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Ein Jahrhundertprojekt für ein Jahrhunderhochwasser
Ein Jahrhundertprojekt für  ein Jahrhunderhochwasser Rüderswil/Lauperswil:

Am Unter Frittenbach wird für 16 Millionen Franken der Hochwasserschutz verbessert. Nun geht der Wasserbauplan bei den Fachstellen in die Vernehmlassung.

Schon öfter hat der Unter Frittenbach nach heftigen Regenfällen und Gewittern das Dorf Zollbrück überschwemmt. Er habe dies bereits viermal miterlebt, sagt Hans Scheidegger, Präsident der Schwellenkorporation Rüderswil. Letztmals trat der Bach am 4. Juni 2018 über die Ufer. Nun wollen die Schwellenkorporationen Rüderswil und Lauperswil Abhilfe schaffen und haben zusammen mit der Flussbau AG, Bern, einen Wasserbauplan erarbeitet. Seit sechs Jahren sind sie mit der Planung beschäftigt. 

Einbezogen wurde der Abschnitt ab der Einmündung des Lehngrabens bis zur Mündung in die Emme. Für den Hochwasserschutz auf diesen drei Kilometern wird mit Kosten von 16 Millionen Franken gerechnet: Ein Jahrhundertprojekt, um für ein Jahrhunderthochwasser gewappnet zu sein.

Alle Brücken werden neu

Ein Hauptproblem stellten die zahlreichen Brücken über den Unter Frittenbach dar, erklärt Hans Scheidegger. Viele dienen der Erschliessung von Bauernhöfen. «Die Durchlässe sind zu klein und entsprechen nicht mehr den heutigen Normen. Die Gefahr, dass dort Schwemmholz verkeilt und den Bach zurückstaut, ist gross.» Sämtliche Brücken werden erneuert und entweder höher gebaut oder die Sohle tiefer gelegt. Gänzlich neu erstellt wird der Durchlass bei der Kantonsstrasse. Er wird vier Meter breit und die Sohlentiefe misst 1,20 Meter. Ebenfalls die Eisenbahnbrücke soll erneuert werden. Weitere Kernstücke des Bauprojekts sind gemäss Hans Scheidegger neue, grössere Kanäle, einer bei der Firma Sommer und einer ab der Bahnlinie bis zur Emme. «Letzterer wird neben dem bestehenden gebaut», sagt der Präsident der Schwellenkorporation Rüderswil. Auf dem Areal der Firma de Ligno werde der Kanal unterirdisch geführt, damit das Unternehmen den Platz weiterhin nutzen könne. «Da dies teurer zu stehen kommt als wenn der Kanal offengelegt würde, wird sich de Ligno an den Kosten beteiligen müssen.» 

Für Fische passierbar

Gleichzeitig mit dem neuen Kanal wird auch die Einmündung des Unter Frittenbachs in die Emme neu gestaltet und für Fische passierbar gemacht. «Der Einlauf wird flacher mit einer Absturzhöhe von 30 Zentimetern statt der heute 1,5 Meter. Zudem gibt es Niederwasserrinnen und im Kanal Lichtschächte, um den Fischen zu ermöglichen, in den Unter Frittenbach aufzusteigen», schildert Hans Scheidegger das Vorgehen. Generell werde das Gewässer praktisch auf der ganzen Länge naturnaher und erhalte mehr Platz. Damit dies möglich wird, müssen zwei kurze Strassenstücke um einen halben beziehungsweise um eineinhalb Meter verschoben werden. An einer Stelle wird Fels abgetragen. «Weiter sind Rodungen nötig: Einerseits müssen ein paar Einzelbäume gefällt werden, um überhaupt zu den Baustellen zu gelangen. Andererseits wird ein schmaler Streifen abgeholzt, um Platz für Strasse und Bach zu erhalten.» Die Aufforstungen könnten teils vor Ort, teils an anderen Stellen vorgenommen werden. 

Um die Arbeiten ausführen zu können, muss 1433 Quadratmeter Land erworben werden. «Mit den Grundeigentümern stehen wir in Kontakt», betont Hans Scheidegger. «Betroffen sind hauptsächlich vier Landwirte. Sie werden finanziell entschädigt.» Möglicherweise könne die Schwellenkorporation Rüderswil 50 Aren Land kaufen und so zum Teil Realersatz bieten. 

Bauen in Etappen

Die Baukosten von insgesamt 16 Millionen Franken tragen zu 70 bis 75 Prozent der Bund und der Kanton Bern. Den Rest, zwischen vier und 4,8 Millionen, teilen sich die Schwellenkorporationen Rüderswil und Lauperswil sowie die beiden Gemeinden. Der Unter Frittenbach bildet die Gemeindegrenze. Die Kosten, die verbleiben, seien zwar hoch, aber tragbar, sagen sowohl Hans Scheidegger als auch sein Amtskollege der Schwellenkorporation Lauperswil, Daniel Badertscher. 

Die Öffentlichkeit konnte im Rahmen der Mitwirkung im Sommer 2017 ihre Anliegen einbringen. Auch die Vorprüfung beim Kanton erfolgte bereits. Das Bauprojekt ist nun so weit ausgereift, dass es beim Bund der Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen und bei den kantonalen Fachstellen in die Vernehmlassung geschickt werden kann. 

Es ist vorgesehen, den Wasserbauplan Unter Frittenbach im Sommer 2020 öffentlich aufzulegen. Baubeginn soll, je nachdem ob Einsprachen eingehen oder nicht, 2021 oder 2022 sein. Das Projekt wird etappiert. «Wir rechnen mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren», geben die Präsidenten der beiden Schwellenkorporationen bekannt.

12.09.2019 :: Silvia Wullschläger
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