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Albträume
Auszeit:

Manchmal habe ich Albträume. Vermummte Gestalten stürmen das Haus und schiessen um sich. Oder ich sitze im Flugzeug und plötzlich werden die Motoren still – wir stürzen ab. Oder ich sitze im Gefängnis und sie bringen mich von der Zelle in die Folterkammer. Dramatische Geschichten. Ich wache zum Glück immer auf, bevor das Schlimmste passiert – schweissnass und mit Herzklopfen. Und beim Versuch, wieder einzuschlafen, denke ich mir aus, was ich tun würde, wenn die Situation real wäre. Am Morgen wird mir dann bewusst: Sie ist real. Nicht für mich, aber für andere. Ich habe im Traum zu verarbeiten versucht, was ich im Fernsehen gesehen und in der Zeitung gelesen habe. Albträume sind wahr. Es gibt Massaker und Amokläufe, Raubüberfälle und Attentate, es sinken Schiffe und es stürzen Flugzeuge ab, Menschen verbrennen in Häusern und werden von Lawinen verschüttet – oder werden unheilbar krank. Es hätte auch mir passieren können oder Ihnen. Wir sind noch einmal davongekommen. 

Ein solcher Albtraum erinnert mich daran, wie grosses Glück ich habe, dass ich von all dem verschont wurde. Aber warum wurden einige nicht verschont? Womit haben sie und ich das verdient? Die Frage ist falsch gestellt. Wir können nicht erklären, weshalb. Wir können uns höchstens überlegen, wozu. Wenn das Schicksal unserer Mitmenschen uns berührt, werden wir unser Glück nicht mehr als selbstverständlich betrachten. Wir werden zufriedener sein, weil wir verschont geblieben sind. Und wir werden ein Herz haben für jene im Unglück und versuchen, ihnen zu helfen. Denn es hätte genauso gut mich oder Sie getroffen haben können. Ich will Ihnen damit nicht Angst machen. Aber vielleicht, wenn Sie das nächste Mal einen Albtraum haben, wissen Sie nun, wozu er gut sein könnte...


21.03.2019 :: Samuel Burger
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