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Der Innenraum erstrahlt in neuem Glanz
Der Innenraum erstrahlt in neuem Glanz Siglen:

Die Wandmalereien in der Kirche erhielten eine Schönheitskur. Ein Frauenteam nahm sich ihrer an, nun erstrahlen die Psalme und Fresken wieder in voller Pracht.

Als lokalen Schatz bezeichnet Nicole Jenni die spätgotische Kirche Biglen aus dem Jahr 1521, die auf der Anhöhe über das Dorf wacht. Die Restauratorin absolvierte den Bachelor of Arts für Konservierung und Restaurierung an der Hochschule für Künste in Bern und fühlt sich beruflich mehr als angekommen. «Ich habe zuvor Schrift- und Reklamegestalterin gelernt, aber ich hatte das Gefühl, dass mir das nicht reicht», verrät die 33-Jährige. Die Liebe zu Brockenstuben, Antiquitäten und Musik aus den 1930er- bis 1970er-Jahren gab nicht zuletzt den Antrieb, sich in die Dienste der Restaurierung von historischen Schätzen zu stellen und das Studium zu absolvieren. Seither arbeitet sie für die Fischer und Partner AG aus Bern.

Malereien per Zufall entdeckt

Die grosszügigen Malereien in der Kirche von Biglen stammen aus dem Jahr 1535. Wer dieses Gotteshaus allerdings so filigran ausstaffiert hatte, ist unbekannt. «Es war damals nicht üblich, Auftragsarbeiten zu signieren», erklärt die Spezialistin. Der Beruf des Dokorationsmalers war bereits im Spätmittelalter verankert. Diese erhielten Aufträge, die sie zu absolvieren hatten, ohne selbst Ruhm und Ehre zu ernten. 

Erst 1967 wurden die Malereien bei Restaurierungsarbeiten unter Putz entdeckt. Der Zufall wollte es, dass damals der Seniorchef Hans A. Fischer sie freilegte. Verloren gegangene Freskenteile wurden grosszügig ersetzt, wie es damals üblich war. Die Dekoration um die Fenster gefallen Nicole Jenni besonders: «Es sieht fast aus wie Spitze», schwärmt sie. Doch sie gibt auch zu bedenken, dass ein Restaurator grundsätzlich nicht bewertet, was er vor sich hat, sondern bewahren soll. 

Gestiftet von reichen Bürgern

Bei jedem Objekt muss entschieden werden, welches Mittel den optimalen Erfolg erzielt. In der Kirche Biglen kommen besonders Salmiakgeist, Bio-Reinigungsmittel und Schwämme zum Einsatz. Insgesamt hinterlässt der reich verzierte sakrale Innenraum einen frischen Eindruck. Pflanzliche Farben auf Kalkbasis stehen nun für altertümliche Töne wie Beinschwarz oder Steinmehl. Durch die Reinigung kamen Retouchen aus den 1960er-Jahren zum Vorschein, die nachgearbeitet werden mussten. Die vielen Psalme und Inschriften bieten eine Menge Lesestoff. Sie wurden im 16. Jahrhundert teilweise von betuchten Bürgern gestiftet. 

Nicole Jenni und ihre Kolleginnen Christine Gerber (Restauratorin HFG) und Yvonne Aegerter (Praktikantin) haben ihre Arbeiten in Biglen nach sechs Wochen beenden. «Ich gehe später oft an Orte, an denen ich mal gearbeitet habe. Gerne zeige ich auch meiner Familie die Restaurierungen, mit denen ich betraut war», erzählt Nicole Jenni. Dass sie die Kirche Biglen bald besuchen wird, steht für sie schon fest.

Dringende Arbeiten vor dem Jubiläum

Ueli Rothenbühler, Präsident des Kirchgemeinderats Biglen, ist glücklich über die Restaurierungsmassnahmen. Der Zahn der Zeit habe schon arg am Innenraum der Kirche genagt. Laut den Spezialistinnen sei es höchste Zeit gewesen, diese Arbeiten durchzuführen. Die Feuchtigkeit habe Algenbildung und Vergrauung nach sich gezogen, so dass die Malereien bald in Gefahr geraten wären, so der Kirchgemeindepräsident. 100’000 Franken kosten Gerüstbau, Reinigung und Retouchen, die von der Kirchgemeinde getragen werden. «Wir hoffen, dass die Denkmalpflege einen Teil übernehmen wird», so Rothenbühler. Schon bald feiert die Kirche den 500. Geburtstag. «So haben wir zum Jubiläum eine Kirche im neuen Glanz!», freut sich der Präsident.

08.08.2019 :: Christina Burghagen
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