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Chancenlos gegen «Friedrich ufs Ysch»
Chancenlos gegen «Friedrich ufs Ysch» Cup:

Die SCL Tigers bestreiten am Mittwoch nächster Woche in Rapperswil den zweiten Cuphalbfinal ihrer Klubgeschichte. Den ersten verloren sie 1961 -zuhause gegen Villars mit 0:6.

In dieser Saison erkämpften sich die SCL Tigers die Chance auf die erste Cupfinalteilnahme mit Siegen gegen Basel (6:0) und die beiden NLA-Klubs ZSC Lions (5:3) und Servette (5:4). Im Halbfinal treffen sie nun auswärts auf Rapperswil, das vergangene Saison als NLB-Meister und Aufsteiger überraschend den Schweizer Cup gewann. Vor 57 Jahren führte der Weg der Emmentaler in den Halbfinal gegen Villars über die beiden 2.-Liga-Klubs Yverdon (10:0) und Le Locle (19:3) sowie die Neuenburger Young Sprinters (6:3), neben Ambri der populärste Klub der Schweizer Eishockeygeschichte, der nie Meister wurde. Im Halbfinal am 6. Dezember 1961 auf der damals noch offenen Kunsteisbahn Langnau war jedoch Endstation – 0:6 gegen den alles überragenden NLB-Klub und späteren Aufsteiger Villars. «Wir spielten eigentlich gar nicht so schlecht wie man aufgrund des Resultates annehmen könnte», erinnert sich der heute 81-jährige SCL-Verteidiger Otto Wittwer. «Aber wir hatten nicht die geringste Chance. Die Waadtländer waren uns lauf- und stocktechnisch und spielerisch klar überlegen.» Captain von Villars war der legendäre Elwin Friedrich («Friedrich ufs Ysch»), welcher für die Langnauer ein gutes Wort übrig hatte: «Wir waren frischer als die Gastgeber, die offensichtlich noch den Grosskampf vom Sonntag in der Meisterschaft gegen den Zürcher SC verspürten», wird er im «Emmenthaler-Blatt» vom 7. Dezember 1961 zitiert. 

 

308 Franken Wochenlohn für McNeil

Die Saison 1961/62 war für die Langnauer die erste in der höchsten Liga. Erstmals wurden sie von einem Kanadier trainiert, von Bob McNeil. Sein Lohn betrug 308 Franken pro Woche sowie Kost und Logis (Trinken ausgenommen) in einem guten Langnauer Hotel. Dazu erhielt er ein Schifffahrts- und Bahnbillet von Inglewood (Ontario/Ka) ins Emmental. Zur gleichen Zeit setzte Villars zu einem im Schweizer Eishockey selten gesehenen Höhenflug an. Die Waadtländer stiegen in einem Zug und mit 63 Spielen ohne Niederlage von der 1. Liga (1960/61) über die NLB (1961/62) in die NLA auf und wurden 1963 und 1964 auch gleich Schweizer-Meister. Sie waren eine sogenannte «Retortenmannschaft» und zumindest Halbprofis, die mehrheitlich in irgendwelchen Funktionen bei der Kunsteisbahn angestellt waren und so genügend Zeit zum Training erhielten. Die Langnauer hingegen waren reine Amateure, die alle einem Beruf nachgingen. Zudem waren sie polysportiv. «Auch wenn wir erst in der Nacht auf Sonntag aus Ambri oder Davos nach Hause kamen, spielten einige von uns am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr schon wieder Fussbal mit dem FC Langnau in der 2. Liga», erzählt Otto Wittwer.

 

Die legendäre Madame Potin

Der kurzlebige Eishockeyboom des HC Villars wurde von Madame Janine Potin finanziert, die mit ihrer Familie jeweils in Villars die Ferien verbrachte. 1955 schenkte die Pariserin dem Ort eine neue Kunsteisbahn, 1960 begann Gaston Pelletier mit dem Aufbau der späteren Meistermannschaft, die grösstenteils aus der ganzen NLA zusammengekauft wurde. «Mittelstürmer Roger Chappot von Servette beispielsweise war ein überdurchschnittlich starker Läufer und Stocktechniker. Verteidiger Elwin Friedrich von ACBB Paris der grosse Spielmacher und Gérald Rigolet von Lugano ein Torhüter der Extraklasse», nennt SCL-Ehrenmitglied Otto Wittwer die drei grossen Spielerpersönlichkeiten von Villars. Er ist noch heute stolz darauf, dass er mit diesen 1963 in Stockholm (WM) und ein Jahr danach in Innsbruck (Olympische Spiele) als erster Langnauer mit der Schweizer Nationalmannschaft an den beiden bedeutendsten internationalen Titelkämpfen teilnehmen durfte. Das Glück von Villars war nur von kurzer Dauer. Als Madame Potin ihr Portemonnaie schloss, ging es mit den Waadtländern nach nur sechs NLA-Saisons wieder abwärts bis in die 1. Liga. Die Langnauer hingegen stehen aktuell bei 44 Meisterschaften in der höchsten Liga. 

13.12.2018 :: Werner Haller
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