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Im Projekt «Blindsicht» versetzen sich Sehende in die Lage von Blinden
LANGNAU: Im Dunkeln ist bekanntlich gut munkeln – und essen?
02.02.2006 Ein gutes Abendessen mit musikalischer Unterhaltung und einer Märchenerzählerin. Klingt nach einem netten, aber gewöhnlichen Abend; wenn nicht alles im Dunkeln geschehen würde.
Lisa Blaser
Nachdem alles was blinkt, leuchtet oder piepst an der Garderobe abgegeben wurde, führt Urs Philipp, einer der Organisatoren von «Blindsicht», die Gäste über die beleuchtete Treppe ins Kellertheater hinunter. Dann heisst es Abschied nehmen vom Licht und in die Dunkelheit eintauchen. Zum Glück wird man gleich hinter dem Vorhang von René Jaun, einem sympathischen Kellner empfangen. Mit seiner Hilfe finden alle sicher zu ihren Tischen. Zuerst vermisst man den Sehsinn schon noch ein wenig und die Augen versuchen irgendwo Licht zu erhaschen. Doch schon bald erwachen andere Sinne, die im Alltag fast ein wenig vernachlässigt werden. Jetzt heisst es Tasten, um das Glas zu finden, und riechen und schmecken, um die Vorspeise zu erraten, die uns von René serviert wird.
Riechen und tasten Mit einer Sicherheit, die wohl nur ein Blinder zustande bringt, durchquert René behände den kleinen Raum. Dieser erscheint einem plötzlich viel grösser. Auch die Anzahl der Leute, die sich darin befinden, ist schwer zu erraten. Es wird einem bewusst, wie sehr man vom Sehsinn abhängig ist. Doch mit der Zeit fühlt man sich in der Dunkelheit immer mehr zu Hause. Es ist entspannend, sich einmal nur noch auf das Hören zu konzentrieren. Man orientiert sich an den Stimmen und kann entspannt reden, ohne darauf zu achten, was für eine Miene man macht. René lockert derweil die Stimmung mit witzigen Kommentaren auf, während er uns die Hauptspeise vor die Nase stellt. Tief einatmen, was könnte es diesmal sein? Am Tisch beginnt das grosse Rätseln. Einige zeigen sich begabt im Erraten der Speisen, anderen fehlen schlichtweg die Worte: Ist das nicht...na dieses..., wie heisst das noch mal?
Sensibilisierung Sheila Brunner aus Langnau, selbst sehbehindert, schreibt einen Bericht über den Blindsichtanlass für die Zeitung des SVB, des Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverbands. Sheila Brunner findet solche Anlässe, wie die «Blindsicht» oder die «Blinde Kuh» in Zürich und Basel sehr gut. «So können die Sehenden sich besser in die Lage von Blinden oder Sehbehinderten einfühlen. «Gerade in Langnau sei man noch nicht so sensibilisiert auf die Probleme der Sehbehinderten. Sie habe schon alle Reaktionen erlebt, Neugier und Hilfsbereitschaft, aber auch Zurückhaltung und Unsicherheit. Auch für sie ist es speziell, völlig im Dunkeln zu sein. Sie hat noch fünf Prozent Sehstärke und erkennt Umrisse und Farben. Es herrscht völlige Stille, als das «Duo Windspiel» melancholisch-schöne rumänische Melodien in die Dunkelheit spielt. Noch nie hat wohl ein Publikum so konzentriert der Musik gelauscht. Auch das Märchen, von Sonja Sollberger erzählt, findet die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer. Denn für einmal wird man nicht von anderen Dingen abgelenkt. Es gibt nur Geräusche, Düfte und Dunkelheit. Eine Dunkelheit, die sich immer angenehmer anfühlt. Auch die Musiker bestätigen dies. «Ich habe mich viel freier bewegt während dem Spielen», meinte Franziska vom Duo Windspiel. Mittlerweile fliegt René mit dem Dessert herbei. So kommt es einem jedenfalls vor. Man hört nur seine Stimme, wie sie sich durch den ganzen Raum bewegt. Und wer immer einen Wunsch hat, der Kellner ist sofort zur Stelle.
Projekt «Blindsicht» Nach etwa dreieinhalb Stunden, die Zeit verging wie im Fluge, steigen wir wieder in die Welt der Sehenden hinauf. Noch lange sieht man Blinzeln und Augenreiben, bis sich jeder wieder an die Helligkeit gewöhnt hat. Schliesslich lernen wir auch das Gesicht hinter der sympathischen Stimme kennen. René, ein selbstbewusster junger Mann, ist von Geburt an blind. Er hat nach der Matura unter anderem an der Expo im Service gearbeitet, und macht jetzt ein Fernstudium an der «Open University». Er findet es wichtig, dass Sehende Blinde richtig einschätzen können. Oft werde er als Blinder missverstanden oder unterschätzt. Urs Philipp, Markus Waber, Kathrin Wanner und Cornelia Hirsbrunner stehen hinter dem Projekt «Blindsicht», dessen Ziel es ist, das Ve
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KOLUMNE: Wir Affen
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