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Auf dass es wieder «glöggelet»
Auf dass es wieder «glöggelet» Geburtshelferkröte:

 

Der «Glögglifrosch» gehört zu den stark gefährdeten Tierarten. Ein Projekt von Pro Natura Bern will die Bestände nördlich der Zulg fördern und die Lebensräume verbinden.


Die Geburtshelferkröte hat, wie andere Amphibienarten auch, unter der Entwässerung der Landschaft (Flusskorrektionen, Drainagen) zu leiden. Die Lebensräume von Tieren, die auf stehendes Wasser angewiesen sind, gingen gemäss Pro Natura Bern in den letzten Jahrzehnten drastisch zurück. «Einzelne Amphibienarten sind regional ausgestorben.» Damit dies nicht auch mit der Geburtshelferkröte geschieht, lancierte die Naturschutzorganisation 2010 im Emmental und später auch im Oberaargau ein Förderprojekt (siehe Kasten rechts). Nun startet ein ähnliches Vorhaben nördlich der Zulg, wo die Geburtshelferkröte noch vereinzelt vorkommt. Populationen seien in der Region Heimberg–Steffisburg–Unterlangenegg sowie Linden–Jassbach–Oberdiessbach festgestellt worden, sagt Christian Imesch vom Atelier für Naturschutz und Umweltfragen, der das Projekt im Auftrag von Pro Natura Bern leitet. Erstes Ziel sei nun, die Bestände dort zu stützen und zu fördern. Diese seien ziemlich isoliert und dadurch keineswegs gesichert.

Zuerst mit den Nachbarn vernetzen

Bekannt sind gemäss Christian Imesch zehn Standorte mit je zehn bis 20 Geburtshelferkröten. «Solange die Bestände nicht grösser sind, bleiben die Tiere am selben Ort.» Erst wenn die Populationen wachse und der Druck zunehme, würden sie weiterwandern. Deshalb sei es wichtig, zuerst den Lebensraum an den bekannten Standorten aufzuwerten, betont Christian Imesch. Auf diese Weise könne erreicht werden, dass sich die benachbarten Bestände vernetzten. Das dauert seine Zeit, der Zoologe rechnet mit fünf bis zehn Jahren. Erschwerend kommt hinzu, dass der «Glögglifrosch» kein Freund langer Wanderungen ist. 500 Meter bis einen Kilometer sind das höchste der Gefühle. «Zuerst muss der Austausch im Kleinen stattfinden, bevor sich die Populationen in einem grösseren Raum, von Steffisburg bis Linden, vermischen», erklärt Christian Imesch. Dafür brauche es aber grosse Anstrengungen. 

Auch Feuerweiher sind geeignet

Um die Verbreitung der Geburtshelferkröte zu fördern, muss ihr Lebensraum aufgewertet werden. Die Tiere halten sich bevorzugt an nach Süden ausgerichteten Hängen oder Böschungen mit lockerem Boden auf. Geeignet sind auch besonnte, fugenreiche Mauern, Terrassen, Treppen, Steinhaufen, Steinplatten oder Holzstapel. Unweit davon braucht der «Glögglifrosch» ein Gewässer, um die Eier abzulegen. Gross muss der Tümpel oder Weiher nicht sein, dafür aber unbedingt fischfrei. Gut geeignet seien auch Feuerweiher, führt der Projektleiter aus. Ein Ein- und Ausstieg mit Brettern und daran anschliessend eine Steinmauer könne schon ausreichen. Aus diesem Grund wird Christian Imesch mit Feuerwehrverantwortlichen Kontakt aufnehmen. Aber auch Landbesitzer sollen sich angesprochen fühlen, insbesondere Landwirte. «Kann ein Projekt auf Landwirtschaftsland realisiert werden, läuft die Finanzierung über den Kanton und den Renaturierungsfonds. Der Landwirt erhält Biodiversitätsbeiträge.» Privatpersonen dagegen müssten für die Kosten selber aufkommen. 

Christian Imesch selber hat auch ein Projekt am Laufen. Auf seinem Grundstück im Gridenbühl in Linden will er mit Hilfe der Gemeinde und finanzieller Unterstützung von Kanton, Renaturierungsfonds des -Kantons Bern und dem Ökofonds der Energie Thun AG den heute eingedolten Hämlismattgraben auf 60 Metern öffnen und revitalisieren. Die Baubewilligung liege vor, -realisiert werde das Ganze in einem Jahr. «Wichtig ist, dass Lebensräume dort geschaffen werden, wo die Bedingungen ideal und somit erfolgsversprechend sind.» Christian Imesch berät deshalb Interessenten gleich vor Ort. 

Ein spezieller Ruf und fürsorgliche Väter

Die Geburtshelferkröte lebt versteckt und ist nur selten zu beobachten. Ihr Ruf jedoch erregt Aufmerksamkeit, tönt es doch wie feines Glockengeläut, wenn mehrere Tiere rufen. Daher kommt die Mundartbezeichnung «Glögglifrosch». Die bräunlich-graue Kröte ist 3,5 bis fünf Zentimeter gross. Sie ist der einzige einheimische Froschlurch, der sich an Land paart, die Eier nicht ins Wasser ablegt und Brutpflege betreibt. Nach der
Paarung wickelt sich das Männchen die Laichschnüre um die Fersengelenke; bis zu drei Gelegen, kann es aufnehmen. Danach hält es sich in seinem unterirdischen, feuchtwarmen Versteck auf. Nach 20 bis 45 Tagen begibt sich das Männchen mit den reifen Eiern an ein Gewässer. Bereits einige Minuten nach dem Wasserkontakt beginnen die Larven zu schlüpfen. Je nach Schlüpfzeitpunkt, Nahrungsangebot und Temperatur verwandeln sich die Kaulquappen noch im gleichen Herbst zu landlebenden Tieren oder überwintern als Larven im Gewässer. Solche Larven können bis neun Zentimeter lang werden. Damit sind sie die grössten Kaulquappen der einheimischen Amphibienarten.

 

Quelle: Koordinationsstelle für Amphibien- und
Reptilienschutz in der Schweiz (Karch)


Das Emmental ist ein Verbreitungsschwerpunkt

Zusammen mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) hat Pro Natura Bern 2007 ein Förderprojekt für Geburtshelferkröten im Emmental gestartet. Dieses Gebiet ist ein schweizweiter Verbreitungsschwerpunkt, der in den letzten Jahrzehnten aber deutliche Bestandesrückgänge zu verzeichnen hatte. Ziel war, durch Neuanlage und Aufwertung von Gewässern und Landlebensräumen die Bestände zu stützen und den Rückgang zu stoppen. 2014 startete ein Nachfolgeprojekt mit gleicher Zielsetzung, das auf den Oberaargau ausgedehnt wurde. 

Im Rahmen des seit 2014 laufenden Projektes wurden bisher an 27 Standorten neue Gewässer geschaffen sowie 17 Weiher saniert, an mehreren Standorten kombiniert mit der Aufwertung von Landlebensräumen. Daneben erfolgten zahlreiche Beratungen von Grundeigentümern, Bewirtschaftern und Gemeinden. 

Pro Natura Oberemmental plante parallel Aufwertungen in der Gemeinde Langnau, um die Vorkommen der Geburtshelferkröte in einem eher dünn besiedelten Gebiet zu stützen. Von 2012 bis 2015 wurden 13 Weiher neu erstellt oder saniert, welche die die Lebensraumsituation für die bedrohte Art verbessern. 


28.03.2019 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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