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Ein freudvolles Gedächtnistraining
Ein freudvolles Gedächtnistraining Langnau:

Der Musik lauschen, sich drehen und wenden, vom Alltag abschalten: Resa Friedli bereitet Seniorinnen und Senioren jeden Freitag einen beschwingten Vormittag.

Balkanweisen erklingen im Kirchgemeindehaus Langnau. Sechs Damen und ein Herr folgen mit konzentrierter Mimik den federleichten Kommandos von Tanzlehrerin Resa Friedli. Trippeln, Bein lupfen und Zwischenschritte im Kreis klappen schon ganz gut zu dem ungewöhnlichen 7/8-Takt des mazedonischen Volksliedes. Ein Straucheln in der Bewegung ist schnell wieder ausgebügelt. «Seit, Tipp, Seit, Tipp, Wechselschritt... lauf, lauf lauf, lauf... Hände in die Taille»: Das südamerikanische Feuer zu Marc Anthonys «I need to know» ist bei den Tanzbegeisterten schnell entfacht. Die Choreografie flutscht bestens. 

«Ich höre nicht mehr so gut», erzählt eine bald 64-jährige Teilnehmerin des Pro-Senectute-Angebots. «Ich geniesse es, dass hier nicht so viele Stimmen kreuz und quer gehen.» Hier hat die Beinarbeit das Sagen. Der einzige Mann in der Runde hat das Tanzen vor fünf Jahren für sich entdeckt. Dass er derzeit Hahn im Korb ist, stört den 75-Jährigen nicht. «Ich habe kein Instrument gelernt und nie in einem Chor mitgesungen», bedauert er. Sein Vater sei ein guter Tänzer gewesen, und er habe lange gedacht, dann stehe ihm das nicht zu. Dass dieser Zweifel völlig unbegründet ist, zeigt er auf dem Parkett mit Schritt- und Rhythmussicherheit. 

Alle Sinne gefordert

Beim ausgelassenen Gassentanz zur lüpfigen Akkordeonmusik sprüht die pure Lebensfreude bei allen Teilnehmenden. «Tanzen ist das freudvollste Gedächtnistraining, das ich kenne», bestätigt Resa Friedli diesen Eindruck. Alle Sinne seien gefordert, Koordination und Konzentration würden trainiert. Natürlich käme auch die soziale Komponente nicht zu kurz. «Kreistänze zum Beispiel wirken stützend und verbindend auf die Psyche», erklärt die Tanzvermittlerin. «Überkreuzbewegungen wirken harmonisierend für den ganzen Körper.» Ein Anspruch auf Perfektion besteht beim Tanzkurs für Seniorinnen und Senioren nicht. Es versteht sich von selbst, dass es jeder und jede gut machen wollen. 

Tanzen als Jungbrunnen

Wissenschaftlich belegt ist, dass 20 Minuten tanzen Glückshormone freisetzt. Dazu kommt, dass der Tanz eine Präsenz fordert, die alle Sorgen im Moment abschaltet und Gedankenkarussells anhält. Der anspruchsvolle 7/8-Takt, der dem mazedonischen Volkslied innewohnt, liefere sogar neurologische Weckmomente, denn die hierzulande fremde Taktgebung fordere höchste Konzentration, erklärt Resa Friedli. Nicht zu unterschätzen sei die Gehsicherheit, die sich mit regelmässigem Tanzen jenseits der 60 steigere. Resa Friedli, selbst 60 Jahre alt, ist das besten Beispiel für den Jungbrunnen Tanz. Ihr Leben lang folgte sie der Faszination, sich zur Musik zu bewegen. Etliche Weiterbildungen hat sie absolviert, um mit anderen ihre Leidenschaft zu teilen. «Ich bin in einer Zeit geboren, in der ich viele Stile ausprobieren konnte», sagt sie.

 

«Tänze aus aller Welt» für Menschen ab 60 Jahren freitags von 9.00 bis 10.30 Uhr im Kirchgemeindehaus, Dorfstrasse 2, in Langnau. Auskunft erteilt Resa Friedli: 077 447 20 26 oder 034 408 82 84.

 

07.11.2019 :: Christina Burghagen
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