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Langjährige Pflegerin wird pensioniert
LÜTZELFLÜH: Von der Gemeindeschwester zur Spitexpflegerin gewandelt
11.03.2010 Nach 31 Jahren Pflegedienst tritt Susanne Wittwer in den Ruhestand. In ihren vielen Dienstjahren hat sie den vielfältigen Wandel der häuslichen Pflege erlebt.
Stephanie Schmid
Vor 31 Jahren trat Susanne Wittwer in Lützelflüh die Stelle zur Gemeindepflegerin an. Das Stellenprofil und die Arbeitsbedingungen von der ehemaligen Gemeindepflege, bis zur heutigen Spitexpflege änderten sich. Susanne Wittwer blieb dabei stets auf ihrer Position und tat über all die Jahre fürsorglich das, wozu sie angestellt war, die ihr anvertrauten Menschen pflegen. «Früher haben mich alle gekannt» «Früher haben mich in Lützelflüh alle gekannt, heute ist das nicht mehr so», erzählt Susanne Wittwer. Mit früher meint sie die Zeit, als sie bei der Gemeinde Lützelflüh noch als hauptverantwortliche Gemeindepflegerin angestellt war. 1979 trat die damals 32-Jährige dort ihre Stelle an. Träger der häuslichen Krankenpflege war, mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Lützelflüh, der Haus- und Krankenpflegeverein. Es gab zu damaligen Zeiten weder ein Dienstauto noch ein Büro für die ausgebildete Pflegerin. Die ersten zwei Jahre fuhr sie mit ihrem Privatauto zu ihren Klienten, Aufträge nahm sie daheim am Telefon entgegen. Damit war sie Tag und Nacht für die Menschen am Ort erreichbar. Ausgenutzt sei das allerdings nie worden, betont sie; lediglich bei Todes- oder Notfällen in der Nacht habe man gerne ihren Beistand gesucht. Denn die zu Pflegenden wohnten im Gegensatz zu heute oft noch bei ihren Familien. Somit war es ganz selbstverständlich, dass die Kinder des Hauses dabei waren, wenn zum Beispiel der Grossmutter die offenen Beine neu verbunden wurden. Im Gegenzug wusste Susanne Wittwer über viele Geschehnisse in den jeweiligen Familien Bescheid. Sie verband auch mal eine Verletzung bei einem anderen Familienmitglied und war Ansprechpartnerin und Ratgeberin der Familien. Unbürokratische Pflege Ob sie einen Ofen anfeuern könne, wurde sie beim Einstellungsgespräch gefragt. Sie musste verneinen, konterte allerdings, dass sie das ja noch lernen könne. Sie bekam die Stelle.Eine bettlägerige Dame war dann ihre Lehrmeisterin. Alleine aufstehen konnte diese nicht, aber vom Bett aus gab sie resolute Kommandos, wie die junge Pflegerin den Ofen anzufeuern hatte. Sehr persönlich sei der Beruf der Gemeindeschwester damals noch gewesen, die Verwaltung der Besuche im Vergleich zu heute simpel. In einem kleinen Buch notierte sie die Namen der Leute, die sie besucht hatte. Der Verein stellte ihre Dienstleistungen dann anhand eines einfachen Formulars in Rechnung. Diese wurden oft noch privat gezahlt, erst 1996 wurden Krankenkassen für alle Schweizer obligatorisch. Das Abrechungssystem wandelte sich nun zunächst in ein so genanntes Tax-Punkte-System, später kamen dann die Zeiterfassung und die Bedarfsabklärung hinzu. 1992 wurde aus dem Haus- und Krankenpflegeverein heraus der Spitexverein Lützelflüh-Trachselwald gegründet, der sich 2008 gänzlich auflöste. Aus dem Zusammenschluss mehrere Spitexvereine entwickelte sich nun die Spitex Region Lueg. Moderner, allerdings auch anonymer sei die Pflege seither, findet Susanne Wittwer. Auch müsse aus verschiedenen Gründen mehr dokumentiert werden. Die Klienten wird sie vermissen Der Arbeitstag startet nicht mehr direkt bei den Klienten, sondern im Büro in Ramsei. Der Zuwachs an Bürokratie und die Gebietsvergrösserung machen der ehemaligen Gemeindeschwester den Abschied leichter. Diesen Teil der Arbeit habe sie immer gewissenhaft erledigt, sagt Susanne Wittwer. Viel lieber war sie jedoch direkt bei den Menschen. Diese, besonders jene, die sie über Jahre betreut hat, werden ihr fehlen, das ahnt sie jetzt schon.
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