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Die Suche nach der richtigen Dichte
Die Suche nach der richtigen Dichte Langnau:

Nun liegen die Pläne des Architekturwettbewerbs zum Areal Bahnhof-Süd vor. Das Siegerprojekt habe charakteristische Elemente Langnaus einfliessen lassen, lobt die Jury. Im Vergleich zu den anderen Projekten sieht es die geringste Verdichtung vor. 

«Das Areal Bahnhof-Süd kann zu einem dritten Dorfkern von Langnau werden», sagte Gemeinderat Bernhard Gerber an der Eröffnung der Wettbewerbsausstellung. «Ein historischer Kern befindet sich oben bei Kirche und Chüechlihus. Ein zweiter Dorfkern entstand mit der Industriealierung rund um den Bahnhof. Und nun kann Bahnhof-Süd zu einem dritten werden – wenn wir an die Zukunft glauben!» 

Der Zukunft zugewandt haben sich fünf Architekturbüros, die sich dem Wettbewerb annahmen. Grundlage war die 2018 publizierte Arealstudie, in der das 1,5 Hektaren grosse Gebiet in drei Bereiche unterteilt wurde: Im östlichen Teil sind nebst Wohnen auch Nutzungen wie Hotellerie und Detailhandel möglich. Im südlichen Teilgebiet ist im Erdgeschoss eine gewerbliche Nutzung angedacht, Wohnungen in den darüberliegenden Geschossen und eine «Spezialnutzung» im Sagihof. Im nördlichen Teil schliesslich lag der Schwerpunkt laut der Wettbewerbsausschreibung beim Wohnen. Eine Grundvoraussetzung war auch, dass eine «öffentliche Mitte» geschaffen werde. Weil die Pläne als Grundlage für die baurechtlichen Vorschriften (Zone mit Planungpflicht «ZPP Bahnhof-Süd») dienen, wurde das gesamte Areal miteinbezogen. Die angedachte Überbauung wird aber nur auf einem Teil der Fläche ausgeführt (ausgezogene rote Linie im Bild oben). 

Fragen zu Verkehr und Denkmalpflege

Dass die Aufgabe für die fünf eingeladenen Architekturbüros nicht ganz einfach war, zeigt sich am Umstand, dass zwei Fragerunden eingeschaltet werden mussten. Was für Fragen wurden gestellt? «Beispielsweise: ob die umliegenden Gebäude um den Sagi-hof zwingend erhalten werden müssen oder wie der Verkehr auf der Kantonsstrasse angepasst werde», erinnert sich Bernhard Gerber. Für die Kantonsstrasse laufe ein separates Projekt. Voraussichtlich werde die Strasse 2024 und 2025 baulich angepasst. Vorgesehen seien etwa ein multifunktionaler Mittelstreifen sowie ein beidseitiges Trottoir. Die Anpassung der Kantonsstrasse müsse zwingend mit dem Areal Bahnhof-Süd koordiniert werden, unter anderem weil das Gebäude des Sagihofs fast bis auf die Kantonsstrasse reiche. Dass dieser nicht abgebrochen werden darf, wurde bereits in der ersten Studie bestimmt. Dies gilt nicht für die umliegenden Gebäude wie den Holzschopf. 

Die Architekturbüros hatten einen engen Zeitplan zu erfüllen: Die Startsitzung fand am 25. April statt, die Schlusspräsentation war auf den 18. September angesetzt. Dann begann die Arbeit des Beurteilungsgremiums. Dieses stand unter dem Vorsitz des Architekten Angelo Michetti. Weitere Mitglieder waren die beiden Architekten Gianni Chini und Marco Ryter, die Landschaftsarchitektin Marlis David, Gemeinderat Bernhard Gerber sowie Niklaus Bay und Herbert Zaugg von der Bay Projektentwicklung AG. Ihnen standen noch zehn weitere Experten zur Seite; unter anderen Verkehrsplaner, Bauökonomen, Raumplaner oder Denkmalpfleger.   

Zwei wesentliche Differenzen 

In mehreren Runden hat das Gremium die Zahl der Projekte reduziert, bis am Schluss der Sieger bestimmt war: Die Eingabe der Firmen Matti Ragaz Hitz Architekten AG und Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten AG, beide aus Bern. Sie orientierten sich an drei Leitsätzen: «nicht verträglich, sondern bereichernd» – «nicht irgendwie, sondern spezifisch» – «nicht ängstlich, sondern identitätsstiftend». Identitätsstiftend ist die für Langnau typische, regelmässige Anordnung der unterschiedlich hohen Baukörper, was von der Jury ausdrücklich gelobt wurde. Eine zentrale Frage des Wettbewerbs war: Wie stark muss das Areal in Zeiten der inneren Verdichtung überbaut werden? Ein Blick auf die ausgestellten Modelle in der Kupferschmiede zeigt rasch, dass das Siegerprojekt die geringste Dichte und keine sehr massigen Gebäudekomplexe aufweist. «Die Architekten haben die Arealstudie, welche die Grundlage bildete, sehr genau studiert und weiterentwickelt», würdigte Angelo Michetti an der Eröffnung der Ausstellung. Im Vergleich zur Studie weist das Siegerprojekt zwei wesentliche Differenzen aus: Die meisten Gebäude sind rechtwinklig zur Strasse ausgerichtet – wie der Sagihof – und nicht mehr parallel zum Gewerbekanal, welcher mitten durch das Gebiet fliesst. Ausnahmen bilden zwei Gebäude im Ostteil, unter anderem das prägende, neunstöckige Gebäude. «Durch diese Anordnung erhält der Mittelraum eine viel höhere Qualität», hielt Michetti fest. «Die zweite einleuchtende Idee ist, dass das 29 Meter hohe prägende Gebäude zentraler angeordnet ist.» Im Schlussbericht der Jury steht dazu: «Der neungeschossige Solitärbau positioniert sich im Schnittpunkt der Ost-West- und Nord-Süd-Achse und wird durch das nördlich liegende siebengeschossige Gebäude in den Siedlungskörper eingebunden.» Aber auch Kritik ist zu lesen: Im Bereich Ost müsse die Nutzung erhöht werden, auch müsse die Erschliessung und die Anlieferung überarbeitet werden. Aktuell sehen die Pläne die Zufahrt in die Einstellhalle von der Sägestrasse und die Ausfahrt über die Schmiedestrasse vor. Auch Details wie die Bepflanzung wurden berücksichtig. Im Siegerprojekt ist eine Baumart als verbindendes Element vorgesehen; es handelt sich um Gleditsia «Sunburst». Dass es sich dabei um ein in Nordamerika beheimatetes Gehölz handelt, wurde von der Jury kritisiert, wenn auch das auffallend hellgrüne Blattwerk zu gefallen wusste. 

Die weiteren Schritte

Bis auf dem Areal Bäume gepflanzt werden, vergeht noch einige Zeit. Dies ist auch dem Investor Niklaus Bay bewusst. «Veränderungen brauchen Zeit.» Wenn man eine Karte von Langnau aus dem Jahr 1900 ansehe, erkenne man auf den ersten Blick, dass das Dorf noch nicht so ausgesehen habe wie heute, gab Bay zu bedenken. «Die Eingaben, welche 2018 bei der Mitwirkung für die ZPP eingereicht wurden, sind zu 80 Prozent in das nun vorliegende Projekt eingeflossen. Nun haben wir eine sehr gute Grundlage für die weiteren Schritte.»

Bernhard Gerber ergänzte: Die Definitionen zur Zone mit Planungspflicht würden, wo nötig, aktualisiert und dann zur kantonalen Vorprüfung eingereicht. Anschliessend folge die öffentliche Auflage, allfällige Einspracheverhandlungen und dann der Beschluss des Grossen Gemeinderates.

 

Die fünf Projektbeiträge (Modelle und Pläne) können bis am 20. Dezember in der Kupferschmiede besichtigt werden. Die Öffnungszeiten: Werktags von 17.00 bis 19.00 Uhr und am Samstag, 14. Dezember, von 10.00 bis 12.00 Uhr. Am Sonntag, 15. Dezember, ist die Ausstellung geschlossen.

12.12.2019 :: Bruno Zürcher
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