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Der Spass und nicht der Rang stand bei dieser Ralley im Vordergrund
Der Spass und nicht der Rang stand bei dieser Ralley im Vordergrund Langnau:

Einmal Nordkap und zurück: Beat Fankhauser und Thomas Wettstein wagten das Abenteuer und nahmen mit einem alten Volvo an der nördlichsten Ralley Europas teil.

Während 16 Tagen waren Beat Fankhauser und Thomas Wettstein mit ihrem 24-jährigen Volvo 850 Kombi unterwegs. Ihr Ziel: von Hamburg über Skandinavien zum Polarkreis ans Nordkap und via Russland, die baltischen Staaten und Polen zurück nach Hamburg. The Baltic Sea Circle ist die nördlichste Ralley Europas und die Teilnehmer müssen die 7500 Kilometer lange Strecke ohne moderne Hilfsgeräte wie Navis oder GPS absolvieren; auch das Benützen von Autobahnen ist nicht erlaubt. «Die Fahrzeuge, die zum Start zugelassen sind, müssen mindestens 20 Jahre alt sein, dabei spielt es keine Rolle, ob das Vans, Autos oder Motorräder sind», erklärt Beat Fankhauser. Jedes Team erhält beim Start ein Roadbook ausgehändigt, welches Aufgaben enthält, die unterwegs gelöst werden können. Damit sammeln die Teams Punkte, welche dann zur Rangliste zählen.

Abenteuer, statt Porsche

Was hat Beat Fankhauser, Inhaber der Schreinerei Fankhauser + Schmutz, Langnau, motiviert, an diesem Abenteuer teilzunehmen? «Das war meine Midlife-Crisis! Ich und meine Kollegen haben immer gewitzelt, dass wir uns mit 50 Jahren einen Porsche kaufen zur Krisenbewältigung», erzählt Beat Fankhauser und lacht. Nun hätten sie sich aber für ein Abenteuer mit einem alten Auto entschieden. Ein weiterer überzeugender Faktor, der für die Ralley sprach, war die Tatsache, dass er und sein Teamkollege Thomas Wettstein damit einen guten Zweck unterstützen konnten. «Jedes Team war aufgefordert, im Vorfeld Spendengelder für ausgewählte Charity-Projekte zu sammeln. Wir haben uns für die Stiftung Theodora entschieden, die mit ausgebildeten ‹Traumdoktoren› Kinder während längeren Spitalaufenthalten besucht und ihnen ein Lachen schenkt.» Insgesamt seien rund 2000 Franken zusammengekommen. 

Grundsätzlich sei es ihnen nicht darum gegangen, diese Ralley zu gewinnen. «Der Spass stand für uns immer im Vordergrund. Wir sind nie unter Zeitdruck gefahren», sagt Beat Fankhauser. Gewonnen haben sie tatsächlich nicht, und da nur die ersten drei Ränge bekannt gegeben wurden, wissen die beiden nicht, welchen sie selber innehaben. 

Panne in der Rushhour

Der Startschuss für die 272 Teams fiel Mitte Juni in Hamburg. Das Team aus dem Emmental kam gerade mal 15 Kilometer weit: Mitten in der Rushhour, auf der Höhe einer Baustelle, liess der Volvo seine Besitzer im Stich. «Nichts ging mehr, der Zündverteiler war kaputt. Die Reparatur dauerte über das ganze Wochenende und für uns war klar, dass wir die vorgegebene Route abkürzen mussten», berichtet Beat Fankhauser. Anstatt die Lofoten-Inseln in Norwegen anzusteuern, wählte das Team die Route über Schweden und Finnland nach Norden. Trotzdem konnten sie die eine oder andere Aufgabe aus dem Roadbook erüllen. In Südschweden wartete eine der Aufgaben auf die Ralley-Fahrer: Es galt, auf einem Autofriedhof den einstigen Tourbus von Abba zu finden und davon ein Selfie zu machen. 

Zeit für Sehenswürdigkeiten fehlte

Würde Beat Fankhauser wieder am Baltic Sea Circle teilnehmen? «Sag niemals nie. Aber im Moment würde ich eher davon absehen», hält der Langnauer fest. Der Austausch mit den anderen Ralleyteams sei durchaus freundschaftlich und unkomliziert gewesen. Infolge des verspäteten Starts in Hamburg seien sie bedauerlicherweise meistens alleine gefahren. Es habe schon Gelegenheiten gegeben, um sich auszutauschen, bei einem Bier tiefgründige Gespräche zu führen oder mit den Erlebnissen anzugeben. Er hätte es aber geschätzt, wenn die Teilnehmenden der Ralley mehr gemeinsam unterwegs gewesen wären. 

Beat Fankhauser könnte sich allerdings vorstellen, diese Route ein andermal und mit mehr Zeit für sich zu machen. «Ich fand es schade, dass wegen der Zeitlimite oft kaum Gelegenheit war, sich die Umgebung und Städte anzuschauen.» Gerade Russland sei mit seiner unterschiedlichen Landschaft interessant, die Weiten spektakulär. Eine Möglichkeit wäre auch, die Reise für den Winter zu planen, um die Nordlichter zu erleben – natürlich mit seinem alten Volvo als treuen Begleiter.

08.08.2019 :: Veruschka Jonutis
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