Stimmung wird von Tag zu Tag noch besser.

Trotzdem dürfte das Saisonziel «nur» Ligaerhalt lauten.
Das ist die alte Mentalität.

Also Playoffs?
Die alte Mentalität war Ligaerhalt, wir haben eine neue Mentalität. Natürlich werden die Ziele dadurch höher.

Wie wollen Sie diese Ziele
erreichen?
Der Fokus liegt auf der Defensive, erst danach kommt die Offensive. Unser Ziel ist es, im Schnitt weniger als drei Gegentore pro Spiel zuzulassen. Jeder Spieler im Team kennt seine Rolle und die muss er befolgen. Spielt einer nicht gut, wartet bereits ein anderer auf seine Chance. Diese Einstellung muss in die Köpfe der Spieler hinein.

Ist genug Qualität im Team für eine solche Abwehrtaktik?
Ja, ich glaube schon. Wenn sich alle an das System halten und auch die
Stürmer nach hinten arbeiten,
kommt es gut. Die Ansätze in den bisherigen Testspielen waren schon mal positiv.

Wie lief die Vorbereitung?
Unser Fitness-Coach Nik Hess hat die Mannschaft im Sommertraining perfekt betreut. In den letzten
Wochen haben wir auch auf dem
Eis hart gearbeitet. Ich bin zufrieden und optimistisch, dass wir am 9. September gegen den SC Bern bereit sein werden.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Die SCL Tigers sind nicht Scott
Beattie. Um Erfolg zu haben, braucht es jeden einzelnen. Ich bin nicht so arrogant, dass ich sage «ich weiss alles». Ich spreche jeden Tag mit den Spielern und die Spieler mit mir, wenn sie andere Ansichten haben. Wichtig ist, dass wir spätestens am
9. September alle die gleiche Philo-
sophie haben.

Ihrem Vorgänger Benoît Laporte wurde ein eher respektloser Umgang mit den Spielern vorgeworfen.
Ich kann nichts zu meinem Vorgänger sagen, denn ich weiss nicht was er gemacht hat. Meine Philosophie ist es, immer positiv zu bleiben. Die Saison ist lang und wir werden schlechte Spiele haben. In solchen Situationen muss man ruhig bleiben.

Was sind Ihre Erwartungen an die neuen ausländischen Stürmer Rob Schremp (USA, 30) und Brendan Shinnimin (Ka, 25)?
Ich erwarte von ihnen, dass sie das Team unterstützen. Es sind zwei von 22 Spielern und keine Superstars. Schremp hat schon für Zug gespielt und ich denke, dass er noch besser ist als damals. Er will beweisen, dass er eine zweite Chance in der Schweiz verdient hat. Und Shinnimin ist ein sehr harter Kämpfer, er hasst es richtiggehend zu verlieren.

Mit Pascal Berger und Flurin Rand-
egger wechselten zwei Meisterspieler vom SCB zu den Tigers. Bringt das Duo «Winner-Mentalität» mit?
Auf jeden Fall. Ich habe die Finalspiele gegen Lugano gesehen. Ich weiss nicht ob Bern auch ohne sie Meister geworden wäre. Sie waren in kämpferischer Hinsicht sehr wichtig für den Erfolg.

Die beiden Goalies Damiano Ciaccio und Ivars Punnenovs haben ihre
Verträge vor kurzem um je zwei
Saisons verlängert. Wer ist die
Nummer 1 im Tor?
Wir haben zwei Nummer-1-Goalies. Wer die Saison beginnt, entscheide ich erst am Tag vor dem ersten Spiel. Grundsätzlich gilt: Wer gewinnt, spielt auch im nächsten Match.
Weisskopf und Nils Berger in die NLB
Verteidiger Dan Weisskopf (26) und Stürmer Nils Berger (25), werden von den SCL Tigers in die NLB ausgeliehen. Nils Berger spielt bis auf weiteres bei Rapperswil und Weisskopf stand bereits am Dienstagabend im Kader des SC Langenthal gegen Visp im Einsatz. Beide Spieler können jederzeit zurückgeholt werden. mbu.
01.09.2016 :: Christoph Schär
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