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Der langjährige Präsident geht – mit 36
Der langjährige Präsident geht – mit 36 Konolfingen:

Daniel Hodel verabschiedet sich von der Gemeindepolitik, die er in Konolfingen während neun Jahren mitgeprägt hat. Er habe viele Erfahrungen sammeln können, meint er. 

Wenn Gemeindepräsidenten nach fast zehnjähriger Tätigkeit in einer Gemeindeexekutive zurücktreten, tun sie dies meist im vorgerückten Alter. Daniel Hodel (SVP) ist 36 Jahre alt – oder jung. Er hatte bereits früher erklärt, dass er die maximale Dauer von 20 Jahren nie und nimmer ausreizen werde. «Mein Rücktritt als Gemeindepräsident erfolgt aus beruflichen Gründen», sagt Daniel Hodel, fügt aber an, dass auch ohne berufliche Änderung eine erneute Kandidatur bei den Wahlen 2021 für das Gemeindepräsidium alles andere als sicher gewesen wäre. Der ausgebildete Maschineningenieur arbeitet seit rund drei Jahren bei der Stiftung Lebensart in Bärau. Seit 1. Juni 2019 gehört er der Geschäftsleitung an und führt die Sparte Produktion und Beschäftigung. 

Es sind die letzten Arbeiten, die Daniel Hodel in seinem kleinen Büro im Gemeindehaus von Konolfingen erledigt. «Die Übergabe haben wir bereits gemacht», sagt Hodel. «Es geht nun noch darum, ein paar administrative Dinge abzuschliessen und aufzuräumen.» Ab 1. August wird Heinz Suter Gemeindepräsident von Konolfingen sein. Weil Suter bereits Vizepräsident der Gemeinde war und bislang das Finanzressort betreute, sei er bestens im Bild über die anstehenden Geschäfte, hält Hodel fest. 

 

Daniel Hodel, ein Geschäft, das Sie nun nicht mehr abschliessen können, ist die Schullandschaft Konolfingen. Stört Sie das? 

Es wäre schön gewesen, wenn ich das Projekt bis zur Umsetzungsphase hätte begleiten können. Aber es kann auch beim Baubewilligungsverfahren noch Verzögerungen geben. Beim Fahrplan, per Schuljahrbeginn 2021 die Bauarbeiten abschliessen zu können – das haben wir immer betont – gingen wir vom Idealfall aus. 

Nun muss das Verwaltungsgericht entscheiden, ob das knappe Abstimmungsergebnis korrekt zustande gekommen ist. Würden Sie das Geschäft noch einmal gleich vorlegen?

Ich würde auf eine Variantenabstimmung verzichten; das hat viele Stimmberechtigte verunsichert. Dem entsprechend mussten viele Stimmzettel für ungültig erklärt werden, weil sie nicht korrekt ausgefüllt worden waren. Es wäre einfacher gewesen, nur die favorisierte Variante des Gemeinderats, die Konzentration auf einen Standort, zur Abstimmung zu bringen.

 

Die Vorlage stiess auch sonst auf -Widerstand, besonders in Gysenstein, wo die Schule in einem Jahr
geschlossen wird.

Wie bei anderen Standorten, machte es auch in Gysenstein einfach keinen Sinn, die Schule aufrechtzuerhalten. Ich komme ja selber aus Gysenstein und schon ich habe den Kindergarten in Konolfingen besucht und die Unterstufe dann in Gysenstein. So ein Modell ist sehr aufwändig für die gesamte Schule, hinzu kommt, dass die Klassengrössen in Gysenstein stets am unteren Limit waren, während in Konolfingen eher grössere Klassen gebildet werden müssen; das war und ist auch nicht zielführend. 

 

Wurden Sie angefeindet, weil aus-
gerechnet Sie als Gysensteiner zum
Totengräber der Schule werden? 

Es wurde glücklicherweise nur selten auf Personen geschossen. Es ging um die Sache. Daher belastete mich die Debatte um die Schullandschaft persönlich nur wenig. Bei solchen Geschäften ist es wichtig, die Emotionen aus dem Spiel zu lassen – es ging schlicht darum, herauszufinden, was aus schulischer Sicht für die ganze Gemeinde am meisten Sinn macht. 

Sie haben sich auch mit zig anderen Fragen beschäftigen müssen. Kann man als junger Politiker eher etwas bewegen denn als «gesetzter Herr». 

Das spielt wohl keine Rolle. Es ist aber sicher gut, wenn sich auch jüngere Personen in der Politik engagieren. In Konolfingen haben wir nun mit Simon Buri ein Gemeinderatsmitglied, das noch wesentlich jünger ist als ich. 

 

Reizt Sie die kantonale oder
nationale Politik nicht?

Ich bin für die Exekutive gemacht. In einem Parlament wären mir die konkreten Projekte zu weit weg. Ambitionen für den Grossen Rat hege ich derzeit nicht.  

 

Oft klagen insbesondere Gemeindepolitiker, der Handlungsspielraum sei klein. 

Das stimmt nicht. Beispielsweise das neue Feuerwehrmagazin zeigt, dass man einiges erreichen kann. Mich hat eher gestört, dass die kantonalen Ämter immer wieder Auflagen machten – nicht immer berechtigte. Ich habe bei der einen oder anderen Besprechung gefragt, auf welcher gesetzlichen Grundlage diese und jene Stellungnahme fusse und erhielt etwa zur Antwort, dass es sich um die übliche Praxis des Amtes handle. 

 

Anfragen von Bürgerinnen und
Bürgern, Geschäfte im Gemeinderat, Verhandlungen mit kantonalen
Ämtern – wie viel Zeit wendeten
Sie für die Gemeinde auf? 

Es ist ein Halbamt, wobei ich Empfänge und Veranstaltungen, zu denen ich eingeladen wurde, meistens nicht mitgezählt habe. Alle Gemeinderäte hatten 2015 im Hinblick auf die Überarbeitung der Gemeindeordnung ihre Arbeitszeit erfasst. Das Pensum umfasste im Schnitt so viel wie eine 20-Prozent-Stelle.  

 

Ist auch der zeitliche Aufwand ein Grund, warum es schwierig ist, Leute für den Gemeinderat zu finden. 

Das kann schon ein Faktor sein. Meine Amtsvorgänger waren fast alle selbständigerwerbend und konnten sich selber so organisieren, dass sie genügend Zeit für die Gemeinde aufbringen konnten. Auch mein Nachfolger, Heinz Suter, macht das so. Ich selber hatte das Glück, flexible Arbeitgeber zu haben. 

 

Nun konzentrieren Sie sich auf
den Beruf. 

Wobei die Stiftung Lebensart durchaus Parallelen zu einer Gemeinde hat. Bei beiden steht der Mensch und das grosse Ganze im Mittelpunkt. Ich kann auch viel von der Gemeindepolitik profitieren. 

 

Werden Sie der Gemeindepolitik in irgendeiner Form erhalten bleiben? 

An den Gemeindeversammlungen werde ich sicher anzutreffen sein; aber ich werde mich hüten, mich einzumischen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder irgendein Amt übernehmen werde. 

 

 

25.07.2019 :: Bruno Zürcher
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