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Jugendliche quetschten Politiker aus
LANGNAU: «Frisierte Töfflis», das alte Rom und die komplizierte Wahl
11.03.2010 «Wie können Jugendgewalt und Alkohol-Exzesse eingedämmt werden?», fragten Jugendliche sechs Personen, die für den Grossen Rat kandidieren.
Bruno Zürcher
So richtig in Fahrt kam die Diskussion im zweiten Teil, als die Themen Kriminalität und Alkoholmissbrauch lauteten. Zuvor waren sich alle einig, dass beim Gesundheitswesen gespart werden müsse, das Spital Langnau müsse aber weiter bestehen. Einzig Hans Rüegsegger, FDP, meinte, dass man sich nicht sakrosankt an das Akutspital klammern sollte. Jugendliche fragten und hörten zu Da im Saal des Kirchgemeindehauses vor allem Jugendliche sassen und die Diskussion selber von Jugendlichen geleitet wurde, interessierten die Themen Kriminalität und Alkoholmissbrauch weit mehr. Samuel Leuenberger, BDP, gab sich jugendnah und erklärte, dass er als Jugendlicher den einen oder anderen «Seich» gemacht habe, beispielsweise «Töfflis frisiert». Viele Jugendliche von heute hätten das Problem, dass sie ihre überschüssige Energie nicht abbauen könnten. SP-Grossrat Bernhard Antener findet, dass das Problem um Jugendgewalt durch die Medien etwas aufgeschaukelt würde. «Man vergisst dabei, dass sich nur ein ganz kleiner Teil nicht anständig aufführt.» Der SVP-Vertreter Bruno Rosser hielt fest, dass die Eltern vermehrt Verantwortung übernehmen müssten. «In vielen Familien arbeiten beide Eltern, damit man sich jeden Luxus leisten kann.» Rosser findet es weiter schlecht, dass die Erziehung immer mehr an die Schule delegiert würde. Hans Rüegsegger ging noch einen Schritt weiter: Er propagierte eine autoritäre Erziehung auf der Basis christlicher Werte. «Dies werden wohl nicht alle in meiner Partei so sehen», erklärte der FDP-Kandidat. Er zeigte weiter auf, dass Probleme wie Alkoholmissbrauch nicht neu seien: «Bereits im alten Rom wurde die Völlerei zum Problem.» EDU-Voten von der FDP Bernhard Antener blickte nach Rüegseggers Ruf nach autoritärer Erziehung und christlichen Werten kurz auf die Einladung der Podiumsveranstaltung, um sich zu vergewissern, ob ein Vertreter der EDU hier spreche und stelle erstaunt fest, dass eben ein FDP’ler gesprochen hatte. Der Ruf nach autoritärer Erziehung brachte Sulamith Reimann, Grüne, auf den Plan, welche darin kein Allerweltsheilmittel sieht. «Der Druck auf die Jugendlichen ist eh schon enorm gross. Immer wird auf ihnen herumgeritten.» Auch der sechste Teilnehmer der Diskussion, Michael Egger von den Grünliberalen, hat seine Erfahrung mit autoritärer Erziehung gemacht: «Mein Vater war Oberst im Militär. Er hatte, was Erziehungsfragen anging, eine klare und unverrückbare Meinung. Ich war froh, als ich bei Schulkollegen erfuhr, dass in anderen Familien andere Regeln galten.» Wie Alkoholexzesse eindämmen? «Was könnte unternommen werden, dass der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen eingedämmt wird?», wollten die jungen Moderatoren wissen. «Mehr Verbote bringens nicht», meinte Samuel Leuenberger. Sulamith Reimann fordert mehr Prävention gegen Alkoholmissbrauch. «Alkohol gehört zum Leben. Man muss lernen damit umzugehen.» Der ehemalige Polizist Bruno Rosser forderte ein härteres Durchgreifen vor allem bei Pubfesten. Ein Patentrezept, wie dem Problem zu begegnen sei hatte aber niemand auf Lager – auch die Jugendlichen selber nicht.
Ich wähle nicht, ich wähle, ich wähle, ich wähle ni… Sind alle Jugendlichen Wahlmuffel? Bei den Jugendlichen der kaufmännischen Berufsschule, Klasse «K 145 BL», wurde das Interesse für Politik offenbar geweckt. Die Klasse organisierte unter der Leitung von Klassenlehrer Christoph Grimm, selber Grossrat, die Podiumsveranstaltung. «Ich würde wohl nicht wählen gehen, wenn wir uns im Unterricht nicht mit dem Thema befasst hätten», meinte ein junger Mann, der altersbedingt erstmals an einer Urnenwahl teilnehmen kann. Eine Kollegin meinte: «Ich werde wählen. Ich weiss nur noch nicht wen!» Im Publikum sassen weiter auch Lernende, die sich nicht an der Organisation der Diskussion beteiligten. Ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen. «Ich gehe sicher nicht wählen; das interessiert mich zu wenig», meinte eine junge Frau knapp. Ihre Kollegin nickte: «Es ist so schwierig sich einen Überblick zu verschaffen. Am Ende sind sich die Politiker dann doch nie einig.» Abschreckend wirkt offenbar auch das komplexe Wahlverfahren. Mehrere Jugendliche sagten, dass sie an Abstimmungen, wo man nur ja oder nein einsetzen müsse, schon teilgenommen hätten.
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