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Brille oder Sport

Das Alter hat so seine Tücken und auch wenn ich im Sektor von nicht mehr jung, aber auch nicht alt anzusiedeln bin, kämpfe ich mit einem Teil dieser kleinen Tücken, wie zum Beispiel der Altersweitsichtigkeit. Im Fachjargon heisst es Presbyopie, kommt aus dem Griechischen und wird mit «altes Auge» übersetzt.
Charmant! 

Da nutzt kein Sport. Es ist, wie es ist. Irgendwann sind die Arme zu kurz. Wer dann mit der Brille hadert, der kennt auch die lästigen Seiten der Brille. Sie steht einem nicht, sie zwickt hinter dem Ohr oder das Nasenvelo klemmt eben auf der Nase. Alles Kopfsache? Vielleicht! Es trägt dazu bei, sie nicht mitzunehmen, schon gar nicht zum Einkaufen. Obst und Gemüse sowie alle anderen Dinge erkenne ich ja so. Lesen ist da überflüssig und blind bin ich ja nicht. Dachte ich zumindest und musste erfahren, ich bin es eben doch. Oder vielleicht sollte ich erklären, ich bin blind, wenn ich schnell, schnell meine Besorgungen mache. Da geht es im Trab durch den Laden, die Einkaufsliste im Kopf, wird der Weg in gewohnter Manier absolviert. Oh, wie schön Avocados sind im Sonderangebot, da nehme ich die ausser der Reihe mit und oh, die frischen Ravioli aus der Kühlung sind ebenfalls Aktion, nichts wie hinein mit ihnen in mein Körbchen und kurz vor der Kasse stehen meine Lieblings-
cracker – noch ein Schnäppchen, das lohnt sich heute richtig. 

An der Kasse bleibt mir Zeit für Überlegungen. Habe ich alles? Ist nichts vergessen gegangen? Nein, das Gedächtnis funktioniert und Extras aus der Action gab es auch. Da freue ich mich. Beim Bezahlen fällt mir nichts auf, aber die Kontrolle meines Kassenbons besagt, die Preisreduktionen sind vergessen gegangen. Ich mache die Kassiererin darauf aufmerksam, halte den ganzen Verkehr auf, nur um zu hören, dass ich den Fehler begangen habe. Bei den Avocados gilt die
Aktion erst beim Kauf von zwei Stück, die -Nudeln und Cracker sind erst ab Morgen in der Aktion, aber schon mal aufgebaut. Es sei angeschrieben. Natürlich gebe ich nichts zurück, wegen der paar Rappen, aber ich gehe nochmals durch den Laden und lese die Schilder genauer. Richtig gebückt und hingeschaut sehe ich die kleinen Hinweise dann auch. 

Ich ärgere mich über meine Eitelkeit, denn mit Brille wäre es nicht passiert oder eben mit einer Kniebeuge hätte ich es lesen können. Aber clever ist das schon von den Konzernen. Wenn an einem Tag, 100’000 Menschen mit Weitsicht genau wie ich wegen
50 Rappen keinen Aufstand machen, wäre das eine oder andere Fitnessabo schon bezahlt. 


16.05.2019 :: Martina Jud
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