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Das Emmentaler Schwarzwaldmädel
Das Emmentaler Schwarzwaldmädel Moosegg: Mit einer Comedy-Operette wollen sich die Freilichtspiele Moosegg auch dieses Jahr in die Herzen ihres Publikums singen. Gestern war Premiere mit Schwarzwaldmädel.

«Das Herz einer Frau ist wie eine Wurst. Man weiss nie, was drin ist», philosophiert Domkapellmeister Luzius (Erwin Hurni). Er liebt das Dienstmädchen Barbara (Bärbel Doniat), diese liebt Klaus (Manuel König), der eben noch Regine (Flurina Ruoss) verehrte. Die Männer verschleissende Regine schmachtet Torsten (Arndt Krüger) an. Wirtin Trudis (Anita Mani-Luginbühl) Spruch zu den amourösen Dreieckssprüngen lautet: «Da hesch ke Stich!» Es ist Damenwahl am traditionellen Cäcilienfest. 

Tanzschritte und Faushiebe

Was mit Tanzschritten anfängt, setzt sich mit Fausthieben bei der Massenschlägerei fort. Zwei glückliche Pärchen und ein einsamer Luzius bleiben als Happy-End einer turbulenten Operette, die mit modernen Elementen aufgerüscht wurde. 

Unter der Regie von Simon Burkhalter wurde das Stück von Leon Jessel in der Fassung von Domenico Blass kurzerhand ins Emmental verlegt, ohne auf Schwarzwälder Bollenhüte und Hits des Komponisten zu verzichten. Statt Malwine ist hier Regine wie eine Biene oder Mine. Klaus und Torsten «sind auf der Walz». Manchen wird «Die Weiberleut sind eine Brut – aber gut...» angesichts des Frauenstreiks Mitte Juni etwas im Ohr klingeln. Und statt «Mädel aus dem schwarzen Walde» singt die Moosegg «Mädel aus dem Emmental sind nicht leicht zu haben.» 

Musikalische Einbussen müssen nicht befürchtet werden. Doch es ist ratsam, die Ohren zu spitzen, um möglichst viele Gags mitzubekommen. Die prasseln nämlich nieder wie sommerlicher Hagel. Da klingen deutsche Discounter, Schuh- oder Klamotten-Online-Anbieter an, die Leon Jessel sicherlich nicht kannte, ebenso wenig wie «Schön ist es auf der Welt zu sein...» Den brillanten Chor (Choreographie Nora Bichsel) steckt Renate Tschabold (Kostüme) mal in blaue Arbeitslatzhosen, dann in Trachten mit roten Puscheln oder silbernem Geweih auf dem Kopf. Bühnenbildner Fredi Stettler sparte nicht mit Kunstrasen. 

Starker Gesang und viel Ausstrahlung

Das ganze Ensemble unter der musikalischen Leitung von Bruno Leuschner liefert gewaltig ab: Leticia Kahraman als Sophie jodelt am Schluss auf Augenhöhe mit Melanie Oesch. Flurina Ruoss nimmt mit starkem Sopran und lasziver Ausstrahlung gefangen. Die Tenöre Arndt Krüger und Manuel König überzeugen durch Gesang und Schauspiel. Bei Bärbel Doniats «Erklingen zum Tanze die Geigen» kann es einem wohlig den Rücken runterlaufen. Zum Steine erweichen setzt Erwin Hurni seinen Bariton ein. Die Comedy-Einlagen liefert Anita Mani-Luginbühl, «Ich bin die Ursula Andres von Lützelflüh», und Martin Schurr als Blickensdorfer mit Züri-
Schnure, Moonwalk und saukomischer Ausstrahlung. 

Komponist Leon Jessel wurde von den Nazis ermordet, doch sein Schwarzwaldmädel macht ihn unsterblich – auch auf der Moosegg.

 

Spieldaten: 21., 22., 23., 26., 28. und 29. Juni. Ersatzdaten: 20., 24., 25., 27. und 30. Juni, jeweils 20.15 Uhr, sonntags 15 Uhr. 

 

20.06.2019 :: Christina Burghagen
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