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Auftragsvergabe im Asylbereich: Heilsarmee reicht Beschwerde ein
Auftragsvergabe im Asylbereich: Heilsarmee reicht Beschwerde ein Emmental: Der Kanton Bern hat die Aufträge im Flüchtlingswesen neu vergeben. Nicht mehr berücksichtigt wird die Heilsarmee, die auch im Emmental arbeitet. Dagegen wehrt sie sich.

Das kantonale Sozialamt hat in einer öffentlichen Ausschreibung Partner in fünf Regionen gesucht, welche ab Mitte 2020 die Aufgaben im Asyl- und Flüchtlingsbereich übernehmen. Dies, weil der Kanton die Strukturen anpasst (siehe Kasten). Ende April teilte das Sozialamt mit, welche Partner den Zuschlag erhalten haben. Nicht mehr berücksichtigt wurde unter anderen die Heilsarmee Flüchtlingshilfe, welche auch im Emmental Kollektivunterkünfte für Asylsuchende betreibt. Dagegen erhebt sie Beschwerde, wie die Heilsarmee am Montag mitteilte. Es gehe darum, den Entscheid, der für die Organisation wie auch für die Mitarbeitenden weitreichende Konsequenzen habe, vollständig zu analysieren. Denselben Weg beschreitet die Caritas. Sie verlangt, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ob noch weitere Organisationen vom Beschwerderecht Gebrauch machen, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Enttäuscht

«Natürlich sind wir enttäuscht, keinen Auftrag erhalten zu haben, arbeiten wir doch schon seit über 35 Jahren im Asylbereich und sind seit Jahren verlässlicher Partner des Kantons», sagt Daniel Röthlisberger, Direktor Sozialwerke der Stiftung Heilsarmee Schweiz. So hätten sie in den Jahren  2015/16, als sehr viele Menschen in der Schweiz um Asyl nachgesucht hatten, dafür gesorgt, dass niemand auf der Strasse stehe. «Dass dieser Einsatz nun nicht belohnt wird, tut weh», sagt Röthlisberger. Schmerzhaft dürfte der Entscheid des Kantons auch für die Mitarbeitenden der Heilsarmee Flüchtlingshilfe werden. Bis zu 170 Personen müssten mit einer Kündigung rechnen. «Wir werden alles daran setzen, unsere Mitarbeitenden an die Nachfolgeorganisationen zu vermitteln», betont der Direktor Sozialwerke. Im Emmental-Oberaargau ist dies die ORS Service AG. «Sollte sich am Entscheid des Kantons nichts mehr ändern, werden wir sicher Hand bieten für einen reibungslosen Übergang. Das Wohl der Asylsuchenden steht für uns klar im Vordergrund», hält Daniel Röthlisberger fest. 

Erfreut

Erfreut über den Entscheid des Kantons ist die ORS Service AG. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich ist auch in Deutschland, Österreich und Italien tätig. «Wir stellen die professionelle Betreuung geflüchteter Menschen von der Unterbringung bis zur Integration sicher», teilt Mediensprecher Lutz Hahn auf Anfrage mit. Das wirtschaftlich ausgewogene Gesamtangebot habe den Kanton Bern offenbar überzeugt. ORS beschäftigt in der Schweiz rund 800 Angestellte und arbeitet gewinnorientiert. Ob die beiden Kollektivunterkünfte in Hasle und Konolfingen weiterbetrieben werden, kann der Mediensprecher noch nicht sagen. Dies hänge auch von der Entwicklung der Asylzahlen ab. Grundsätzlich wollten sie von den Erfahrungen und dem Know-how der Mitarbeitenden anderer Organisationen profitieren. Die Übernahme von Personal werde je nach Konstellation geprüft.  

Transparent

Über die Gründe, weshalb die Heilsarmee den Zuschlag nicht erhalten hat, will sich Inge Hubacher, Vorsteherin des kantonalen Sozialamtes, nicht äussern. Sie hätten Kriterien festgelegt und diese gewichtet. «Beides war transparent, alle Bewerber hatten also dieselbe Ausgangslage.» Es seien jene Anbieter berücksichtigt worden, die in Bezug auf Preis und Qualität das beste Angebot eingereicht hätten. Nebst dem Preis sei auch das Konzept zur Arbeitsintegration und zur Sprachförderung, die regionale Vernetzung und die Erfahrung in die Bewertung eingeflossen, führt Inge Hubacher aus. 

Insgesamt haben sich sieben Anbieter um die Aufträge in den fünf Regionen beworben. Den Zuschlag erhalten haben die Stadt Bern (hier betreibt die Heilsarmee in deren Auftrag die Kollektivunterkünfte) und Asyl Berner Oberland (beide bisher) sowie das Schweizerische Rote Kreuz und die ORS Service AG (beide neu).

 

Die Integration erhält mehr Gewicht

Der Bund gestaltet den Asylbereich neu und will die Verfahren beschleunigen. Künftig sollen den Kantonen nur noch Personen zugewiesen werden, welche eine hohe Chance haben, in der Schweiz bleiben zu dürfen. Der bernische Regierungsrat beschloss deshalb, den Asyl- und Flüchtlingsbereich neu zu organisieren. Ein besonderes Gewicht erhält dabei die möglichst rasche Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Neu werden fünf regionale Partner mit der operativen Gesamtverantwortung für die Integration, die Unterbringung, die Betreuung sowie die Sozialhilfe beauftragt. 

Weiter wechselt die Zuständigkeit für den Asylsozialbereich von der Polizei- und Militärdirektion (POM) zur Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Die POM wird weiterhin für den Vollzug von Wegweisungen verantwortlich sein. Der Grosse Rat wird über diese Neustrukturierung in der Sommersession beraten.

 

09.05.2019 :: Silvia Wullschläger
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