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«Am Gurnigel zu starten ist eine Ehre»
«Am Gurnigel zu starten ist eine Ehre» Motorsport:

Im Rahmen des 50. Bergrennens am Gurnigel vom kommenden Wochenende wurden Schweizer Rennsport-legenden eingeladen, in einer Sonderklasse nochmals zu fahren.

Dabei sind auch Heinz Steiner aus Oberdiessbach und der in Häutligen wohnhafte Joe Wyss. 

 

Joe Wyss, wie sind Sie damals zum Automobilsport gekommen?

Für teures Geld erstand ich mir während meiner Lehrzeit als Hochbauzeichner ein Jahresabonnement eines Automobil-Magazins. Das kostete mich damals als Lehrling fast einen ganzen Monatslohn von 80 Franken. Nach der Lehrzeit fuhr ich mit einem Ford Escort 1300 GT mit ungefähr 70 PS auf die Baustellen. Ich verzichtete auf Ferien, Wirtshausbesuche, Tanzanlässe und ersparte mir so den Eintritt in den Motorsport. 

 

Wann waren Sie zum ersten Mal auf einer Rennpiste?

Zum ersten Mal nahm ich 1968 mit einem Ford Escort, auf der Thuner Panzerpiste, an einem Automobilslalom teil. Dabei konnte ich mich
bereits in den vorderen Rängen platzieren.

 

In der Folge fuhren Sie 35 Jahre -Rennen. Was hat Sie daran fasziniert?

In meiner mehr oder weniger unfallfreien Karriere fuhr ich nicht weniger als 17 Marken und über 30 Modelle. Entbehrungen waren nötig, doch ohne Enthusiasmus und Herzblut ist Rennfahren nicht möglich. Schweizer und europäische Rennen waren mir wichtig. Die einheimischen Bergrennen wie St. Ursanne–Les Rangiers, Oberhallau und Hemberg sind ganz spezielle Geschichten. Auch die Rennen in Hockenheim, Monza, Imola und am Redbull-Ring haften in bester Erinnerung.

 

Nach 16 Jahren Absenz steigen Sie nun also wieder in einen Rennwagen.

Zusammen mit neun andern Schweizer Rennsportlegenden habe ich eine Einladung erhalten, bei der 50. Austragung des Gurnigel-Rennens mit den alten Modellen den Berg hinaufzufahren. Das ist uns eine Ehre. Zudem ist der Gurnigel mein Hausberg. Heinz Steiner feierte am Gurnigel drei Tagessiege, ich durfte neun Pokale mit nach Hause tragen. Zusätzlich war ich im Jahr 2006 massgebend verantwortlich, dass dieses grösste Bergrennen in der Schweiz nicht abgeschafft wurde. Ich gründete einen Verein und war mehrere Jahre selbst als OK-Präsident tätig. 

 

Wie ist es um die Sicherheit bestellt am Gurnigel?

25 Jahre war ich Präsident des Komitees für Strecken und Sicherheit in der Schweiz. Sicherheit war und ist mir das Ein und Alles und zwar in der Reihenfolge vom Zuschauer über die Streckenfunktionäre bis zum Rennfahrer.

 

Haben Sie Bedenken, im «nostal-gischen» Auto Vollgas zu geben?

Bestimmt werde ich die Sache mal gemächlicher anpacken, als in den vergangenen Zeiten. Wie früher, werde ich die Strecke zuerst zu Fuss besichtigen. So kann ich mir die Kurven durch den Kopf gehen lassen und mich optimal vorbereiten. Das Auto wird in einem hundertprozentigen Zustand sein. Ich kenne die Fahrzeuge aus alten Zeiten in- und auswendig.

 

Wie hat sich die Technologie -entwickelt?

Weg von der Mechanik hin zur Elek-
tronik. Die Autos, aber auch die Strecken sind sicherer geworden. Mit der heutigen Elektronik ist die Analyse einfacher. Aber letztlich liegt es an den Fahrern so zu fahren, dass sie Unfälle vermeiden können.

 

Welche Unterschiede stellen Sie, verglichen mit früher, heute im Rennsport-Geschehen in der Schweiz fest?

Früher haben die Fahrer und Begleiter die Zwischenverpflegung in Form von weissen Bohnen und Wienerli selbst mitgenommen. Wir übernachteten im Zelt, heute kommen die Fahrer fast alle mit dem Camper. 

 

Wie stellen Sie sich dem Aspekt -Umwelt in Bezug auf die Autorennen?

Die Autos sind sauberer geworden. Ich mache stets einen Vergleich zur Tour de Suisse mit dem grossen Begleittross. Per Saldo verbraucht die Tour in einer Woche mehr Treibstoff als alle Bergrennen in der Schweiz während einer Saison. Erhebungen vor Jahren haben dies bestätigt.

Pedro Neuenschwander

 

 

50. Gurnigel-Bergrennen: Samstag, 7. September 2019 Training, Sonntag, 8. September Rennen.

05.09.2019 :: Pedro Neuenschwander
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