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Ein Schnuppertraining mit einem Handball-Weltmeister
Ein Schnuppertraining mit einem Handball-Weltmeister Handball:

Mit verschiedenen Aktionen will Espace Handball Nachwuchs finden. So leitete Weltmeister Zlatko Portner ein Schnuppertraining. Wichtig ist vor allem der Schulsport.

Die zwei Jungen und fünf Mädchen betreten die Turnhalle in Grosshöchstetten und begrüssen ihre Trainerin, Eliane Arnold. Doch heute wird nicht sie das Training leiten, sondern ein 57-jähriger, grossgewachsener Mann. Weil Zlatko Portner den Kindern der U13-Mannschaft kein Begriff ist, stellt er sich kurz vor: 1986 Handballweltmeister mit dem damaligen Jugoslawien, 1988 Bronzemedaille an den Olympischen Spielen in Seoul, mehrmaliger Sieger im Europapokal der Landesmeister. «Vielleicht kennt ihr meinen Sohn Nikola», meint Portner. «Er ist Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft und hat in Grosshöchstetten mit Handballspielen begonnen.» Dann aber ist genug geredet und das Training geht los. In einer Stafette müssen Bälle hin- und hergetragen werden. Als nächstes wird das Prellen beim Slalomlaufen geübt. Die drei Mädchen, die an diesem Schnuppertraining erstmals dabei sind, geben ihr Bestes, um mitzukommen.

Der Weltmeister kehrt zurück

Es ist kein Zufall, dass Zlatko Portner den Weg nach Grosshöchstetten gefunden hat. Von 1994 bis 2006 trainierte er den damaligen BSC Grosshöchstetten. Martin Schneider, der heutige Nachwuchschef, erinnert sich gerne an diese Zeit. «Ich konnte als Spieler enorm von ihm profitieren; die Mannschaft spielte in der 1. Liga und erlebte damals ihre beste Zeit.» Nun ist es ihm gelungen, den Weltmeister an seine alte Wirkungsstätte zurückzuholen, sei es auch nur für dieses Probetraining. 

Alissia, Nerea und Mirjam haben noch nie Handball gespielt. «Das erste Mal war heute morgen in der Schule und jetzt hier», erzählt Alissia. Auch Chantal kam erstmals in der Schule in Kontakt mit Handball. «Zuerst habe ich es gehasst, aber dann hat es mir Spass gemacht. Seit Januar bin ich nun im Verein.» Die vier Mädchen gehen in Walkringen zur Schule.   

Handball geht auch soft

Nachwuchschef Martin Schneider weiss, wie wichtig es ist, dass Kinder im Schulsport mit Handball in Berührung kommen. Darauf zielt auch das Angebot des Schweizerischen Handballverbandes «Handball macht Schule» ab (siehe Kasten). Schneider fungiert als Koordinator für die Region Emmental. Letztes Jahr konnten von Walkringen bis Röthenbach 41 Lektionen erteilen werden, manche Kinder spielen nun im Klub. «Viele Lehrkräfte kennen Handball nicht. Ihnen zeigen wir auf, wie sie diese Sportart in den Turnunterricht einbauen können.» Begonnen werde stets mit Softhandball, damit alle sofort mitmachen könnten. Dabei wird mit einem weichen Ball mit vier Spielern und einem fliegenden Goalie auf Unihockey-Tore gespielt. «Zu Beginn gelten einfache Regeln, die dann nach und nach ergänzt werden», erklärt er.   

Den Virus weitergeben

Seit drei Jahren ist Martin Schneider daran, den Nachwuchsbereich bei Espace Handball wieder aufzubauen. Der Klub ist ein Zusammenschluss der Vereine Grosshöchstetten, Biglen, Worb und Oberburg. Unermüdlich ist er in Sachen Handball unterwegs, kontaktiert Schulleiter, führt Schnuppertrainings durch und organisiert jeweils im Januar ein Schulhandballturnier in Biglen. Dieses Jahr hätten bereits elf Teams teilgenommen, nächstes Jahr rechne er mit 15. Auch konnte Espace Handball wieder eine U13- und eine U15-Mannschaft aufstellen; Knaben und Mädchen trainieren gemeinsam in Grosshöchstetten. Die ältesten Junioren können in der zweiten Mannschaft (4. Liga) integriert werden, die Frauen in der Spielgemeinschaft mit Thun (3. Liga). Martin Schneider hofft, schon bald ein U17- und in ein paar Jahren ein Frauenteam gründen zu können. Zu sehen, wie etwas wächst, erfüllt ihn mit Genugtuung. «Ich bin seit meiner Jugendzeit mit dem Handball-Virus infisziert und freue mich, andere damit anzustecken», sagt der 47-Jährige. 

Wenig präsent in den Medien

Dass Handballklubs grosse Anstrengungen unternehmen müssen, um genügend Nachwuchs zu finden, führt Martin Schneider auf verschiedene Faktoren zurück. Einerseits, wie bereits erwähnt, werde Handball im Schulsport seltener gespielt als etwa Fussball oder Unihockey. Andererseits sei die Präsenz in den Medien geringer. «Handball wird beispielsweise auf SRF kaum übertragen. Auch in Zeitungen finden höchsten die Nationalliga A und die Nationalteams Erwähnung.» Dadurch fehlten den Kindern und Jugendlichen die grossen Vorbilder. Es habe keine Superstars wie im Fussball, über die ständig berichtet werde. Nicht zuletzt hafte dem Handball das Image an, brutal und gefährlich zu sein. «Es ist sicher ein körperbetontes, hartes Spiel, aber das Risiko, sich zu verletzen, ist gerade in Junioren-Ligen nicht höher als in anderen Sportarten», ist Schneider überzeugt. Wichtig sei eine seriöse Vorbereitung und eine saubere Spielweise. 

Auch der Kopf ist gefordert

Der ehemalige 1.-Liga-Spieler spricht lieber über die Vorteile seines Lieblingssports: Handball sei sehr vielseitig, fordere sowohl den Körper als auch den Kopf. «Gut schiessen können, reicht nicht. Prellen, passen, fassen, Sprungwürfe, Positionen wechseln gehören ebenso dazu wie verteidigen, und dies alles bei hohem Tempo.» Das mache Handball zu einer attraktiven Sportart sowohl zum Spielen als auch zum Zuschauen. 

Das findet auch Gregory, der seit einem halben Jahr im U13-Team spielt. Fussball habe ihm nicht gefallen, Handball sei spannender. Vielleicht nehmen er und seine Kolleginnen und Kollegen den einen oder anderen Tipp von Zlatko Portner mit. Vor der Türe stehen schon die U15-Spielerinnen und -Spieler bereit. Yaël freut sich aufs besondere Training. Sie spielt die dritte Saison und ist begeistert. «Ich mag Handball, weil immer etwas läuft.» 

 

Nächste Schnuppertrainings (ohne Zlatko Portner): Freitag, 13. September und 18. Oktober, je 17.30 Uhr (U13) und 18.45 Uhr (U15) in der Turnhalle Alpenweg, Grosshöchstetten. Kontakt: Martin Schneider, 079 359 88 11.

Handball macht Schule

Das Programm «Handball macht Schule» will in den Schulen die Begeisterung für die Sportart Handball wecken. Das Programm des Schweizerischen Handballverbandes spricht Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler zwischen dem 2. und 7. Schuljahr an. Lehrerinnen und Lehrer erfahren, wie Handball im Sportunterricht eingebaut werden kann. Gleichzeitig entdecken Schulkinder den Handballsport mit all seinen möglichen Spielformen. Ausgebildete Botschafter aus örtlichen Vereinen besuchen Schulklassen und erteilen Demo-Handball-Lektionen. Für die Lehrerschaft werden Fortbildungskurse angeboten.

 

Handball in der Schule, Telefon 031 370 70 25

12.09.2019 :: Silvia Wullschläger
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