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Freitag, 3. September 2010  
         
  Der Wirtschaftsteil der Ausstellung im Schloss Trachselwald ist neu
AMT TRACHSELWALD: Ein halb volles oder ein halb leeres Glas

26.06.2003 Die Region Trachselwald weihte vergangenen Donnerstag ihre überarbeitete Ausstellung im Schloss Trachselwald ein. Die Bereiche Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Sport wurden erneuert. Zudem strahlt die Franz-Eggenschwiler-Tafel in neuem Glanz und im Bergfried ist das Haslebacher-Lied zu hören.

von Jakob Hofstetter

 «Über die Wirtschaft des Amtsbezirks Trachselwald zu schreiben ist nicht ganz einfach», sagte Jürg Rettenmund an der Eröffnungsfeier der erneuerten Ausstellung. Wie man so etwas angehe, komme auf die Optik an. Rettenmund zog den Vergleich vom halb vollen respektive halb leeren Glas herbei.
Die Ausstellung sei kein Werbespruch für die Trachselwalder Wirtschaft, man habe sich um eine sachliche Darstellung der Fakten bemüht, versicherte er.

Wirtschaftskunde im Estrich
Einer Tafel im Estrich des Schlosses ist zu entnehmen, dass die Rangordnung der Sektoren Dienstleistung, Industrie/Gewerbe und Landwirtschaft im Amt Trachselwald die gleiche ist wie in der übrigen Schweiz. Die Entwicklung nimmt den selben Lauf. Unterschiedlich sind aber die Abstufungen. Während im schweizerischen Durchschnitt der erste Sektor lediglich 5,8 Prozent ausmacht, beträgt dieser im Amt Trachselwald 27,1 Prozent (2001). Noch bis 1985 war die Landwirtschaft in dieser ländlichen Gegend der Wirtschaftssektor mit der grössten Anzahl Arbeitsplätze. In der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre übertrafen Industrie und Gewerbe sowie Dienstleistungen den schrumpfenden Primärsektor.
Einen weiteren Wendepunkt der Wirtschaft des Amtsbezirks Trachselwald wird in der Ausstellung aufgezeigt. War es bis 1985 immer gelungen, die in der Landwirtschaft verschwundenen Arbeitsplätze in den beiden anderen Sektoren zu kompensieren, schrumpften nun die Zahlen insgesamt, anfänglich vor allem in der Industrie, dann jedoch auch bei den Dienstleistern. Von der günstigen Konjunkturlage in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre konnte die Trachselwalder Wirtschaft wenig profitieren. Soviel zum halb leeren Glas. Unter der Rubrik halb volles Glas ist in der Ausstellung unter anderem vermerkt, dass es in Sumiswald der Industrie gelungen ist, die Anzahl der verlorenen Arbeitsplätze durch die
Spitalschliessung mehr als zu kompensieren.
Die Ausstellung im Schloss-Estrich beschränkt sich nicht auf allgemeine Zahlen, sie berichtet auch ausführlich über die einzelnen Branchen.

Ein Lied mit 32 Strophen
Bereits bisher war dem Maler und Plastiker Franz Eggenschwiler aus Eriswil eine Ausstellungs-Tafel gewidmet. Nach dem Tod des Künstler, im Jahr 2000, habe sich eine Neugestaltung dieser Tafeln aufgedrängt, begründet Jürg Rettenmund.
Im Rahmen der Erneuerung ist auch der Bergfried um einen geschichtlichen Beitrag reicher geworden. Auf Knopfdruck sind einige Strophen des Haslebacher-Liedes zu hören, gesungen von Liedermacher und Autor des «Rebell vom Eggiwil» Urs Hostettler. Das ganze Lied mit seinen über 40 Strophen kann ab einer Tafel gelesen werden. Es erzählt vom letzten, im Kanton Bern hingerichteten Täufer, dem Hans Haslebacher aus dem Haslebach bei Sumiswald. Die Täufer hätten das Lied viel langsamer gesungen als er dies könne, erläuterte Urs Hostettler, der an der Eröffnungsfeier einige Strophen vortrug. «Wollten wir das ganze Lied in der Originalfassung singen, benötigten wir mehrere Stunden dazu».

Der nächste Streich?
Mit dem Bereich Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Sport ist die dritte Etappe abgeschlossen. Noch hegt die Arbeitsgruppe um Jürg Rettenmund, der als Historiker und Journalist die Ausstellung stark mitgeprägt hat, weitere Pläne. Beispielsweise solle anlässlich des nächsten Gotthelf-Jahres die um 1830 im Schlossgut eröffnete Knabenerziehungsanstalt thematisiert werden. «Es soll etwas leuchtendes sein», verriet Karen Wiedmer, Geschäftsführerin der Region Trachselwald. Mehr dazu war an der Feier nicht in Erfahrung zu bringen.
Bereits erneuert worden sind die Ausstellungstafeln zu den Gemeinden des Amtsbezirks Trachselwald. Auch der Bergfried, in welchem beispielsweise der Bauernführer Niklaus Leuenberger und Täufer eingesperrt waren, hat die Region Trachselwald publikumsfreundlich gestaltet.
Die Ausstellung im Estrich des Schlosses richtete der Amtsbezirk Trachselwald 1991 ein, anlässlich der 800-Jahr-Feier des Kantons Bern.



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