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Die neuen Pläne gefallen, die Schulcontainer weniger
Rüegsau:

Der Gemeinderat hat der Bevölkerung die neuen Pläne für die Sekundarschulanlage präsentiert. Das Interesse war gross und Kritik wurde am Infoanlass nicht geäussert. 

Gegen 200 Personen wollten sich vergangene Woche informieren über das neue Projekt zur Sanierung und -Erweiterung der Sekundarschule in Rüegsauschachen. 

Die Vorgeschichte: Nachdem die Stimmberechtigen den Kredit für das Bauprojekt vor Jahresfrist abgelehnt hatten, wurde eine Gemeindeinitiative eingereicht. Diese verlangt vom Gemeinderat, das abgelehnte Projekt auf Sparpotenzial zu röntgen und dann erneut dem Volk vorzulegen. 

Abgespecktes Projekt abgespeckt 

Gemeindepräsident Andreas Hängärtner dämpfte die Erwartungen, indem er festhielt, dass das ursprüngliche Projekt auch schon abgespeckt worden sei. Immerhin soll aber der Neubau eines Schulhauses samt Turnhalle 1,17 Millionen weniger kosten. Weiter muss die Gemeinde vorerst weniger Geld investieren, weil auf die Sanierung des Klassentraktes vorerst verzichtet werden soll. Die Stimmberechtigten werden im November demnach über einen Kredit von 14,25 Millionen Franken zu befinden haben – 3,6 Millionen weniger als bei der Abstimmung vor einem Jahr. 

Dass die Sekundarschule ein Platzproblem hat, dürfte mittlerweile den meisten Rüegsauerinnen und Rüegsauern aufgefallen sein: Auf zwei Plätzen beim Schulhaus wurden hellgraue Container aufgestellt, wie man sie von Grossbaustellen kennt. «Für die Container zahlen wir pro Jahr gut 230’000 Franken Miete», erklärte Gemeinderat Paul Baumgartner. Dabei handle es sich nur um Container, die vorübergehend benützt werden können. «Wenn dieses Projekt abgelehnt würde, müssten wir als Provisorium hochwertigere Container anschaffen, die unter anderem über eine bessere Wärmedämmung verfügen», hielt Baumgartner fest. «Alleine die Miete der Container würde mehr als 500’000 Franken kosten.» Der Gemeinderat habe auch die Kosten einer allfälligen Sanierung der bestehenden Gebäude schätzen lassen: Gut sechs Millionen Franken müsste die Gemeinde ausgeben. «Und Schulräume haben wir dann immer noch zu wenige», sprach Baumgartner, der im Gemeinderat das Ressort Finanzen betreut und beruflich viel Erfahrung mit Bauprojekten sammeln konnte.   

Teure Photovoltaikanlage rentiert 

Die von den Anwesenden gestellten Fragen betrafen mehrheitlich finanzielle Aspekte: Ein Herr wollte wissen, wie viel bislang die Planung gekostet habe – «1,32 Millionen Franken», lautete die Antwort des Gemeinderats. Ein anderer Bürger verlangte, dass auf den Bau einer Photovoltaik-Anlage verzichtet werden solle, weil diese unrentabel sei. Paul Baumgartner konnte indes aufzeigen, dass die Gemeinde dank dieser Anlage sogar Geld spare: «Weil wir ein Plus-Energie-Haus bauen, das mehr Energie produziert als es verbraucht erhalten wir Zuschüsse. Hinzu kommt, dass wir ohne dieses Label die Aussenisolation vier Zentimeter dicker bauen müssten, was mit entsprechenden Mehrkosten verbunden wäre.» 

«Was ist eigentlich mit all dem Geld passiert, das uns die Nachbargemeinden Jahr für Jahr für die Schulinfrastruktur überwiesen haben?», lautete eine weitere Frage, die in der Aula ein Gemurmel auslöste. «Ich habs nicht», meinte Finanzvorsteher Baumgartner und lachte, um dann gleich wieder ernst zu werden. «Es ist ein Fakt, dass wir pro Jahr um 600’000 Franken von den umliegenden Gemeinden für die Schulinfrastruktur erhalten.» Die Gemeinde habe in den letzten Jahren die restliche Infrastruktur gut unterhalten; Strassen saniert oder Bäche verbaut. «Und das mit der tiefsten Steueranlage des Emmentals», fügte Baumgartner an. 

Am Ende der Diskussion erklärte dann noch ein Votant, dass eine zeitgemässe Schulinfrastruktur auch wichtig sei, um in Zeiten des Lehrermangels genügend qualifiziertes Personal zu finden. «Die jetzige Situation ist schlicht eine Zumutung für die Lehrer wie auch für die Kinder», hielt er fest und erntete Applaus. 

Mogelpackung

Und die Kritiker? Diese meldenden sich in der vollbesetzten Aula nicht zu Wort – aber mittels eines Schreibens an die Presse. Das vom Gemeinderat vorgelegte Projekt sei eine Mogelpackung, weil das Bauvorhaben nicht im selben Umfang (der Klassentrakt soll später saniert werden) dem Stimmvolk vorgelegt werde. Der Kredit von 14,25 Millionen Frank gaukle dem Stimmvolk vor, dass das Projekt wesentlich günstiger sei. 

Während der Gemeinderat aufzeigt, dass das Vorhaben finanziell tragbar sei, sind Peter Dubach, Ernst Marti und Thomas Liechti, welche das Schreiben unterzeichnet haben, der Meinung, dass Rüegsau durch die Baukosten die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im ganzen Kanton aufweisen werde. 

Das Nein-Komitee kritisiert weiter, dass der Gemeinderat keinen Plan B habe. «Die Gemeinde Hasle erstellte in einem Rekordtempo ein Modulschulhaus mit Platz für drei Kindergärten, drei Schulzimmer, einem Malatelier und drei Gruppenräumen.» Dabei hätten die Baukosten nur 3,7 Millionen Franken betragen. Was sagt der Gemeinderat dazu? «Natürlich haben wir einen Modulbau geprüft», sagt Paul Baumgartner. «Wir brauchen aber viel mehr Schulraum als Hasle, zudem löst uns ein Modulbau das Problem der rund 100-jährigen sanierungsbedürftigen Schulräume nicht – und eine Turnhalle brauchen wir auch.» 


19.09.2019 :: Bruno Zürcher
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