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Der Plan für die Räumung
Der Plan für die Räumung Räbloch: Die Räumung des Räblochs verzögert sich. Nun ist klar, dass im Herbst die Vorarbeiten erledigt werden sollen und erst kommenden Frühling geräumt wird.

Nicht nur im Räbloch, der Engstelle der Emme, türmt sich viel Material, sondern auch zu Hause bei Hans Wittwer – wenn auch in papierner Form. Die Protokolle, Pläne und Gutachten füllen mehrere Ordner. «Eigentlich ist der administrative Aufwand schon fast absurd, wenn man bedenkt, dass wir das Räbloch einfach räumen und nicht etwa aufweiten wollen», meint der Präsident der Schwellenkorporation Eggiwil, während er die Wassserbaubewilligung durchblättert: 72 Seiten plus 36 Seiten Anhänge – ein richtiges Buch. Dass sie an der Engstelle keine Veränderungen vornehmen werden, war der Leitung der Schwellenkorporation rasch klar: Zum einen zählt das Räbloch als Naturdenkmal von nationaler Bedeutung. Die Chancen, eine Bewilligung für eine Aufweitung zu erhalten, tendieren gegen null. «Zum andern hat dieser Engpass den Ort Eggiwil und die weiter unten liegenden Dörfer vor manchem Hochwasser bewahrt», hält Hans Wittwer fest. Die Schlucht der Emme funktioniert nach heftigen Niederschlägen wie ein Rückhaltebecken. Dass sich dabei Holz verkeilt, ist nicht neu. Probleme gibt es erst, wenn die Verklausung so stark ist, dass zu wenig Wasser abfliesst und sich dieses bis in das Gebiete oberhalb der Schlucht, in der Gemeinde Schangnau, staut. Dies ist seit dem Sommer 2014 mehrfach geschehen, als sich in Schangnau ein heftiges Unwetter ereignet hat und die Emme viel Material – unter anderem die Büetschlibrücke – mitgerissen hat. 

Arbeiten in zwei Etappen 

Er habe jeweils schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl, wenn es viel regne, meint Wittwer. Trotz umfangreicher Abklärungen wisse niemand genau, wie viel Wasser bei der jetzigen Situation durchströmen könne. Gefährlich ist aber auch die Verklausung an sich. Zwar ist anzunehmen, dass sich das Material – man geht von mehr als 2000 Kubikmetern aus – derart stark verkeilt hat, dass es sich nicht von der Stelle bewegt. Würde sich aber unter dem Druck eines Hochwassers schlagartig viel Material lösen, könnte dies eine Flutwelle auslösen, von der nicht nur Eggiwil betroffen wäre, sondern auch Gebiete in den Gemeinden Signau und Lauperswil. «Daher hätten wir gerne diesen Frühling die Räumung angepackt», sagt der Präsident der Schwellenkorporation. Es sei aber absehbar gewesen, dass nicht rechtzeitig alle nötigen Unterlagen zusammengetragen werden können, damit der Regierungsrat die Gelder für das Projekt freigeben kann. Und vorher kann nicht gebaut werden. 

Bei der detaillierten Planung wurde den Beteiligten klar, dass nicht alle Arbeiten in einer Saison zu bewerkstelligen sind. «Wir haben nun entschieden, dass im Herbst die Forstseilbahn aufgebaut werden soll», erklärt der Präsident der Schwellenkorporation. Mit der rund ein Kilometer langen Seilbahn, welche in Längsrichtung über die Schlucht führen wird, können zum einen Bäume, welche für die Seilbahn entfernt werden müssen. Zum andern wird die Anlage später auch für die Montage des Schienenkrans eingesetzt und um das Material von der Schlucht unten hinauf zum Heimwesen Jodershubel zu hieven. Von dort wird es mit Lastwagen abgeführt. 

Naturschutz versus Personenschutz

«Mit der eigentlichen Räumung wird erst im Frühling 2020 begonnen», blickt Hans Wittwer voraus. Das bedeutet auch, dass die Seilbahn über den Winter bestehen bleibt, was zu Mehrkosten führt. Gemäss der aktuellen Kostenschätzung geht man von 1,2 Millionen Franken aus, wobei Bund und Kanton den Grossteil übernehmen. Die Restkosten teilen sich die Schwellenkorporationen Eggiwil, Schangnau, Signau und Lauperswil. Die Kosten in die Höhe getrieben haben auch zig Gutachten, welche die Schwellenkorporation einholen musste. Nicht weniger als elf kantonale oder eidgenössische Amtstellen mussten ihren Segen geben. Weiter hat die Schwellenkorporation Umweltverbände zu Begehungen eingeladen, damit deren Anliegen in die Planung einfliessen konnten und Einsprachen vermieden werden können. Mit Erfolg: Die Wasserbaubewilligung liegt vor. «Die Räumung des Räblochs ist einzigartig; deshalb brauchte es viele Gespräche», erinnert sich Wittwer. «Oft hatten wir das Problem, dass sich die Arbeitssicherheit nicht mit dem Naturschutz vereinbar war.» Ein Beispiel: Oberhalb und unterhalb der Verklausung werden Menschen arbeiten, welche das Abgetragene Material mit Baggern vorsortieren und vorbereiten für den Abtransport mit der Seilbahn. «Um die Sicherheit der Personen gewährleisten zu können, müssen Steinschutznetze montiert werden. Dies wiederum bedingt, dass der Felsen zuvor geputzt werden kann, was natürlich die dortige Fauna beeinträchtigt.» 

Eine separate Sitzung sei beispielsweise auch nötig gewesen, um zu klären, ob gewisse Teile der Anlage für eine spätere, erneute Räumung in der Schlucht verbleiben sollen. «Unmittelbar über dem Material aus Holz, Geröll und allerlei Abfall werden in der Schlucht querliegende Eisenträger montiert. An denen werden dann in Längsrichtung die Schienen für den Kran angeschraubt, mit dem das Material gelöst werden soll», erläutert Hans Wittwer. «Nun haben wir uns darauf geeinigt, dass nach der Räumung alles entfernt wird bis auf die Ankerschrauben, an denen die Querträger befestigt werden.» Die Anker werden 1 bis 1,50 Meter in die Nagelfluh getrieben und ragen nur wenig hervor. 

Nach der Räumung ist vor der Räumung 

Die Frage stellt sich: Wie nachhaltig ist die Räumung des Räblochs? «Es wäre auf den ersten Blick sicher sinnvoll, eingangs der Schlucht einen grossen Schwemmholzrechen zu erstellen», erklärt Wittwer. Letztlich war das aber nicht möglich. Im Projektbeschrieb steht dazu: «Nach der Abwägung der wichtigsten Faktoren Risikominderung, Finanzierbarkeit, Landschaftsschutz, Naturschutz und Bewilligungsfähigkeit (...) wurde die Variante 1 (Räumung Räbloch ohne Schwemmholzrückhalt und ohne Profilerweiterung) als Bestvariante ausgewählt.»

«Der Schwemmholzrechen hätte ein riesiges Bauwerk bedingt. Von bis zu sieben Millionen Franken war die Rede», fügt der Präsident der Schwellenkorporation an. Damit nicht wieder viel Holz in der Emme landet und den Engpass verstopft, wird entlang der Seitengräben, deren Wasser in die Emme gelangt, vermehrt Holz geschlagen werden. Hans Wittwer erklärt, dass es sich dabei aber um separate Projekte handle, welche vom Amt für Wald geleitet würden. «Und dann hoffen wir, dass wir für einige Zeit Ruhe haben in Sachen Räbloch», meint Hans Wittwer.

23.05.2019 :: Bruno Zürcher
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