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Arbeitsplätze schaffen und das Leben erleichtern – dank alter Velos
Arbeitsplätze schaffen und das Leben erleichtern – dank alter Velos Langnau:

Mit ausrangierten Velos verhilft die Organisation Velafrica Menschen zu neuen Perspektiven. Ein Teil der Velos wird in Langnau von der Stiftung Intact repariert. 



«Am Anfang habe ich oft daran gedacht, dass diese Velos jetzt alle nach Afrika kommen», erzählt Marco Müller, während er den Sattel eines Velos abmontiert, «mittlerweile aber eigentlich nicht mehr. Es ist normal geworden.» Seit Ende Mai arbeitet er im Bereich Recycling der Stiftung Intact in Langnau und macht alte Velos wieder funktionsfähig. Jetzt hat er gerade ein «gutes» Velo erwischt aus der Reihe, die noch geprüft, allenfalls repariert und dann versandbereit gemacht werden müssen. Er testet Schaltung, Bremsen, Lenker und Sattel. «Bei dem hier funktioniert alles, das kann ich jetzt gleich für den Transport auseinanderschrauben», erklärt Marco Müller. Die Velos werden nicht als Ganzes nach Afrika transportiert, sondern als platzsparendes Paket, welches die Velomechaniker am Zielort wieder zusammenbauen können. In der Werkstatt hängt ein Musterbeispiel, wie ein Velo am Schluss aussehen sollte, damit es in einem Container verschifft werden kann. 

Schon über 1000 Velos repariert

In der Recycling-Werkstatt der Stiftung Intact werden das ganze Jahr über Velos für Projekte von Velafrica (siehe Kasten) repariert. Wöchentlich werden alte oder kaputte Velos angeliefert. Diese kommen überwiegend aus der Stadt Bern und Umgebung, wo auch die Organisation Velafrica zuhause ist. «Von Januar bis Ende Oktober dieses Jahres wurden schon 1052 Velos hier bei uns in Langnau repariert», erzählt Standortleiter Willy Grand. Velafrica sei der Hauptlieferant was Velos und damit auch Arbeit betreffe. «Die Spenden von Velos von umliegenden Gemeinden oder von Privatpersonen sind stark zurückgegangen», erklärt er. Dabei wäre die Abgabe eines alten Velos in Langnau unkompliziert: «Man kann das ganze Jahr über einfach bei uns vorbeikommen, direkt am Bahnhof Langnau, und sein Velo dalassen», erzählt Willy Grand. In der Recycling-Werkstatt würden jeweils vier Langzeit-Erwerbslose arbeiten. «Mit der Reparatur dieser Velos können sie einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen und erhalten eine Tagesstruktur», betont der Standortleiter. Man unterstütze mit der Abgabe seines alten Fahrrades also nicht nur Menschen in Afrika, sondern auch ganz in der Nähe. 

Auch Ersatzteile nutzen

Während Marco Müller mit dem Auseinanderschrauben des fahrtüchtigen Velos schon fast fertig ist, hat sein Kollege am Arbeitsplatz daneben etwas Mühe mit dem Sattel seines Velos. «Manchmal klemmt es einfach, da kann man nichts machen», meint Marco Müller und hilft ihm, den Sattel loszubekommen. Auch Standortleiter Willy Grand legt Hand an. Mit vereinten Kräften klappt es schliesslich. Am häufigsten müssten sie etwas an der Schaltung der Fahrräder reparieren. Manchmal sei aber auch gar nichts mehr zu machen. «Bei dem da drüben ist die Federgabel kaputt und wir haben kein passendes Ersatzteil hier», erklärt Müller. Darum werde dieses Modell auseinandergeschraubt. «Der Rahmen kommt in die Alusammlung und der Rest wird als Ersatzteile aufbewahrt und bei anderen Velos verwendet.» 

Die Velos, die repariert werden konnten, werden alle mit Etiketten der jeweiligen Kategorie beschriftet und im Schopf neben der Werkstatt aufgereiht, wo sie dann von Velafrica abgeholt werden und von Liebefeld aus ihre Reise zum anderen Kontinent antreten.

Pro Jahr über 20’000 Velos für Afrika

Seit 25 Jahren sammelt die Berner Organisation Velafrica in der ganzen Schweiz Velos und lässt sie in sozialen Werkstätten wie der Stiftung Intact wieder instand setzen. Die Velos werden nach Afrika verschickt, wo sie vielen Menschen einen besseren Zugang zu Bildung, Wasserstellen und medizinischer Versorgung ermöglichen. Pro Jahr kann Velafrica so über 20’000 Velos an verschiedene Partner in Afrika verschicken. Die Organisation fördert mit ihrem Konzept den Aufbau von Werkstätten und damit von Arbeitsplätzen an mehreren Orten in Afrika und unterstützt gleichzeitig soziale Einrichtungen in der Schweiz, in denen die Velos fahrtüchtig gemacht werden. 

In der gesamten Schweiz bestehen rund 400 Annahmestellen für Velos. Weiter werden immer wieder grössere, regionale Sammelaktionen organisiert, um an alte, vergessene Velos in den Kellern zu erinnern und Privatpersonen und Gemeinden für Velo-Spenden zu sensibilisieren. 

 

www.velafrica.ch/Sammelstellen

07.11.2019 :: Jana Wyss
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