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Auf dass die Zither erklinge
Auf dass die Zither erklinge Trachselwald: Lorenz Mühlemann hat sich der Zither verschrieben. Seit vierzig Jahren erforscht er das Instrument und holt vieles, was vergessen war, wieder ans Licht. Dieses Jahr wird seine Institution 20-jährig.

Einen schöneren Ort hätte sich Lorenz Mühlemann nicht aussuchen können. Das Zither-Kulturzentrum befindet sich mitten im malerischen Dorf Trachselwald gegenüber der barocken Kirche. Eine wunderbare Stille herrscht. 

Wer die alten Gemäuer des ehemaligen Grundbuchamts betritt, bekommt eine Vielzahl an Zitherinstrumenten zu Gesicht. Dokumentiert wird die Geschichte des Instruments von den Anfängen vor 500 Jahren bis zur Gegenwart. Der Akkordzither und ihren Verwandten ist ein ganzer Saal gewidmet. Sie war ein typisches Hausmusikinstrument. «Bevor das Radio erfunden wurde, vertrieb man sich so die trüben Stunden», erklärt Lorenz Mühlemann. «Die Akkordzither, eine Brettzither, die aus einem mit Saiten bespannten Kasten besteht, war billig und dank Notenkarten, die man unter die Saiten legte, relativ leicht zu spielen. Sie wurde in grossen Serien in der Fabrik hergestellt und war um 1900 nicht nur im Emmental, sondern in der ganzen Schweiz sehr verbreitet.»

Die Emmentaler Hanottere 

Eine kleinere Gruppe bilden die Halszithern. In der Ausstellung sind Instrumente aus dem Emmental, Entlebuch, Toggenburg und Kriens zu sehen. Der Zitherspezialist zeigt auf zwei Exemplare, die er aus dem Archiv hervorgeholt hat: «Die Emmentaler Hanottere oder Halszither ist, wie es der Name sagt, aus einem Resonanzkasten und einem Hals zusammengesetzt. Beide Instrumente wurden im Emmental gebaut, die dunkel lackierte mit Hundeköpfchen wie die helle ohne Dekor, und zwar von Peter Zaugg, einem bekannten Zitherbauer, der zuerst in Signau und später in Röthenbach gelebt hat», führt Lorenz Mühlemann aus. «Die Hanottere war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Volksmusikinstrument im Emmental. Sie diente zur Liedbegleitung und zur Tanzmusik.» 

«Die damaligen Instrumentenbauer bauten die Instrumente möglichst leicht, damit sie gut klangen. Sie wussten jedoch nicht, wie die Decke zu stabilisieren, damit sie dem Druck der Saiten Stand hielt. Mit der Zeit verzog sich der Oberteil, wölbte sich gegen unten und machte das Instrument unspielbar. Die Halszither hatte eine Lebensdauer von nur ungefähr 20 Jahren. Diese hier», der Leiter des Zither-Kulturzentrums zeigt auf die dunkel lackierte Hanottere, «habe ich sorgfältig restauriert, spielen jedoch kann ich sie nicht mehr.» Wenn Lorenz Mühlemann heute auf einer Hanottere spielt, handelt es sich um ein neues Instrument, das er mit einem Gitarrenbauatelier entwickelt hat.  

Aus dem Simmental

«Viele der Instrumente werden an mich herangetragen», erklärt der Fachmann auf die Frage, wie er zu der Sammlung gekommen sei. «Die helle Halszither besitze ich erst seit einem halben Jahr. Nach einem Konzert, das ich im Oberland gegeben hatte, kam ein Mann zu mir und sagte, dass er ein Instrument habe, das ähnlich aussehe, aber aus Russland stamme. Als er das Instrument auf meine Bitte holte, erkannte ich, dass es keine Balalaika war, sondern eine Emmentaler Hanottere. Zu Hause entzifferte ich die in Kurrentschrift geschriebene Signatur im Innern der Zither und fand heraus, dass es sich um ein Instrument von Peter Zaugg handelte, gebaut 1845. Als ich dem Besitzer meine Entdeckung mitteilte, erklärte dieser, er habe inzwischen auch etwas herausgefunden: Seine Urgrossmutter habe aus Grünenmatt gestammt und hätte wohl das Instrument ins Simmental gebracht.» 

Lebenswerk

Lorenz Mühlemann kann sich gut an den Moment erinnern, als er als Seminarist zum ersten Mal eine Zither hörte und sah. Damals wurde in ihm eine Saite angeschlagen, die seitdem nie mehr zu schwingen aufgehört hat. 1999 eröffnete er in Konolfingen in der Nähe des Bahnhofs das Schweizer Zither-Kulturzentrum. 2003 folgte der Umzug nach Trachselwald. Mit CD-Einspielungen, Notenverlag, Kursen, Ausstellungen, Konzerten und Publikationen macht der Zitherspezialist auf das Instrument aufmerksam. 2014 brachte er im Auftrag des Bundes ein Standartwerk über die Zither heraus. Wie sieht die Zukunft aus? fragen wir zum Schluss. «Als Forscher, Komponist, Restaurator, Sammler ist man nie fertig», antwortet Mühlemann und denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Das Programm zum Jubiläum

Zum 20-Jahr-Jubiläum des Schweizer Zither-Kulturzentrums hat Lorenz Mühlemann ein halbes Dutzend Künstler eingeladen. Klaus Schranner (Aquarell) und Menel Rachdi (Gemälde) haben Ansichten von Trachselwald gemalt. Im Gewölbekeller sind Werke von Johanna Wüthrich (Gemälde), Fritz Hofstetter
(Recycling-Objekte) und Silvan Altermatt (Gemälde) ausgestellt. Lui Husistein zeigt auf dem Gelände Eisenplastiken, im Museum ist der Buchantiquar Jürg Mäder mit einem Stand präsent. Bis Ende Juni ist das Museum jeweils am Mittwoch- und Sonntagnachmittag von 14 Uhr bis 19 Uhr für Besucherinnen und Besucher geöffnet. 

Weiter veranstaltet Lorenz Mühlemann drei kommentierte Jubiläumskonzerte: 

Am 19. Mai stellt er mit David Joss («Ungerwäx») verschiedene Zitherinstrumente vor (inklusive CD-Taufe). 

Am 9. Juni tritt er mit dem gefragten Solisten Johannes Popp auf der Konzertzither auf. 

Am 23. Juni spielt Lorenz Mühlemann mit Thomas Keller die Hanottere (inklusive CD-Taufe). 

Alle Konzerte finden in der Kirche Trachselwald statt und beginnen jeweils um 16.30 Uhr. Weitere Infos: www.zither.ch

16.05.2019 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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