Anmelden
Ein Bauernhaus im Ramseischachen ist eine Gefahr für die Wasserfassung
Ein Bauernhaus im Ramseischachen ist eine Gefahr für die Wasserfassung Aeschau: Zum Abbruch des alten Bauernhauses bei der Wasserfassung Ramseischachen sind keine Einsprachen eingegangen. Noch ausstehend ist die Stellungnahme der Denkmalpflege.

 

Das über 200-jährige Bauernhaus im Ramseischachen soll abgebrochen werden. Der Grund: Es steht in der Schutzzone der in unmittelbarer Nähe gelegenen Wasserfassung. Diese wird von der Wasserverbund Region Bern AG (WVRB) betrieben. Rund zwölf Millionen Kubikmeter Wasser fliessen jährlich von Aeschau in die Stadt und Region Bern – das reicht für einen Grossteil der etwa 250’000 von der WVRB versorgten Menschen.

Das alte Bauernhaus samt Stöckli und Nebengebäude sind ebenfalls im Besitz dieser Wasserversorgung. Grundsätzlich dürfen in der Schutzzone keine Gebäude stehen. 

Wie kürzlich durchgeführte Pumpversuche aufzeigen (siehe Kasten), kann die Schutzzone künftig ein bisschen verkleinert werden. «Unsere Absicht ist, das bewohnte Stöckli und auch der Wagenschopf stehen zu lassen», sagt Thomas Ammon, Projektleiter der Wasserverbund Region Bern AG. Beide Gebäude seien in gutem Zustand. Bei angepasster Nutzung gehe von den beiden Bauten keine Gefahr aus für die Wasserfassung. Einzig das Abwasser des Stöcklis, welches bis heute in die Jauchegrube des Bauernhauses fliesst, muss neu in die Ara-Leitung abgeführt werden. 

Das Bauernhaus muss dringend weg

«Das Bauernhaus aber muss zwingend abgebrochen werden», ist für Thomas Ammon klar. Obwohl dieses nicht mehr bewohnt sei und in dessen Stall auch keine Tiere mehr untergebracht seien, berge es eine latente Gefahr für die Wasserfassung. «Wir hatten in der Vergangenheit wiederholt negative Beeinträchtigungen des Grundwassers», gibt Ammon zu bedenken. 

Noch fehlen die Behördenberichte

Wie Roy Bachmann vom Regierungsstatthalteramt Emmental auf Anfrage mitteilt, sind zum publizierten Abbruch des Hauptgebäudes keine Einsprachen eingegangen. Jedoch noch nicht eingetroffen sind fünf der acht erforderlichen Mitberichte der involvierten Amtsstellen. Auch jener der kantonalen Denkmalpflege fehlt noch. Sie hat das Bauernhaus als erhaltenswert eingestuft. «Dieser Konflikt zwischen der Gewässerschutz- und der Denkmalpflegegesetzgebung kann nur im Rahmen einer Interessenabwägung zwischen der Trinkwassernutzung der dem Denkmalschutz geklärt werden», steht in den Gesuchsakten zum Rückbauprojekt. Die Denkmalpflege bestätigt, dass das Gesuch um eine Einstufungsüberprüfung noch in Bearbeitung sei. «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir keine Auskunft dazu geben.» 

«Haussanierung ist ausgeschlossen»

Thomas Ammon geht davon aus, dass die Interessensabwägung zu Gunsten der Trinkwasserversorgung ausfallen wird. «Denn für uns käme eine Sanierung des Hauses nicht in Frage, selbst wenn dieses nicht abgebrochen werden dürfte». Das Gebäude sei in einem sehr schlechten Zustand. Zudem wären die für die Sanierung nötigen Bauarbeiten in der Schutzzone erstens nicht erlaubt, zweitens bestünden durch diese Arbeiten zusätzliche Gefahren einer Grundwasserverschmutzung, erklärt der Projektleiter. Selbst bei einem Abbruch müsse ausserordentlich sorgsam vorgegangen werden. Das kantonale Amt für Wasser werde entsprechende Vorschriften erlassen. Während der Abbrucharbeiten müsse die Wasserfassung zumindest teilweise – ausser Betrieb genommen 

Wichtige Erkenntnisse der Pumpversuche

Vergangenes Jahr hat die Wasserverbund Region Bern AG im Gebiet der Wasserfassung Aeschau Pumpversuche durchgeführt (die «Wochen-Zeitung» berichtete). Laut Projektleiter Thomas Ammon brachte die Auswertung dieser Versuche wertvolle Erkenntnisse. Beispielsweise bestätigten sie, dass die Wasserqualität hervorragend ist und sie zeigten auf, dass dort höhere Mengen Wasser gefasst werden könnten als bisher. «Eine Steigerung der Fördermenge ist aber nicht vorgesehen», sagt Ammon. Ebenfalls habe die wichtige Erkenntnis gewonnen werden können, dass die dortige Grundwasserentnahme keinen Einfluss auf die Niederwassermenge in der Emme habe. «Es bringt also nichts, wenn wir bei Niederwasser des Flusses weniger Grundwasser fördern», verdeutlicht Ammon. 

Zu einem noch nicht definierten Zeitpunkt sollen die acht rund 90-jährigen Kesselbrunnen durch einen Horizontal-Filterbrunnen ersetzt werden. Die Schutzzone kann dann redimensioniert werden. «So werden sich das dort geplante Wasserverbauungsprojekt der Emme und die Grundwasserfassung nicht in die Quere kommen», so Thomas Ammon.

23.01.2020 :: Jakob Hofstetter
Meistgelesene Artikel
Kolumne:

 

Loïc In-Albon – einer der Lichtblicke in finsteren Zeiten der Tigers
SCL Tigers: Auch wenn die SCL Tigers derzeit resultatmässig schlechte Zeiten durchleben, gibt es doch auch...
Saison-Ende für Freimettigen
Eishockey, 2. Liga: Das wars mit dem Wunsch-Ziel: Playoff-Final. Für Freimettigen ist die Saison nach dem...
Kiesgrube Dicki: Gut 60 Prozent  sagen Ja zur Erweiterung
Hasle: Dass der Kiesabbau im Dicki erweitert werden soll, war an der Gemeindeversammlung unbestritten. Zu...
Wenn administrative Umwege zur neuen ARA-Brücke führen
Langnau: Die so genannte ARA-Brücke soll neu gebaut werden und zwar so, dass sie bei Hochwasser rasch...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr