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WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH
Freitag, 3. September 2010  
         
  Der Künstler Frederic Stöckli beschäftigt sich mit dem Thema «Licht, Finsternis, Farbe» und mit Glasschleiferei
ZOLLBRÜCK: «Zum Licht gehört die Finsternis, auch wenn das verschwiegen wird»

04.03.2004 Frederic Stöckli lebte und liebte seinen Beruf als Lehrer, bis er 1986 den Dienst quittierte und sich ganz der Staffelei widmete. Vier Jahre später brach er mit der traditionellen Malerei, suchte und fand, was ihm fehlte: die Finsternis. Während der letzten zwei Jahren beschäftigte er sich mit der Glasschleiferei. Die Novalis-Taufkirche in Oberwiederstedt (D) soll neue Fenster erhalten.

• Silvia Ben el Warda-Wullschläger

 25 Jahre lang unterrichtete Frederic Stöckli an der Primarschule in Zollbrück. «Nach so vielen Jahren im Schuldienst fühlte ich mich innerlich leer. Ich wusste: etwas Neues musste wachsen.» 1986 trat er zurück, ohne genaue Vorstellung, was nun kommen sollte. Die Malerei, die ihn während der Berufstätigkeit nur am Rande begleitete, gewann an Bedeutung. Er besuchte einige Semester die Kunstgewerbeschule in Bern, widmete sich ganz seinem früheren Hobby. Mit Erfolg. Seine Bilder waren begehrt, die Ausstellungen stiessen auf Interesse. Trotzdem, Frederic Stöckli fand darin nicht seine Erfüllung. «Ich merkte immer mehr, dass dieser Weg für mich nichts Zukünftiges an sich hatte. Gleichzeitig wusste ich nicht, wie es nun weitergehen sollte.» 1990 brach er mit der traditionellen Malerei. Die Suche begann.

Vor dem Nichts
Der Künstler widmete sich zuerst intensiv der Musik (Geige) und besuchte ein Jahr das Freie Musikseminar in Hamburg. Auch Schottland gehörte zu seinen Stationen. Dort lebte und arbeitete er einige Monate in einem Heim für Behinderte. «Als ich nach eineinhalb Jahren zu meiner Frau zurückkehrte, die an der Berufsschule in Langnau unterrichtete, stand ich vor dem Nichts. Ich hatte kaum Antworten gefunden.» Auf seiner Suche jedoch gewann die Anthroposophie immer mehr an Bedeutung.

Begegnung mit der Finsternis
Weil er schon als Kind gerne Landwirt geworden wäre, besuchte er einen Kurs in biologisch-dynamischer Landwirtschaft in Dornach. Dort stiess Frederic Stöckli auf das Buch «Licht, Finsternis und Farbe» von Liane Collot d’Herbois. «Mit einem Schlag wusste ich: das ist es, was ich suche. Es bestanden absolut keine Zweifel mehr.» Nicht ein Licht ist ihm da aufgegangen, sondern der Finsternis ist er begegnet. Und diese hat alles verändert. «Zum Licht gehört die Finsternis, auch wenn das verschwiegen wird. Die Nacht hat nichts Bedrohliches an sich, sie wirkt vielmehr Leben, Lebenskraft. Das merkt am eigenen Leibe, wer einmal eine Nacht nicht geschlafen hat.»

Farbe kommt vor dem Sujet
Mit der Finsternis erhielten die Farben für Frederic Stöckli eine völlig neue Bedeutung. Und er begann auch hier, zu forschen. Goethes Farbenlehre, die durch Rudolf Steiner und Liane Collot d’Herbois ergänzt wurde, bildete die Grundlage für sein Tun. «Licht, Finsternis und Farbe erhalten beim Zustandekommen eines Kunstwerkes dieselbe Wichtigkeit und sind nur in ihrem Zusammenspiel zu verstehen.» Frederic Stöckli jedoch blieb nicht bei der Theorie stehen. Er wollte sie vielmehr erfahrbar und sichtbar machen. Diese Erkenntnisse veränderten seine künstlerische Arbeit völlig. «Bei mir steht seither nicht mehr das Motiv im Vordergrund, das ergibt sich während des Malens von selber. Meine Frage lautet vielmehr: Was willst Du, Farbe?» Die gemalten Bilder wirken auf den Betrachtenden transparent, leicht und luftig.

Die Arbeit mit Glas
Frederic Stöckli ist nicht bei der Malerei stehengeblieben, seit zwei Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Relief-Glasschleifen. Er behandelt und bearbeitet das eingefärbte Kathedralglas mit einem speziellen Verfahren. Die Handfertigkeit dazu hat er sich selber angeeignet. «Der Wechsel und das Zusammenspiel von Licht und Finsternis lässt sich mit dem Glas direkt erleben.» Mit Glas befasst sich der Künstler auch in seinem aktuellsten Projekt. Dabei geht es um die Renovation der Novalis-Taufkirche in Oberwiederstedt am Rand des Harzes (siehe Kasten).

Neue Fenster für Kirche
Frederic Stöckli ergriff die Initiative, die noch leeren gotischen Fenster der 700-jährigen Kirche zu gestalten. Die Entwürfe dazu hat er bereits gezeichnet, trotzdem geht es nicht vorwärts - wegen der Kosten. Die Renovation käme auf rund eine halbe Million Franken zu stehen. «Das Geld muss wohl von aussen beschaffen werden», meint der Zollbrücker. «In der ehemaligen DDR wird an solchen Gebäuden nur gerade das Nötigste renoviert. Neue Glasfenster gehören da nicht dazu.» Selber will er sic



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