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Der Luchs kommt zu Besuch
Der Luchs kommt zu Besuch

Still und heimlich erobert der Luchs neue Gebiete – auch im Emmental und Entlebuch.  Weil er sich vor allem von Rehen und Gämsen ernährt, fällt er kaum negativ auf. 

Anfang Jahr überquerte am helllichten Tag ein Luchs die Strasse in der Oberei- zwischen Sumiswald und Wasen und wurde dabei fotografiert. Dies löste bei vielen Leuten die Erkenntnis aus, dass diese Raubkatze nun auch im Emmental heimisch geworden sei. «Wir nehmen das zum Anlass, um einem interessierten Publikum dieses Tier näher zu bringen», begründete Kathrin Bieri, Vorstandsmitglied von Pro Natura Oberemmental, den Zeitpunkt des Vortrages. Etwa 35 Naturinteressierte, Waldbesitzer und Jäger lauschten letzten Donnerstag den mit Fotos untermauerten Ausführungen von Andreas Ryser, Zoologe bei Kora (siehe Kasten). Ryser befasst sich seit 20 Jahren mit dem Fang, der Auswilderung und der Überwachung von Luchsen in der Schweiz.

Der Luchs ist weiterhin im Vormarsch

Die massiven Abholzungen im 17. und 18. Jahrhundert trugen wesentlich dazu bei, dass viele Lebensräume verloren gingen. «Zusammen mit der Wilderei hat das zum Aussterben von Steinbock, Rotwild, Rehwild und dem Luchs geführt», betonte Andreas Ryser. Er ergänzte, dass erst das strenge Waldgesetz von 1876, verbunden mit grossflächigen Aufforstungen, zu einer Trendwende geführt habe. Anfang der 1970er-Jahre seien dann ungefähr 15 Luchsmännchen und 13 Weibchen ausgesetzt worden. 

Laut  Ryser beträgt der heutige Luchsbestand in der Schweiz gut 170 Tiere, Tendenz steigend. «Es gibt aber immer wieder Verluste. Die Tiere verunfallen im Gelände, sie fallen dem Verkehr oder auch der Wilderei zum Opfer», meinte er. Aus dem Vortragspublikum wurden spontan Luchsbeobachtungen in Röthenbach, Schangnau, Eggiwil und Trub gemeldet. Es handelt sich dabei wohl um jüngere Tiere, die ein neues Revier suchen müssen. Mit Sendern ausgerüstete Luchse und ein Monitoring mit Fotofallen haben gezeigt: Die Luchse sind viel unterwegs und leben einzelgängerisch in permanenten Territorien. Männchen beanspruchen durchschnittlich ein Gebiet von 170 Quadratkilometern, die Weibchen ihrereseits rund 100 Quadratkilometer.

Nutztiere werden geschont

«Der Luchs hat keine Mühe mit Menschen. Er lebt zurückgezogen im Wald und ist nachtaktiv», erläuterte Andreas Ryser die Tatsache, dass Menschen selten einem Luchs begegnen würden. Seine -Forschungen hätten ergeben, dass Luchse pro Woche durchschnittlich ein Beutetier fressen würden. Dabei handelt es sich meistens um Rehe oder Gämsen. Der Luchs würde dem Tier jeweils auflauern, es plötzlich anspringen und dann mit einem gezielten Biss in die Kehle sofort töten. In den nächsten vier bis sieben Tage würde er es verspeisen. Laut Statistik des kantonalen Jagdinspektorates wurden im Kanton Bern von 2010 bis 2016 jährlich nur etwa zehn Nutztiere – meist Schafe – vom Luchs gerissen. «Der Wolf dagegen verfolgt flüchtende Beutetiere instinktiv. Sein Jagdtrieb kann sich beim Zusammentreffen mit einer ungeschützten Nutztierherde besonders fatal auswirken», erklärte der erfahrene Raubtierforscher das unterschiedliche Jagdverhalten von Luchs und Wolf.


 

Forschung und Überwachung

«Kora» ist eine Stiftung mit Geschäftsstelle in Muri. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt und anderen Organisationen erforschen die 15 Mitarbeitenden die Lebensweise von Luchs, Wolf und Bär in der Schweiz. Sie überwachen die Entwicklung ihrer Populationen. Kora beobachtet die Wirkung der Raubtiere in der modernen Kulturlandschaft und erarbeitet Grundlagen für ein konfliktarmes Zusammenleben der grossen Raubtiere mit den Menschen.

30.11.2017 :: Walter Marti
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