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Aufschlussreiches Nachschlagewerk über die Entlebucher Musik
Aufschlussreiches Nachschlagewerk über die Entlebucher Musik Schüpfheim:

Hermann Bieri hat den Grundstein für das Musikarchiv im Entlebucherhaus in Schüpfheim gelegt. Er hat Entdeckungen gemacht, von denen er sich nie hätte träumen lassen.

Der heute 88-jährige Herrmann Bieri ist in Escholzmatt aufgewachsen und hat sich immer für Musik interessiert. Als Knabe lernte er Klavier spielen, als Gymnasiast im Kloster Einsiedeln das Orgelspiel. Nach der Matura studierte er Latein und Geschichte in Zürich und erlangte den Doktortitel. Später unterrichtete er an der Kantonsschule Schüpfheim. 

Neben Beruf und Familie versah er auch ein Amt in der Exekutive der Luzerner Synode und engagierte sich für den Ausbau der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. «Als Musikliebhaber besuche ich regelmässig Konzerte, nicht nur im KKL in Luzern, sondern auch in Langnau», berichtet er. Seit über vierzig Jahren besitzt Hermann Bieri mit seiner Frau ein Abonnement der Langnauer Kammermusikabende. Zudem engagierte er sich mehrere Jahre im Stiftungsrat der Stiftung Hans Ulrich Schwaar in Langnau.  

Ein Dokumentationszentrum 

Als man im Entlebuch unter dem Motto «Impulse 2000» nach neuen Ideen suchte, lancierte Hermann Bieri die Idee eines Musikarchivs. Er war sich bewusst, dass die Musiktradition seiner Region reicher und bedeutender war als anderswo. Kompositionen, Tonträger, Musiker-Biografien, Fotodokumentationen, Vereinsgeschichten wollte er sammeln. Es gelang ihm, andere Mitstreiter für die Idee zu gewinnen. Das verhalf dem Projekt zum Durchbruch. Mit einem Teil des gesprochenen Geldes kaufte man eine Occasion Compactus Anlage, die in einer Kammer im Entlebucher Haus Platz fand, wo sie den ganzen Raum ausfüllt. Hermann Bieri dreht den Schlüssel im Schloss zum Archiv und meint augenzwinkernd: «Dieser Schlüssel führt nicht in den Himmel, dafür ist vieles zu unvollständig.» Der Archivar schiebt die Schränke auseinander. Viele mannshohe Regale kommen zum Vorschein, von denen die meisten noch halbleer sind. 

Bekannte Musikerpersönlichkeiten 

Ein Regal ist den Komponistinnen und Musikern gewidmet. «Franz Stadelmann, Reto Stadelmann, Markus Zemp, Thomas Unternährer», lesen wir. Auch Frauennamen wie Evi Güdel-Tanner befinden sich darunter.
Je nach Materialfülle sind die Musikerpersönlichkeiten unterschiedlich breit dokumentiert. Während von Markus Zemp viele Programme aus seiner 25-jährigen Konzerttätigkeit mit der Entlebucher Kantorei vorhanden sind, belegen an die 300 Notenblätter die rege Kompositions-tätigkeit von Franz Stadelmannn. Gleich mehrere Schachteln sind dem Komponisten, Dirigenten und Pianisten Fritz Brun (1878–1959) gewidmet, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewirkt hat. «Dieser Mann war eine grosse Entdeckung für mich», erklärt Bieri, «ich wusste nicht, dass dieser Musiker, der neun Sinfonien geschrieben hat und mit Othmar Schoeck und Hermann Hesse verkehrte, aus Escholzmatt stammte.»

Alte Entlebucher Tanzmusik 

Eine zweite Überraschung erlebte Bieri, als er herausfand, dass die weit herum bekannten Entlebucher Tanzmusiker zu den ersten gehörten, die ihre Stücke auf Tonträger aufnahmen. Unzählige Schellack Schallplatten mit Tanzmusik und Jodelliedern zeugen vom Entlebucher Pioniergeist. Der Archivar wusste nicht, dass ein ehemaliger Entlebucher sie alle sammelte. Bieri zeigt auf den Schrank, wo an die 150 Schallplatten stehen. «Alte Entlebucher Tanzmusik von 1890 bis 1965», erklärt er, «Serge Schmid aus Langnau hat sie alle zusammengetragen, digitalisiert und dem Archiv zur Verfügung gestellt.» 

Ein Mammutprojekt  

Da die meisten Vereine nicht auf seinen Aufruf reagierten, beschloss Hermann Bieri, den Entlebucher Anzeiger (1879 bis heute) und den «Entlebucher» (1891–1960) nach Musikeintragungen zu durchforsten. Er sammelte Inserate, HV-Berichte, Konzertkritiken, Nachrufe aus allen Sparten der Musik, von der Volks-musik, Tanzkapellen über die Blasorchester bis zu den Chören und Orchestern. Die Einträge legte er chronologisch ab und erstellte davon ein Register. Auf diese Weise ist ein riesiges Nachschlagewerk entstanden, das die Musiktätigkeiten der verschiedenen Vereine von 1867 bis heute widerspiegelt und in der Compactus Anlage eine ganze Wand einnimmt.

Mit einem zufriedenen Lächeln schliesst Hermann Bieri das Archiv. Dass es ihm gelungen ist, die Musikalität der Entlebucher ansatzweise zu dokumentieren, erfüllt ihn mit Genugtuung. 

 

Das Musikarchiv im Entlebucherhaus in Schüpfheim ist nicht öffentlich zugänglich. Kontakt: Hermann Bieri, Telefon 041 486 16 79.



11.04.2019 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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