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«Die letzte Session bot mehr Spannung als ein Krimi»
«Die letzte Session bot mehr  Spannung als ein Krimi» Rüegsauschachen:

Bald ist Hans Grunder Alt-Nationalrat. Was hat er in Bundesbern erreicht, was nicht? Sicher sei, dass man auch als einzelner etwas bewirken könne, bilanziert er. 

«Bis fast am Schluss meiner letzten Session war ich unter grosser An-
spannung», sagt Hans Grunder. Das Geschäft Agglomerationsprogramm, bei welchem über den Beitrag für das Verkehrsprojekt Burgdorf–Oberburg–
Hasle abgestimmt wurde, beschäftigten die beiden Räte – bis zur Einigungskonferenz. «Bei kaum einem anderen Geschäft habe ich so gekämpft und gelitten wie bei diesem», blickt er zurück. Es war spannender als ein Krimi.» Für Grunder kam es in diesem Krimi zu einem Happy-End, «wenn auch mit einem kleinen Schönheitsfehler», wie er sagt (siehe Beitrag Frontseite rechts).

Steiler Einstieg

Für den Emmentaler BDP-Nationalrat war die Zeit in Bundesbern von Anfang an von Turbulenzen begleitet. Es begann mit der Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher und der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf in dieses Amt. Dass sie und mit ihr die Bündner Kantonalpartei daraufhin aus der Partei ausgeschlossen wurden, wollte der damals frisch gewählte SVP-Nationalrat Grunder nicht hinnehmen. Er gründete zusammen mit andern SVP-Mitgliedern – vor allem Bernern und Bündnern – die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) und wurde deren erster Präsident. In den ersten vier Jahren hat sich die BDP gut entwickelt, dann aber kam sie ins Stocken. 

Weshalb ist die Partei, welche bei den letzten Wahlen einen Wähleranteil von gut vier Prozent aufwies, nicht besser vom Fleck gekommen? Hans Grunder: « Wir sind nicht, wie andere kleine Parteien, von unten her gewachsen. Die Partei wurde vor allem von nationalen und kantonalen Politikerinnen und Politiker getragen, die Arbeit an der Parteibasis haben wir unterschätzt.» Dazu komme, dass die SVP nach der Abspaltung im Stil etwas moderater geworden sei und somit wieder für mehr Leute wählbar geworden sei.  

Entscheidende Wahlen im Oktober

Wie sieht der einstige Gründerpräsindent die Zukunft seiner Partei? «Die Wahlen im Herbst werden darüber entscheiden, ob es die BDP weiterhin geben wird oder nicht», ist Grunder überzeugt. Derzeit besetzt die Partei sieben Nationalratssitze und einen Ständeratssitz. «Sollten wir im Nationalrat die Fraktionsstärke von fünf Mitgliedern nicht mehr schaffen, wird es sehr schwierig.» Auch im Kanton Bern. Diesem steht ein Sitz weniger zur Verfügung als noch bei den letzten Wahlen und ausgerechnet jetzt tritt Grunder zurück. Damit scheint er der Partei keinen Gefallen zu tun. Doch diese hat ihn vergeblich gebeten, sich noch einmal zur Verfügung zu stellen. Erstens habe er sich seit jeher gegen das Sesselklebertum ausgesprochen. Für sich selber eine Ausnahme zu machen, wäre inkonsequent, findet er. Zweitens: «Würde ich nochmals antreten, würde das Problem lediglich hinausgezögert», sagt der 63-Jährige. Es gebe zu viele Mitte-Parteien; sie würden sich verzetteln. Seine Idee wäre eine engere Zusammenarbeit mit anderen Mitte-Parteien gewesen, insbesondere ein Zusammengehen mit der GLP. Doch damit konnte er sich parteiintern nicht durchsetzen. Ob dies zu einem späteren Zeitpunkt zustandekommt? Grunder zeigt sich skeptisch: «Ich bin nicht sicher, ob die BDP dann noch als eine attraktive Braut angesehen  würde.»

Was brachte die Parteigründung? 

Auch wenn Hans Grunder seiner Partei keine rosige Zukunft prognostiziert, ist er überzeugt, dass deren Gründung vor elf Jahren richtig war. «Es gab damals aus unserer Sicht keine andere Lösung», sagt er nach längerem Überlegen. Die SVP sei damals als grosse Wahlsiegerin abgehoben. Ihr Benehmen – auch gegenüber Minderheiten in der eigenen Partei - – hätten die zukünftigen BDP-Politikerinnen und -Politiker nicht mehr hinnehmen können. 

Rückblickend sei die Neugründung auch bezüglich der politischen Inhalte nötig gewesen. Insbesondere in der Europa- und in der Umweltpolitik sind die SVP und die BDP heute unterschiedlich positioniert. Unter anderem setzten sich Hans Grunder und seine Partei für den Atomausstieg ein. «Ohne die BDP wäre dieser Beschluss nicht zustande gekommen», nennt er ein Beispiel. Dass das Parlament den Atomausstieg beschlossen habe, wertet er als seinen grössten Erfolg in Bundesbern. 

Politische Gegner sind nicht Feinde

Apropos Erfolge: Nicht immer stand der Emmentaler Nationalrat auf der Gewinnerseite. «Dass das CO2-Gesetz versenkt wurde, tut mir weh und ich kann dies nicht nachvollziehen.» Niederlagen gehörten zum Politalltag, relativiert er. Dennoch: «Es wird immer wieder gesagt, im Bundeshaus könne man als einzelner nichts erreichen. Das ist einfach nicht wahr», wehrt er sich gegen solche Behauptungen. «Nicht mit Klamauk, aber mit Beziehungen und Netzwerken über die Parteigrenzen hinaus», lautet sein Rezept. Wichtig sei, dass man auch Andersdenkenden mit Respekt und Anstand begegne und dass man auch ihre Standpunkte ernst nehme. Er pflege gute Beziehungen zu Ratsmitgliedern aller Parteien – übrigens auch zu vielen aus der SVP, schiebt er nach. 

Nicht Landwirt, aber fast

Trotz seiner mehrheitlich guten Erfahrungen im Bundeshaus falle es ihm nicht schwer, sich vom Polit-Alltag zu verabschieden. Er freue sich nun, mehr Zeit für die Familie und für die Pferde zu haben, was in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen sei. «Als Junge wollte ich ursprünglich Landwirt werden. In unseren Pferdestallungen kann ich diesen Traum nun ein Stück weit ausleben.»



Ingenieur, Politiker und Pferdezüchter

Hans Grunder, 1956, ist in einer Bauernfamilie in Zollbrück aufgewachsen. Während der Mittagsnachrichten mussten wir Kinder jeweils still sein. Anschliessend wurde über das Gehörte diskutiert. «Somit wurde ich schon früh politisiert», erinnert er sich. Die grosse Begeisterung stellte sich ein, als er im 10. Schuljahr einen Vortrag über Bundesrat Rudolf Minger hielt. «Mich faszinierte, wie dieser Mann seinen Weg beharrlich ging». 

Nach der Lehre als Vermessungszeichner und dem Studium zum Ingenieur Geometer gründete er ein Einmann-Unternehmen, welches zur Grunder Ingenieure AG mit 140 Mitarbeitenden heranwuchs.  Vor zwei Jahren verkaufte er das Unternehmen.

1999 wurde Hans Grunder in den Grossen Rat gewählt, seit 2007 sitzt er im Nationalrat. 

 Hans Grunder ist verheiratet mit Sandra Bauen Grunder und Vater fünf erwachsener Kinder. Pferde halten die Grunders seit über 30 Jahren, anfänglich im kleinen Rahmen. Inzwischen ist daraus ein Familienbetrieb mit  Zucht-, Sport-und Ausbildungsstall sowie Hengststation geworden. Rund 60 Pferde bevölkern die Stallungen und Weiden in der Schlossmatt in
Rüegsauschachen.

«Ab nächster Woche – Hans Grunders letzte Session in Bern endet morgen Freitag – will der Pferdeliebhaber wieder vermehrt  selber in den Stallungen Hand anlegen.

 

26.09.2019 :: Jakob Hofstetter
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